JOURNALISTEN IM ALLTAG

Arbeiten in Australien

Wenn das Sommerloch in die Weihnachtszeit fällt
27. Juni 2017, Daniela Lukaßen | Daniel Held

Wenn Barbara Barkhausen von ihrem Laptop aufblickt, schaut sie zunächst auf die Wipfel der Palmen, die vor ihrem Fenster hin und her schwingen. Quietschbunte Papageien und krakeelende Kakadus fliegen umher, und das Sonnenlicht glitzert auf der Wasseroberfläche des Pools. Die deutsche Journalistin lebt und arbeitet in einem Vorort von Sydney, der australischen Metropole am anderen Ende der Welt. Dort ist sie in erster Linie für deutsche Medien im Einsatz. Dass hier die Uhren anders ticken, zeigt sich nicht nur in den unterschiedlichen Zeitzonen und der Tatsache, dass Januar und Februar dort Hochsommermonate sind. Auch die Arbeit funktioniert 16 000 Kilometer entfernt von Deutschland ein wenig anders.

Eine echte Umstellung

Barbara Barkhausen und Wolfgang. | Foto: Lukaßen/Held
Barbara Barkhausen und Wolfgang Müller. | Foto: Lukaßen/Held

Barkhausen startete mit TV-Dokus über Haie, Giftspinnen und Schlangen, die sie im Auftrag deutscher Sender drehte. Für die ausgebildete Fernsehjournalistin bedeutete die erste Zeit in Australien vor 15 Jahren zunächst besonders eines: sich umstellen. „Wenn du Absprachen mit Deutschen triffst, steht das“, sagt Barkhausen. „Bei den Australiern wird ein Dreh häufig am selben Tag noch verschoben, obwohl da natürlich ein Kamerateam und weitere Kosten dranhängen.“

Als sie Mutter wurde und die Drehtage mehr und mehr zur logistischen Meisterleistung wurden, sattelte sie um und konzentrierte sich fortan auf das Schreiben. Bis heute zählen zu ihren Kunden Zeitungen und Magazine, auch aus Nordrhein-Westfalen. Für diese berichtet sie über Neuigkeiten aus ihrer Wahlheimat: Asteroiden-Krater im Outback, gefährliche Tiere oder australische Parlamentswahlen – Barbara Barkhausen ist Expertin für das, was in Australien von Relevanz ist. Außerdem arbeitet sie tagesaktuell für eine deutschsprachige Agentur und schreibt Bücher. Die Auswanderin hat also ein buntes Potpourri im Angebot. Eine wichtige Voraussetzung, um Down Under im Journalismus erfolgreich zu sein.

„Heute musst du crossmedial arbeiten“, pflichtet Wolfgang Müller bei. Auch er ist ein deutscher Journalist, der in Australien lebt und für Medien in der alten Heimat arbeitet. Insgesamt sehe die Lage ähnlich aus wie in Deutschland. „Die Bezahlung für Journalisten in Australien könnte besser sein. Die Branche schrumpft unheimlich.“

Müller stammt ursprünglich aus Köln. „Ich bin vor 35 Jahren hierher gekommen – als Assistenz-Lehrer.“ Schon bald merkte er: Der Journalismus liegt ihm mehr als das Schulleben. Er bekam einen Korrespondentenvertrag, berichtete exklusiv für eine Tageszeitung. Dann wechselte er zum Radio, bis er schließlich 15 Jahre lang TV-Nachrichten produzierte. „Damals gab es kaum Beziehungen zwischen Deutschland und Australien“, erinnert er sich. Der Verkauf von Themen gestaltete sich darum schwierig. Das sei nun anders, wie Müller berichtet. „Die Olympischen Spiele 2000 und der Besuch von Angela Merkel vor drei Jahren haben vieles verändert.“ Heute, so sagt er, sei das Interesse an Themen aus Australien größer geworden.

