UNTER UNS

Infoabend für Produzenten

Worauf man bei Vertragsverhandlungen achten sollte
16. August 2016, Corinna Blümel

Dass NRW der TV-Produktionsstandort Nr. 1 in Deutschland ist, wurde letztens wieder bestätigt. Eigentlich eine gute Voraussetzung, um als Journalistin oder Journalist ein Auskommen zu finden, indem man Beiträge dreht – für private oder öffentlich-rechtliche Sender oder auch für Unternehmen oder Verbände. Wäre da nur nicht die Sache mit den Verträgen und das große Ungleichgewicht zwischen Auftragnehmern und Auftraggebern. Und weil kleine Produktionsfirmen, Ein-Mann/Frau-Betriebe oder freie Journalistinnen und Journalisten keine Rechtsabteilung haben, sitzen gerade sie bei Verhandlungen meist am kürzeren Hebel.

Viel Raum für Fragen und Diskussionen gab Referentin Renate Schmid beim Infoabend für Produktionsfirmen.| Foto: Corinna Blümel
Viel Raum für Fragen und Diskussionen gab Referentin Renate Schmid beim Infoabend für Produktionsfirmen. | Foto: Corinna Blümel

Was sollte der Vertrag regeln und worauf ist bei der Verhandlung, aber auch bei Vertragsabwicklung und Abnahme zu achten? Wer haftet für Fehler und wann lohnt es, nach einer Erlösbeteiligung zu fragen? Das erläuterte die Medienrechtsanwältin Renate Schmid (Kanzlei Wilde Beuger Solmecke) Anfang Juni in Köln und beantwortete im Dialog mit den knapp 30 Teilnehmenden zahlreiche Fragen. Eingeladen hatte der DJV-NRW in Kooperation mit der Kölner Journalisten-Vereinigung.

Möglichst genau definieren

Die Referentin erläuterte wichtige Rechtsgrundlagen zum Vertragsabschluss (außerhalb der tariflichen Regelungen bei öffentlich-rechtlichen Sendern). Besonders wichtig sei es, den Vertragsgegenstand möglichst genau zu beschreiben, „denn das ist die Grundlage, wenn es hinterher um die Entscheidung geht, ob der Vertrag erfüllt ist“. Ins Vertragswerk gehören deswegen neben Regelungen zu Format, Konzept, Drehbuch und Mitwirkenden zum Beispiel auch die wesentlichen Termine (Drehbeginn, Lieferdaten, Rohschnitt, Feinschnitt) und Angaben zur Materiallieferung gemäß technischen Richtlinien. Für die Vergütung sind nicht nur Höhe und Abschläge oder Ratenzahlung zu bestimmen. Weil in der Regel Fixpreise vereinbart werden, sollten Auftragnehmer dringend auch eine Vereinbarung treffen, wie Sonderwünsche zu vergüten sind.

Ein besonderes Augenmerk empfahl Renate Schmid auch für die Regelungen zur Abnahme und für Fragen der Rechteeinräumung und Rechtegarantie. Rechtefragen können an einigen Stellen vor allem deshalb knifflig werden, „weil der Produzent oft in einer Sandwich-Position zwischen dem Auftraggeber und den anderen Beteiligten sitzt. Alle Rechte, die der Kunde abgetreten haben will, muss ich als Produzent bei den Beteiligten ankaufen.“ Regeln sollte der Produktionsvertrag darüber hinaus zum Beispiel auch Punkte wie Versicherung und Beistellungen des Senders sowie das Recht auf Namensnennung.

Die Rechtswältin warnte eindringlich vor dem – in der Branche durchaus üblichen – „Fang-doch-schon-mal-An“, ehe ein Vertrag geschlossen ist. Denn die Produktionsfirma bzw. der Journalist geht dabei auf eigenes Risiko in Vorleistung und findet sich allein schon deshalb hinterher in einer schlechteren Verhandlungsposition.
Die erste DJV-Veranstaltung dieser Art in NRW kam bei den Teilnehmenden gut an, wie die Feedbackbögen zeigen. Er machte aber auch deutlich, wie schwer es für Journalisten und kleine Produzenten ist, ihren Weg in diesem Bereich zu machen.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 4/16, dem Mitglieder- und Medienmagazin des DJV-NRW.

Das könnte sie auch interessieren

Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

Zum Pressestellenverzeichnis