TARIFE | Lokalfunk

Lokalfunk: Nun wird „nur“ übers Gehalt verhandelt

Arbeitgeber lenkt bei Öffnungsklauseln ein
10. August 2017, red.

Manchmal ändert sich auch was zum Besseren: In den Tarifverhandlungen für den NRW-Lokalfunk haben sich die Arbeitgeber im Vorfeld der vierten Verhandlungsrunde überraschend von ihren Forderungen nach Öffnungsklauseln für „notleidende“ Sender verabschiedet. In den bisherigen Verhandlungsrunden hatten sie darauf bestanden, erst dann über mehr Geld für die Beschäftigten zu reden, wenn die Gewerkschaften Öffnungsklauseln und anderen „Strukturanpassungen“ im Vertrag zustimmen. Das hätte für die Beschäftigten mehrerer Sender unter anderem die Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld bedeutet.

Die Gewerkschaften hatten sich gegen diese Forderungen der Gegenseite gewehrt und immer wieder deutlich gemacht: Es sei den Kolleginnen und Kollegen nicht zu vermitteln, dass sie für Verlustvorträge bluten sollten, die die Unternehmen über Jahre angesammelt haben. Die Botschaft scheint angekommen zu sein: Nach dem Einlenken der Arbeitgeber werden die Tarifverhandlungen am 26. September nun als reine Gehaltsrunde weitergeführt. Die Arbeitgeber bieten allerdings nach wie vor kümmerliche 1,x Prozent Gehaltssteigerung bei 24 Monaten Laufzeit.

Nach Abschluss der Gehaltstarifrunde werden beide Seiten Gespräche über eine „Modernisierung“ des Manteltarifvertrags aufnehmen. Nach Vorstellung der Arbeitgeber soll das bisherige Modell der Gehaltssteigerungen aufgrund von Berufsjahren durch ein anderes ersetzt werden: So könnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach ihrer Funktion bezahlt werden.

So sollen „höherwertige Tätigkeiten“ höher eingruppiert werden. Das könnte zum Beispiel Zuschläge für Morgen-Moderatoren bedeuten. Sobald sie die Sendungen abgeben (müssen), würde die Zusatzvergütung aber wieder entfallen. Dabei müsste aus Sicht des DJV-NRW sichergestellt werden, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht von einem Tag auf den anderen auf Zuschläge verzichten müssen.

Kritisch sieht der DJV-NRW außerdem, dass die Arbeitgeber insgesamt nicht mehr Geld zur Verfügung stellen wollen. Müssten Zuschläge für die einen also durch Abschläge für die anderen erkauft werden? Nicht zuletzt bleibt die Frage, wie sich wachsende Berufserfahrung künftig in der Vergütung niederschlagen soll. Denn die Attraktivität des Lokalfunks als Arbeitgeber sollten die Sender nicht aus dem Blick verlieren. Schließlich spüren sie schon heute, dass es schwieriger wird, gute Journalistinnen und Journalisten zu gewinnen und zu halten.

Es ist also abzusehen, dass die Gespräche über eine „Modernisierung“ länger dauern werden, zumal die Arbeitgeber die Absenkung der Jahresleistung für alle Mitarbeiter von 1,7 auf 1,2 Monatsgehältern anstreben.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 4/17, dem Mitglieder- und Medienmagazin des DJV-NRW.

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