Solidarität für Exiljournalisten

19. Dezember 2018, Frank Stach, Landesvorsitzender DJV-NRW

Journalisten in Deutschland leben auf einer Insel der Glückseligkeit. Das wird mir klar, als ich in unserer Geschäftsstelle mit Exiljournalisten aus der Türkei zusammensitze. Sie erzählen von Gefängnis und Flucht, von der Freude über den bewilligten Asylantrag in Deutschland. In der neuen Heimat, in Oberhausen, Unna oder anderswo, werden sie langsam heimisch und schauen zugleich mit Wehmut in die türkische Heimat, wo sie Freunde, Verwandte, ihre Leser und Zuschauer zurückgelassen haben. Aber in der Türkei sind sie eben nicht mehr sicher. Ihr größtes Verbrechen ist: Journalismus.

Den Kontakt zwischen den in Deutschland Gestrandeten und den Geschäftsstellen der DJV-Landesverbände hat der Hamburger Kollege Ramis Killiçarslan hergestellt. Die türkischen Exiljournalistinnen und -journalisten vermissen ihren Job. Im fremden Land, mit der schwierigen Sprache ist es schwer, wieder in den Beruf zu kommen. Was sie sich wünschen, sind Ansprechpartner, Mentorinnen und Mentoren. Im ersten Schritt geht es darum, sich mit hiesigen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Um die Sprache schneller zu lernen und um ein Gefühl für den Arbeitsmarkt zu bekommen.

Wir als DJV-NRW wollen die exilierten Kolleginnen und Kollegen gerne bei dieser Suche unterstützen, sie mit unseren Ortsvereinen in Kontakt bringen. Wir wollen ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und wir können schauen, wie sie auf Türkisch und Deutsch über ihre Flucht berichten könnten, über ihr „journalistisches Verbrechen“, ihre Ängste damals und heute, ihre Hoffnungen. Sie könnten uns daran teilhaben lassen, wie es ihnen im fremden Deutschland geht und wie sie Fuß fassen.

Was wir als DJV-NRW nicht können: ihnen Jobs anbieten. Wir freuen uns aber über jeden Hinweis, jedes Hilfsangebot aus den Reihen unserer Mitglieder. Einige der türkischen Kollegen sind Fernsehproducer, andere können Hörfunk, sind im Internet fit, machen Zeitungen und Zeitschriften. Der DJV als starkes Netzwerk der Vielen kann sie sicherlich unterstützen. Der Landesverband will mit großer Leidenschaft dabei helfen, dieses neue Netzwerk zu organisieren.||

Ein Beitrag aus JOURNAL 6/18 – dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Dezember 2018.

Das könnte sie auch interessieren

Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

Zum Pressestellenverzeichnis