Doch einfach ist das Leben fernab der Heimat nicht immer. „Der Markt ist eben sehr begrenzt“, erklärt Barkhausen. Viele Journalisten konkurrieren darum, die deutschen Medien mit Themen vom Fünften Kontinent zu versorgen. Der Konkurrenzdruck bleibt nicht ohne Folgen: Bis man sich unter den Kollegen vertraut, braucht es Zeit. „Es hat Jahre gedauert, bis wir uns gegenseitig Jobs zugeschustert und weitergeholfen haben“, erinnert sich Müller. Heute beliefern die Freien in der Region Sydney alle unterschiedliche deutsche Medien. Jeder hat seine Stammkunden.

Einfacher vorgestellt

Annette Dutton. | Foto: Lukaßen/Held
Annette Dutton. | Foto: Lukaßen/Held

Als Annette Dutton der Liebe wegen nach Australien zog, dachte sie nicht daran, dort ihren Traumjob zu finden. „Ich habe zunächst auf dem Land gelebt und gar nicht gezielt nach einer Nische gesucht“, schildert sie, „dennoch habe ich mir das Arbeiten am Anfang einfacher vorgestellt.“ Erst als sie nach Melbourne umzog, gestaltete sich das Verkaufen von Themen an deutsche Medien leichter. „Das klappt einfach besser, wenn man in den Großstädten lebt.“ Mit 2,7 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört Australien zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Welt. Da die meisten der 24 Millionen Einwohner in den Städten leben, sind auch dort die Themen zu finden.

Weil sie in Deutschland lange für das ZDF gearbeitet hatte, verfügte Dutton von Anfang an über gute Kontakte, wie sie sagt. Eines Tages erhielt sie von ihrem früheren Redaktionsleiter das Angebot, die zweiteilige Doku „Der Zug der Träume“ mit zu produzieren. Sie sagte zu und reiste mit einem Camper für die Vor-Ort-Recherche durch den ganzen Kontinent. Später berichtete sie für das ZDF über die australischstämmige Frau von Prinz Frederik von Dänemark, Kronprinzessin Mary Elizabeth. Doch hauptsächlich schreibt die studierte Geisteswissenschaftlerin Romane. „Alle beziehen sich auf Australien und haben einen realen historischen Hintergrund. Mich reizen eben am meisten Figuren, die es tatsächlich gegeben hat. Da kommt dann doch wieder die klassische Journalistin in mir durch.“

TV-Produktionen als Abwechslung

Zum Bücherschreiben kam sie, als sie für den Blog einer Frauenzeitschrift über deutsche Expats berichtete – also Menschen, die ihren Wohnsitz vorübergehend oder dauerhaft in einem anderen Land und einer anderen Kultur eingerichtet haben. Ihr jetziger Verlag wurde darüber auf sie aufmerksam und fragte, ob sie sich vorstellen könne, in dieser Art ein Buch zu schreiben. „Ich freute mich riesig über das Angebot und wäre sonst nie auf diesen Gedanken gekommen.“ So wechselte sie zur Belletristik und ist dieser seitdem treu geblieben.

Aber auch das Fernsehen ist für Dutton weiterhin ein Arbeitsfeld. Allerdings sei es nicht immer einfach, sich als Freie gegen die festangestellten Kollegen aus Deutschland durchzusetzen. „Die Chance, selbst nach Australien zu fliegen und hier zu drehen, lassen sie sich nicht entgehen.“ Dennoch: Annette Dutton pflegt ihre Kontakte zu den deutschen Sendern. „Die Ansprechpartner kennen mich. Wenn sie eine Story über Australien brauchen, kommen sie meist direkt auf mich zu.“ Zu ihrer Autorentätigkeit im stillen Kämmerlein stellt die Vor-Ort-Recherche fürs Fernsehen eine tolle Abwechslung dar, wie Dutton selbst sagt.

Abwechslung ist auch für Nadine Halberkann ein Stichwort: Bei ihr gleicht kein Arbeitstag dem anderen. Für die Bergisch-Gladbacherin begann die journalistische Karriere erst mit ihrer Auswanderung nach Australien. In Sydney produziert sie heute fast im Alleingang die einzige deutschsprachige Wochenzeitung: die Neue Woche mit einer Auflage von 1 800 Exemplaren. Darin versorgt sie Deutschsprachige in Australien und Neuseeland mit Nachrichten und Berichten aus Europa – vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vieles kommt von der dpa. Sie selbst schreibt vor allem über das deutschsprachige Leben in Australien und besonders gerne über kulturelle Themen. „Leider gehen die Leserzahlen zurück, weil die Kunden älter werden und die Jüngeren schwierig anzuwerben sind.“ Das Internet wird mehr und mehr zu ihrer Konkurrenz.

