Vielfalt und Solidarität

Editorial
14. Dezember 2017, Frank Stach, Landesvorsitzender DJV-NRW

Jüngst habe ich meinen allerersten Auftragsordner aufgelöst und hielt noch einmal die Abrechnung für meinen ersten Auftrag in den Händen: „Bombenentschärfung in Essen“. Das Schwarzbrot der aktuellen, regionalen Berichterstattung, ein Klassiker. Auch heute berichte ich immer mal wieder über Bombenentschärfungen. Manches ändert sich nie.

Was sich allerdings geändert hat, ist die Umsetzung. Online first heißt: Zunächst wird mit dem Handy gedreht und fotografiert, dann sind die sozialen Medien dran. Durchatmen. Dann hole ich die echte Kamera aus der Tasche, schneide die Videosequenzen schnell am Laptop und schicke sie über LTE in Sendequalität zum Sender. Ist das Ereignis groß genug, wäre sogar die Fernseh-Liveschalte möglich, zumindest aber die Radio-Liveschalte per App. Durchatmen.

Gut, dass ich nicht immer so atemlos unterwegs bin. Es gibt auch die Recherchen, aus denen schön erzählte Geschichten werden. Es gibt die sorgfältig komponierten Fernsehbeiträge, die mit Verve produzierten Radioessays, das zweiseitige Hintergrundstück in der Lokalzeitung, die alles überragende Fotostrecke in der Zeitschrift. Wir Journalisten wissen die Geschichten zu erzählen, die andere bewegen, zu Einsichten bringen. Unser Credo ist die Vielfalt dieser Welt. Nicht das Eindimensionale, das heilversprechende Staatenlenker, populistische Politiker oder marktradikale Wirtschaftsvertreter beschreien.

Technischer Wandel, bleibende Werte, die Zukunft des Journalismus. Das haben wir auf unserem überaus erfolgreichen Journalistentag abgebildet. Wer nicht dabei sein konnte, kann unsere breite Diskussion in diesem Heft nachlesen.

Was mich an diesem Tag übrigens besonders bewegt hat, war die abschließende Lesung mit Texten von Deniz Yücel, dem Kollegen von der WELT, der seit Monaten in der Türkei im Gefängnis sitzt. Wie wir gehört haben, bedeuten ihm solche und andere solidarischen Aktionen viel. Solidarität ist: für andere einstehen. Eben das hat sich nicht gewandelt, seit ich meine allererste Abrechnung abgeheftet habe. Eben diese Solidarität ist heute wichtiger denn je.

In diesem Sinne wünsche ich allen geruhsame und besinnliche Tage und ein gutes Jahr 2018.

Frank Stach,
Landesvorsitzender DJV-NRW

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Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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