GLOSSE

NEULICH… Und die Chöre singen für Dich

14. Februar 2020, .stan

Liebe Leserinnen und Leser! Ich möchte mich hier schon vorsorglich, also ohne Wenn und Aber, bei Ihnen…
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„Ja, ja“, würgte Paul die voreilige Entschuldigung ab. Und stellte fest: „Satire darf alles. Auch respektlos sein. Gegen alles!“ Außer gegen Tiernahrung, alberte Britta. Und was ist mit Omas? Der Umgang des WDR mit der Umweltsau-Satire beschäftigte den Stammtisch. Die Sofort-Entschuldigung, sogar in Sondersendungen, das Löschen des Videos – viele WDR-Leute fühlten sich vom Intendanten im Stich gelassen. Zumal der Kotau weder Shitstorms noch Demos, beides von rechts angezettelt, verhinderte.
„Dabei wurden höchstens Omas mit den aufgezählten Sünden angegriffen“, maulte Claudia. Differenzierung ist heute leider nicht mehr üblich. Schon gar nicht bei Rechten oder in unsozialen Netzwerken. Wie auf Stichwort erschien der Chor der Diversen und sang:

Unsere Oma sagt, die Braunen sind in Ordnung. (In Ordnung, gute Leute.)

Wir zuckten zusammen. Hielten die Luft an. Die Braunen sind prima?

Und die mit gelber oder roter Haut sind’s auch.

Puh. Und da war sie wieder, die patente Oma. In unseren erleichterten Beifall mischte sich Getrappel. Der Chor der Vogelfreien begann:

Unser Auftraggeber glaubt, wir sind nicht wichtig. (So wichtig, so nützlich.)
Unser Auftraggeber hält uns für Idioten. (Für Sklaven, austauschbar).
Und er zieht beim Honorar uns über‘n Tisch.
Unser Auftraggeber ist ‘ne alte Dumping-Sau.

Tolles Satire-Lied. Und leider so wahr. Freie haben es nicht leicht. Nicht mal öffentlich-rechtliche. Wenn schon Leute wie Richard Gutjahr über mangelnde Unterstützung klagen. Ein Hammer, dass sein Intendant ihm damals riet: Geh‘ doch zum DJV, wenn du Hilfe brauchst. Hinter uns ein Räuspern. Der Herner Volokurs-Chor legte los:

Der Kollege kennt im Newsroom stets nur Eile. (Will vorn sein, Reichweite.)
Durch Recherche ging manch schöne Zeile baden. (Luft raus, Klicks weg.)
Schon Gerüchte sind für ihn der heiße Scheiß.
Der Kollege ist ‘ne echte Fake-News-Sau.

Der Abend konnte noch lang werden. Angesagt hatten sich noch die Anklage-Chöre der ausgebooteten Oldies, der vernachlässigten Fotografen, der belogenen Betriebsräte, der …

***

Jetzt aber. Liebe Leserinnen und Leser! Falls Sie von der vorschnellen Truppe sind und sich vorhin durch das Liedchen bloßgestellt fühlen, möchte ich mich hiermit schnellstens bei Ihnen entschuldigen, ohne Wenn und Aber. Das wird man doch noch…||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 1/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Februar 2020.

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Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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