HOW-TO

Mehr Sicherheit: Was zu tun ist

16. Dezember 2025, Corinna Blümel

Das ECPMF hat zwei aktuelle Studien zur Bedrohung von Medienschaffenden durchgeführt: Feindbild Journalist (2024) und Lokaljournalismus unter Druck (2025). Beide enthalten jeweils eine Reihe von Handlungsempfehlungen an Sicherheitsbehörden und Medienhäuser. Download der Studien unter ecpmf.eu.

Zur aktuellen Bedrohungssituation hat das JOURNAL ein Interview mit ECPMF-Geschäftsführer Andreas Lamm geführt.

Sicherheitsbehörden

Mehr Schulungen für Polizeikräfte anbieten

Die Polizeibehörden der Länder und die Bundespolizei sollten die Aus- und Fortbildung ihrer Einsatzkräfte weiter intensivieren. Das gilt insbesondere für die Einheiten der Bereitschaftspolizei. Denn sie müssen bei Demos und politischen Versammlungen für die Sicherheit der Berichterstattenden sorgen.

Direkte Ansprechpersonen
Sicherheitsbehörden sollten Redaktionen sowie betroffenen Journalistinnen und Journalisten direkte Ansprechpartnerinnen oder -partner nennen, die sie in Bedrohungslagen schnell und unbürokratisch unterstützen können.

Sensibler Umgang mit Bedrohungsmeldungen
Sicherheitsbehörden sollten Meldungen über Bedrohungen und Angriffe auf Medienschaffende oder Vandalismus an deren Privatadressen ernst nehmen und professionell behandeln.

Das heißt auch, diese nicht als isolierte Vorfälle zu betrachten, sondern sie im Kontext einer wachsenden Medienfeindlichkeit und eines zunehmend feindlichen gesellschaftlichen Klimas zu sehen. Solche Vorfälle sind dazu gedacht, das Sicherheitsgefühl der Betroffenen zu beeinträchtigen, und haben deswegen auch eine pressefreiheitliche Dimension.

Monitoring auf KPMD-PKM Basis etablieren
Die Erfassung von Straftaten gegen Medien sollte auf Basis der BKA-Eingangsstatistik zu politisch motivierter Kriminalität (Kriminalpolizeilicher Meldedienst – Politisch motivierte Kriminalität) zu einem Monitoring-Instrument ausgebaut werden. Zusätzlich sollten turnusgemäß Ermittlungsstände und Verurteilungen zu jeder registrierten Straftat abgefragt werden und in ein eigenes Lagebild einfließen, das regelmäßig veröffentlicht wird. Die Länder sollten die Erfassungskriterien für Straftaten gegen Medien transparent machen und untereinander vereinheitlichen.

Medienhäuser

Schutzkodex bei Medienhäusern verankern
Die Medienhäuser müssen ihre Mitarbeitenden schützen, sowohl Festangestellte als auch Freie. Dazu gehören, sofern erforderlich: die Bereitstellung von Sicherheitspersonal, die Fortbildung mit Seminaren zu Deeskalation und Selbstschutz sowie die finanzielle und juristische Unterstützung bei der Bewältigung von tätlichen und psychischen Attacken. Weiter ausgebaut werden muss die bereits in vielen Redaktionen etablierte Praxis, noch vor der geplanten journalistischen Arbeit gemeinsam mit den Medienschaffenden Risikobewertungen zu erstellen. Wünschenswert ist, dass Medien den Schutzkodex unterzeichnen, der Standards zum Schutz der eigenen Mitarbeitenden verbindlich macht.

Verantwortungsübernahme bei Angriffen gegen Freie
Gerade freie Journalistinnen und Journalisten, die besonders schutzbedürftig sind, werden oft vernachlässigt. Berichte von Freien zeigen laut ECPMF erhebliche Schutz- und Unterstützungslücken bei privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern. Dies gelte sowohl für Angriffe während der Berichterstattung als auch für Hasskommentare nach dem Veröffentlichung eines Beitrags. Wenn diese Berichterstattung für einen Auftraggeber stattfindet, sollten Freie dort Zugriff auf dieselbe Unterstützungsinfrastruktur haben wie die Festangestellten.

Mit Leserinnen und Lesern reden, Bedrohungen thematisieren
Um Ablehnung und Skepsis gegenüber der Presse entgegenzutreten, sollten Journalistinnen und Journalisten ihre Arbeit und die damit einhergehenden Prozesse und Bedingungen zum Beispiel in Präsenzveranstaltungen erläutern. Zudem sollten sie Bedrohungssituationen im eigenen Medium thematisieren, um ein größeres öffentliches Verständnis für die Gefährdungslage von Journalistinnen und Journalisten zu schaffen.

Kein Zeitdruck bei sensiblen Themen
Sicheres und möglichst fehlerfreies Arbeiten ist bei sensiblen beziehungsweise potenziell polarisierenden Themen zwingend erforderlich. Selbst kleinste Ungenauigkeiten können als Einfallstor für Angriffe auf die Glaubwürdigkeit des Mediums und der berichtenden Person dienen. Zeitdruck stellt dabei einen erheblichen, verunsichernden Faktor dar, der dazu führen kann, dass bestimmte Themen entweder vermieden oder nicht in der gebotenen Tiefe behandelt werden.||

Ein Beitrag aus JOURNAL 4/25, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, vorab veröffentlicht im Dezember 2025.