Journalistisch Fuß gefasst

Nadine Halberkann. | Foto: Lukaßen/Held
Nadine Halberkann. | Foto: Lukaßen/Held

Und auch ihr persönlicher Weg war kein leichter. „Ich bin nach der Uni gekommen, um Englisch zu lernen und wollte sieben Monate als Backpacker auf einer Farm arbeiten“, erzählt die 38-Jährige. Im Anschluss absolvierte sie ein Praktikum bei der deutschen Zeitung in Sydney. Eine Arbeit, die ihr Spaß machte. Als sie nach Deutschland zurückkehrte, um journalistisch Fuß zu fassen, suchte sie erfolglos nach einem Volontariat. Stattdessen kam das Angebot aus Sydney, bei der Zeitung als Redaktionsleiterin zu arbeiten. Vier Jahre später konnte sie das Blatt ganz übernehmen.

Heute verdient Halberkann vor allem durch Anzeigenkunden. „Ohne Werbung könnte sich die Zeitung nicht tragen“, sagt sie. Ihre Planung verläuft halbjährlich, weil die Kunden in diesem Rhythmus zahlen. „Von meinen Einnahmen mache ich immer wieder abhängig, ob ich weitermache. Im Mai ist besonders viel los, rund um Weihnachten haben wir dagegen unser Sommerloch“, erklärt die Herausgeberin. Aktuell aber ist Herbst. Imposante Wellen rauschen am Strand von Manly. Noch so ein Unterschied zu Deutschland …

Das könnte sie auch interessieren

Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Krankenkassen- und Krankenversicherungen

Die Branche der Krankenkassen und -versicherungen ist durch eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen gekennzeichnet. Allein in Nordrhein-Westfalen sind rund 60 gesetzliche Krankenkassen tätig.

Wichtigste Unterscheidung in der Branche ist die nach gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen. Die meisten Menschen, nämlich rund 75 Millionen bundesweit, sind über die
gesetzlichen Kassen versichert. Diese wiederum haben sich zum Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzen­verband) zusammengeschlossen (➝ www.gkv-spitzenverband.de). Unter ihnen lassen sich ferner Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), Betriebskrankenkassen (BKK), Innungskrankenkassen (IKK), Ersatzkassen, Knappschaft und die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK) unterscheiden. Die Wahl der Krankenkasse ist heute nach § 175 SGB V grundsätzlich frei – berufs- und betriebsunabhängig.
Größte gesetzliche Krankenkasse in Nordrhein-Westfalen ist die AOK Rheinland/Hamburg mit Sitz in Düsseldorf mit aktuell 2,9 Mio.
Versicherten und mehr als 100 Geschäftsstellen. (➝ www.aok.de/rheinland-hamburg). Die ebenfalls in NRW (und Schleswig-Holstein) tätige AOK NORDWEST betreut rund 2,8 Mio. Versicherte in über
180 Geschäftsstellen (➝ www.aok.de/nordwest).
Fast ein Drittel der Bevölkerung ist bei den in NRW tätigen Ersatzkassen versichert (TK, BARMER GEK, DAK Gesundheit, hkk, KKH Allianz, HEK), die allein in NRW rund 6,2 Mio. Versicherte betreuen. Dach­verband ist der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) (➝ www.dvek.de/ Bereich „Landesvertretungen“). Eine weitere große Gruppe sind die rund 25 Betriebskrankenkassen, die im Lande tätig sind – mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern. Der BKK-Landesverband NORDWEST mit einer Hauptverwaltung in Essen ist die Dachorganisation für die Betriebskrankenkassen in NRW, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Er steht für insgesamt 2,5 Mio. Versicherte. (➝ www.bkk-nordwest.de).
Vornehmlich im Bereich des Handwerks sind die Innungskrankenkassen tätig. Größte ist mit bundesweit 3,5 Millionen Versicherten die IKK classic (➝ www.ikk-classic.de). Als eigenständige Kassenart versichert auch die Knappschaft Bahn-See mit Sitz in Bochum rund 800 000 Menschen in NRW; bundesweit sind es 1,6 Mio. (➝ www.kbs.de).
Landwirte und ihre Angehörigen sind über die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) versichert. Bundesweit handelt es sich um rund 650 000 Versicherte (➝ www.svlfg.de).
Den gesetzlichen Kassen stehen die privaten Krankenversicherungen gegenüber – mit rund 50 Gesellschaften, die allesamt bundesweit tätig sind. Ein gutes Dutzend der Privaten hat seinen Stammsitz in NRW. Vertreten werden sie vom Verband PKV (➝ www.pkv.de).

