MEDIENSZENE NRW

Die Nische als fixe Idee

NRWs erste sublokale Hörfunkstation sendet in Pulheim
27. Juni 2017, Sascha Fobbe

Antenne Pulheim 97,2 – voll informiert um halb. Die Nachrichten von hier – jetzt.“ Oder: „Wissen, was wichtig ist. Jetzt: Radio Erft-Nachrichten“. Die Menschen in Pulheim haben seit dem 2. März die Wahl zwischen zwei privaten werbefinanzierten lokalen Radiosendern: Das ist einzigartig in ganz NRW. Und der Lokalfunksender Radio Erft hat damit als einziger in NRW lokale Konkurrenz.

„Durch mehr Vielfalt verstärkt sich vielleicht der Reiz, Radio zu hören. Wenn die Zahl der Nicht-Hörer durch einen neuen Anbieter sinkt, kann man das als Radiomacher nicht schlecht finden.“ Radio Erft-Chefredakteur Thomas Habke, in dessen Sendegebiet Pulheim liegt, bleibt entspannt. 20 Watt Sendeleistung, vernünftiger UKW-Empfang nur für etwa 18 600 Pulheimer: Als echte Konkurrenz sieht er den neuen Radioanbieter nicht. „Ich will das aber nicht kleinreden, das ist ein ambitioniertes Projekt von Leuten, die Lust auf Radio haben.“

Jan Lüghausen hat sich mit Antenne Pulheim 97,2 einen Traum erfüllt. | Foto: privat
Jan Lüghausen hat sich mit Antenne Pulheim 97,2 einen Traum erfüllt. | Foto: privat

Ein begeisterter Radiomensch

Jan Lüghausen, einer der beiden Macher hinter Antenne Pulheim, ist schon lange begeisterter Radiomensch. Viele Jahre hat er mit einem Verein Veranstaltungsradio in Pulheim gemacht. Dann kam der Wunsch auf, dauerhaft zu senden. Im zweiten Anlauf hat die Central FM Media GmbH (hinter der Lüghausen und sein Partner Moritz Grosse stehen) im September 2016 den Zuschlag für eine freie Pulheimer Frequenz bekommen – als einziger Bewerber. Sechs Monate später war Sendestart.

„Ich hatte mit 18 die fixe Idee, einen Radiosender haben zu wollen, jetzt habe ich zwei.“ Lüghausen hat sich seinen Jugendtraum erfüllt. Die Central FM betreibt neben Antenne Pulheim noch Radio Saarschleifenland im Saarland. Das ist eher ein Touristenradio, Antenne Pulheim hat eine andere Ausrichtung: Eine Stunde mit lokalen Inhalten ist Pflicht, um die Lizenzbedingungen zu erfüllen. „Wir machen mehr“, betont Lüghausen.

Der „Sublokalsender“ sendet jeden Tag 14 Stunden Programm, ausschließlich mit freien Mitarbeitern. „Das wäre sonst nicht zu finanzieren“, sagt Lüghausen. Um möglichst kostengünstig zu sein, werden die Sendungen vorproduziert, die Lokalnachrichten am Tag mehrfach wiederholt. „Die Alternative wären Billigvolontäre gewesen, das wollten wir nicht.“

Andere Werbekunden

Die Werbetreibenden der Stadt nehmen das neue Angebot an: Schon im Mai waren nach Angaben Lüghausens die Investitionen bezahlt, ab Herbst will Central FM Geld mit Antenne Pulheim verdienen. Dabei sieht der Senderchef sein Radio nicht als Konkurrenz zu Radio Erft: Seine Werbekunden seien eher die kleinen Geschäfte in Pulheim, die bei Werbung über den gesamten Kreis zu viele Streuverluste hätten.

Habke bestätigt das: „Für den kleinen Bäcker in Pulheim ist die Werbung bei uns zu teuer.“ Werbetechnisch ist der Stadtsender also keine Gefahr für Radio Erft. Inhaltlich zumindest zur Zeit eher nicht: Die Nachrichten bestehen zum Beispiel hauptsächlich aus Pressemitteilungen der Stadt und der Polizei sowie aus Hinweisen auf wichtige Veranstaltungen in der Nachbarstadt Köln.

Selbst wenn er wollte, könnte Lüghausen als einziger Vollzeit-Hauptberuflicher des Senders nicht zu lokalen Terminen gehen. Er wohnt und arbeitet in Merzig im Saarland. Die moderne Technik macht es möglich, von dort aus das Programm für Pulheim zu gestalten. Trotzdem nimmt die Konkurrenz ihn genau wahr, glaubt Lüghausen: „Sie beachten uns nicht, hören uns aber.“

„Wir waren zum Sendestart eingeladen und sind auch hingegangen. Damit war das Thema für uns erledigt“, sagt Radio Erft-Chef Habke dazu. Er ist trotzdem gespannt, Hörerzahlen von Antenne Pulheim zu sehen. Über die Medienanalyse wird er die nicht bekommen, diese Auswertung ist Lüghausen zu teuer: „Im Juli wollen wir erste Hörerbefragungen machen und wir fangen auch an, die Dachmarke auszubauen. Wir denken da zum Beispiel an eine Antenne-Pulheim-Party.“ Das Ziel: Die Bekanntheit steigern und einen „gewissen“ Marktanteil erzielen. „Wenn wir 10 bis 20 Prozent der Menschen in Pulheim erreichen, wäre das schön. Damit nehmen wir Radio Erft auch nichts weg.“

Die Veranstaltergemeinschaft von Radio Erft und der Verband Lokaler Rundfunk werden die Entwicklung sicher genau beobachten. Schon im Vorfeld hatten sie sich nicht amüsiert gezeigt, dass Radio Erft bei der Frequenzvergabe nicht berücksichtigt worden war. Dazu heißt es von der Landesanstalt für Medien NRW: „Radio Erft hatte keinen Bedarf, weil in Pulheim die Hauptnutzfrequenz von Radio Erft (105,8 Mhz) den Bereich versorgt. Es gab also keine Versorgungsdefizite.“

Nach dem Landesmediengesetz können sich „sonstige Interessenten“ um eine Frequenz bewerben, wenn weder der Lokalfunk noch eine mögliche landesweite Kette, noch die Hochschulradios Bedarf haben. Könnte also Antenne Pulheim das Modell für andere sublokale Radios sein? Ja, sagt LfM-Pressesprecher Dr. Peter Widlok. Allerdings: „Gegenwärtig gibt es nach unserer Kenntnis keine weiteren Frequenzen für sublokales Radio.“

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Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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