MEDIENSZENE NRW

DuMont: Abschied aus der ersten Liga

13. Juni 2018, cbl

Für Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) und Express sowie die DuMont-Titel in Berlin, Hamburg und Halle brechen neue Zeiten an: Ihr Mantel kommt ab Oktober nicht mehr aus eigener Hand, sondern aus einer Gemeinschaftsredaktion, die die Mediengruppen Madsack und DuMont zu diesem Zweck gründen: Die RND Berlin GmbH, an der das zu Madsack gehörende RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zu 75 Prozent und DuMont zu 25 Prozent beteiligt sind, liefert künftig die journalistischen Inhalte für die überregionalen Themenfelder Politik und Wirtschaft.

Das Kartellamt muss dem Konstrukt noch zustimmen. Aber klar ist: DuMont verabschiedet sich mit diesem Schritt aus der ersten Liga der Regionalzeitungen.

Betriebsbedingte Kündigungen

Die RND Berlin GmbH wird ihren Sitz im bisherigen RND-Hauptstadtbüro im Gebäude der Bundespressekonferenz haben. Geschäftsführer werden die RND-Chefs Wolfgang Büchner und Uwe Dulias, Büroleiter in Berlin bleibt der aktuelle RND-Büroleiter Gordon Repinski. Von den 18 Journalistinnen und Journalisten, die in der neuen Gesellschaft arbeiten, sind acht gesetzt – die bisherigen Mitarbeiter des RND-Hauptstadtbüros. Dagegen entfallen die 17 Stellen der bisherigen DuMont-Hauptstadtredaktion. Einzelne dieser Kollegen haben ein Rückkehrrecht in ihre entsendende Zeitungsredaktion, die anderen stehen vor der betriebsbedingten Kündigung. Der Betriebsrat wird mit DuMont über einen Sozialplan verhandeln, wie der Arbeitgeber es angeboten hat. Darüber hinaus können sich die DuMont-Kollegen neu auf die zehn verbleibenden Stellen bei der RND Berlin bewerben – im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung. So ein hässlicher Umgang mit teils langjährigen Beschäftigten gilt für Medienhäuser heute schon fast als selbstverständlich.

Mit der Kooperation sollen die sechs DuMont-Titel (KStA, Express, Berliner Zeitung und Berliner Kurier, Hamburger Morgenpost sowie Mitteldeutsche Zeitung) RND-Partner werden. Das Redaktionsnetzwerk beliefert dann täglich 50 Tageszeitungen mit bis zu 6,8 Millionen Lesern. Die tägliche Gesamt-auflage aller Titel läge bei 2,3 Millionen Exemplaren. DuMont und Madsack freuen sich in der gemeinsamen Mitteilung entsprechend über steigende Relevanz und die „Sicherung intensiverer Recherche und hervorragender Berichterstattung“.

Der Blick wird eindimensionaler

Der DJV in NRW und Berlin sowie die Betriebsräte sehen das entschieden anders. „Da wird den Lesern eine Medienkonzentration als Ausbau journalistischer Kompetenz verkauft, tatsächlich wird aber der Blick zweier Medienhäuser auf Themen eindimensionaler“, kritisierte Frank Stach als Landesvorsitzender des DJV-NRW die geplante gemeinsame Hauptstadtredaktion. „Das ist ein Paukenschlag gegen die Vielfalt. Auf Dauer laufen wir auf eine publizistische Marschmusik zu, in der alle im gleichen Schritt dasselbe rausblasen.“

Der DJV-NRW setze sich dagegen „für viele Orchester mit einem breiten Themenrepertoire ein. Das schafft nicht nur journalistische Arbeitsplätze, sondern spiegelt so auch die Vielfalt unserer Gesellschaft wider“, sagte Stach. Wenig überzeugend ist aus DJV-Sicht auch das Qualitätsversprechen: Wie das mit weniger Journalistinnen und Journalisten einzulösen ist, erklären die Medienhäuser auch diesmal nicht. „Was hier als Stärkung des Qualitätsjournalismus verkauft wird, ist nichts weiter als eine Sparmaßnahme – auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf Kosten der Vielfalt. Das kann auch für Leserinnen und Leser kein Gewinn sein“, ist Stachs Bilanz.

Klare Worte findet auch Uwe Vorkötter, ehemaliger Chefredakteur der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau, in einem Kommentar im Branchenblatt Horizont: „Im Fall DuMont werden wir Zeugen einer Kapitulation. Das einstmals stolze und erfolgreiche Medienhaus gibt auf: den Journalismus, der sich um Politik und Wirtschaft, ums große Ganze also dreht; die Ambition, zu den führenden Zeitungsverlagen der Republik zu gehören; den Anspruch, die digitale Transformation des publizistischen Geschäfts zu meistern.“

Mit der Erinnerung an ehemalige Ambitionen spielt Vorkötter auf die Zeit unter Altverleger Alfred Neven DuMont an, als der damalige Verlag M. DuMont Schauberg (MDS) sich auf dem Feld der größeren Regionalzeitungshäuser nach vorne spielte und zunächst die Mitteldeutsche Zeitung, später dann den Berliner Verlag sowie die (inzwischen wieder abgestoßene) Frankfurter Rundschau übernahm.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 3/18, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Juni 2018.