Die Branche der Krankenkassen und -versicherungen ist durch eine Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen gekennzeichnet. Allein in Nordrhein-Westfalen sind rund 60 gesetzliche Krankenkassen tätig.

Wichtigste Unterscheidung in der Branche ist die nach gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen. Die meisten Menschen, nämlich rund 75 Millionen bundesweit, sind über die
gesetzlichen Kassen versichert. Diese wiederum haben sich zum Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzen­verband) zusammengeschlossen (➝ www.gkv-spitzenverband.de). Unter ihnen lassen sich ferner Allgemeine Ortskrankenkassen (AOK), Betriebskrankenkassen (BKK), Innungskrankenkassen (IKK), Ersatzkassen, Knappschaft und die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK) unterscheiden. Die Wahl der Krankenkasse ist heute nach § 175 SGB V grundsätzlich frei – berufs- und betriebsunabhängig.
Größte gesetzliche Krankenkasse in Nordrhein-Westfalen ist die AOK Rheinland/Hamburg mit Sitz in Düsseldorf mit aktuell 2,9 Mio.
Versicherten und mehr als 100 Geschäftsstellen. (➝ www.aok.de/rheinland-hamburg). Die ebenfalls in NRW (und Schleswig-Holstein) tätige AOK NORDWEST betreut rund 2,8 Mio. Versicherte in über
180 Geschäftsstellen (➝ www.aok.de/nordwest).
Fast ein Drittel der Bevölkerung ist bei den in NRW tätigen Ersatzkassen versichert (TK, BARMER GEK, DAK Gesundheit, hkk, KKH Allianz, HEK), die allein in NRW rund 6,2 Mio. Versicherte betreuen. Dach­verband ist der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) (➝ www.dvek.de/ Bereich „Landesvertretungen“). Eine weitere große Gruppe sind die rund 25 Betriebskrankenkassen, die im Lande tätig sind – mit mehr als zwei Millionen Mitgliedern. Der BKK-Landesverband NORDWEST mit einer Hauptverwaltung in Essen ist die Dachorganisation für die Betriebskrankenkassen in NRW, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Er steht für insgesamt 2,5 Mio. Versicherte. (➝ www.bkk-nordwest.de).
Vornehmlich im Bereich des Handwerks sind die Innungskrankenkassen tätig. Größte ist mit bundesweit 3,5 Millionen Versicherten die IKK classic (➝ www.ikk-classic.de). Als eigenständige Kassenart versichert auch die Knappschaft Bahn-See mit Sitz in Bochum rund 800 000 Menschen in NRW; bundesweit sind es 1,6 Mio. (➝ www.kbs.de).
Landwirte und ihre Angehörigen sind über die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) versichert. Bundesweit handelt es sich um rund 650 000 Versicherte (➝ www.svlfg.de).
Den gesetzlichen Kassen stehen die privaten Krankenversicherungen gegenüber – mit rund 50 Gesellschaften, die allesamt bundesweit tätig sind. Ein gutes Dutzend der Privaten hat seinen Stammsitz in NRW. Vertreten werden sie vom Verband PKV (➝ www.pkv.de).

Zum Pressestellenverzeichnis