Gleiches Geld für gleiche Arbeit: Zentrale Kundgebung am 2. Januar in Euskirchen. | Foto: Corinna Blümel
Gleiches Geld für gleiche Arbeit: Zentrale Kundgebung am 2. Januar in Euskirchen. | Foto: Corinna Blümel
 
Tarife

RRG: Die Zeichen stehen weiter auf Streik

Große Mehrheit bei der Urabstimmung Anfang Februar
21. Februar 2018, Corinna Blümel

Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Gewerkschaftsmitglieder unter den rund 100 Beschäftigten der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG) am 5. Februar in einer Urabstimmung für die Fortsetzung der Tarifauseinandersetzung ausgesprochen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen auch künftig zur Durchsetzung ihrer Forderungen streiken. Ziel der Belegschaft ist es, dass die tariflose RRG die Flächentarifverträge anerkennt.

Die Beteiligung an der Abstimmung war außergewöhnlich hoch. Zur Urabstimmung aufgerufen hatten die Gewerkschaften DJV und ver.di. Die Abstimmung wurde von einem eintägigen Warnstreik begleitet. DJV-Verhandlungsführer Volkmar Kah: „Das Ergebnis der Urabstimmung ist ein klares Votum für faire und angemessene Arbeitsbedingungen auch für junge Kolleginnen und Kollegen in der RRG.“

Die Arbeitgeberseite machte allerdings auch bei der neunten Verhandlungsrunde am Tag nach der Urabstimmung erneuten Beratungsbedarf geltend. Die Verhandlungen werden am 13. Februar (nach Drucklegung des JOURNALs) fortgesetzt. Über aktuelle Entwicklungen informiert der DJV-NRW auf der eigenen Internetseite, über die sozialen Medien und die Seite Zeitungsmacher.koeln (s.u.).

Kampf auch für künftige Beschäftigte

Seit gut einem Jahr verhandeln die Kolleginnen und Kollegen bei der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG) über die Rückkehr in den Tarif (siehe zuletzt JOURNAL 6/17). In dieser Zeit hat sich die Arbeitgeberseite zwar ein Stück bewegt. Aber lange nicht so weit, wie die Beschäftigten dies fordern. Denn denen geht es nicht darum, einfach das Label Haustarif auf schlechte Vereinbarungen zu kleben. Die RRGler kämpfen dafür, dass der Beruf in ihrem Haus auch für künftige Beschäftigte, ob in der Redaktion oder im Sekretariat, attraktiv ist.

Im vergangenen Jahr hatten große Pausen zwischen den Verhandlungsrunden gelegen, wohl weil die Arbeitgeberseite immer wieder Bedenkzeiten brauchte. Seit dem Jahreswechsel folgen die Verhandlungen deutlich schneller aufeinander. Das dürfte auch am entschlossenen Auftreten der Beschäftigten liegen. Die hatten direkt zum Jahresauftakt ab 2. Januar für sechs Tage die Arbeit niedergelegt. Der bisher längste Warnstreik unter hoher Beteiligung hatte mit einer zentralen Kundgebung in Euskirchen begonnen, an den Folgetagen trafen sich die Streikenden zum täglichen Stammtisch in Köln.

Bei der darauffolgenden Verhandlungsrunde am 10. Januar legten die Gewerkschaften einen Kompromissvorschlag auf den Tisch. Danach könnten die Manteltarifverträge zum 1. Juli dieses Jahres, die Gehaltstarifverträge sogar erst zum 1. Januar 2019 in Kraft treten. Ein Angebot, mit dem DJV und ver.di der Arbeitgeberseite finanziell deutlich entgegenkamen.

Die Arbeitgeberseite lehnte dies trotzdem ab, präzisierte aber im Gegenzug ihr eigenes Angebot vom Oktober. Danach sollten die Monatsgehälter für Redakteure ohne Regelqualifikation mit 3 000 Euro im 1. Berufsjahr beginnen und im achten Berufsjahr mit 3 500 Euro die Endstufe erreichen. Zum Vergleich: Im Flächentarifvertrag liegt die Endstufe derzeit bei 4 793 Euro. Verbesserungen boten sie auch für einen Teil der Sekretärinnen an. Zudem enthielt das Paket eine Jahresleistung von 1500 Euro für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nach Juli 2014 angestellt worden sind.

Wechselnder Erfolg

Weil alle Argumente ausgetauscht schienen und um ein konstruktiveres Gesprächsklima zu schaffen, hatten die Gewerkschaften der RRG-Geschäftsführung für die achte Verhandlungsrunde am 2. Februar angeboten, die Gespräche unter acht Augen weiterzuführen. Über den Inhalt dieser Spitzengespräche wurde Stillschweigen vereinbart. Die Parteien, so war die Hoffnung, könnten so offener miteinander umgehen und Kompromisse entwickeln, über die dann die Tarifkommission entscheiden kann. Während am 2. Februar Bewegung in die Verhandlungen kam, herrschte ein paar Tage später wieder Stillstand.

Die Zeichen stehen also weiter auf Streik. Der bisherige Verlauf des Konflikts hat gezeigt, dass die Arbeitgeberseite nur durch Druck aus der Belegschaft zu Zugeständnissen zu bewegen ist. Derweil wurde bekannt, dass die Chefredaktion der Kölnischen Rundschau bei der Chefredaktion von Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten um Hilfe gebeten hat – wohl für den Fall, dass die RRGler nach der Urabstimmung länger streiken. Eine missliche Situation auch für die Aachener Kolleginnen und Kollegen…

Der Tarifkampf der RRGler wird bundesweit wahrgenommen, wie zahlreiche Soliadressen zeigen – unter anderem von Kolleginnen und Kollegen von ZEIT Online, von der Frankfurter Societäts Medien GmbH, der Madsack-Zeitungsgruppe sowie von Politikern verschiedener Parteien aus der Region.||

Informationen zu den Tarifverhandlungen bei der RRG, Videos, Bilder und Soliadressen unter
http://zeitungsmacher.koeln

JOURNAL 1/18

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