LOKALFUNK

Gekommen, um zu bleiben

Thomas Rump ist seit einem halben Jahr Programmdirektor von radio NRW
13. Oktober 2017, Sascha Fobbe
Viel anpacken will Thomas Rump bei radio NRW. | Foto: radio NRW/Roland Breitschuh
Viel anpacken will Thomas Rump bei radio NRW. | Foto: radio NRW/Roland Breitschuh

Die Überraschung war groß, als radio NRW im Februar Thomas Rump als neuen Programmchef präsentierte. Mit dem 53-Jährigen Radioberater aus Freiburg hatte keiner gerechnet. Dabei ist er im Lokalfunksystem bekannt wie ein bunter Hund, berät er doch seit mehr als 20 Jahren viele Stationen, coacht Moderatoren und hatte die letzten beiden Jahre den Reformprozess zwischen radio NRW und den Lokalsendern begleitet. Rumps Vorgänger Ingo Tölle war zuvor nach nur einem Jahr wieder gegangen. Fast ein Jahr lang verantwortete danach Udo Kreuer als stellvertretender Programmdirektor den redaktionellen Bereich.

Verantwortung in schwierigen Zeiten

Wie lange Rumps Vertrag läuft, wollte er nicht verraten, im JOURNAL-Interview erklärte er lediglich: „Ich bin gekommen, um zu bleiben.“ Als der Posten an ihn herangetragen wurde, habe er „kurz und intensiv“ überlegt, ob er das wirklich machen wollte: Seine eigene Firma aufgeben, eine Wochenendehe führen (seine Familie bleibt erst mal in Freiburg) und die Verantwortung gerade in diesen schwierigen Zeiten übernehmen, in denen die Gattung Radio vor vielen Herausforderungen steht.
„Ich hänge an radio NRW“, begründet Rump, warum er den Job angenommen hat. Es habe ihn geschmerzt, dass er als Berater immer nur Anstöße habe geben können. Als Programmdirektor könne er jetzt mehr gestalten und radio NRW weiter voranbringen. Sein Vorteil: Er kennt fast jeden im Lokalfunksystem: Veranstaltergemeinschaften, Betriebsgesellschaften, Gesellschafter, Chefredakteure und auch viele Redakteure und freie Mitarbeiter. „Nach 27 Jahren im NRW-Lokalfunk weiß man gegenseitig, wie man sich zu nehmen hat“, sagt Rump. Bei so vielen unterschiedlichen Interessen hilft das, Kompromisse zu finden und Ideen umzusetzen.
Rump hat sich viel fürs Programm vorgenommen und schon damit angefangen. Er will das Format modernisieren, die Verpackung gezielter und dosierter einsetzen, Moderationen personalisieren und Sendestrecken flexibilisieren. Konkret heißt das: In den Mantelsendestunden müssen Moderatoren sich nicht starr an feste Stoppsets für Beiträge halten. „Sendungen sollten nicht programmiert, sondern komponiert werden, die Form dem Inhalt folgen.“ Das wünscht sich Rump auch für die lokalen Sendestunden.

Mutiger werden

Die Moderatoren bei radio NRW sollen mutiger werden und offen für neue Wege in der Höreransprache sein. Außerdem werden jetzt häufiger neuere Musiktitel gespielt. Galt früher die Maxime „Wir machen keine Hits, wir spielen sie“, sagt Rump jetzt: „Wir spielen, was die Hörer kennen und lieben, aber bieten ihnen auch Songs an, die sie lieben könnten.“ Diese teils neuen Ansätze werden nach und nach umgesetzt. Da sollten auch die Lokalstationen mitziehen, etwa bei der Positionierung neuer Musiktitel – nur so wird ein harmonisches Ganzes daraus.
Rump sieht radio NRW in der Rolle des Ideen- und Impulsgebers. Entscheidungen zu treffen dauere mitunter aber sehr lange, die Diskussion im System nehme viel Zeit in Anspruch: „Wir haben uns in Teilen stark institutionalisiert und müssen uns fragen, ob dieser Weg, der uns über die letzten Jahre stark gemacht hat, uns auch weiterhin konkurrenzfähig bleiben lässt“, meint Rump. Zu Schwierigkeiten innerhalb des Systems will er nichts sagen. Nur so viel: „Ich wehre mich gegen den Begriff Schwierigkeit, dafür sind wir zu erfolgreich. Das sind zusätzliche Herausforderungen für das System. Nur wenn wir nicht aufpassen, dann wird es eine Schwierigkeit!“

Streaming und andere Zeitdiebe

radio NRW und die Lokalfunksender haben noch ganz andere Baustellen. Dazu gehört zum Beispiel ein öffentlich-rechtlicher Konkurrent, der in den Ohren vieler immer mehr wie ein Privatradio klingt. „Vor dem WDR habe ich Respekt, aber keine Angst. Im Sinne einer auch weiterhin relevanten Gattung Hörfunk sind starke Mitbewerber und ein herausforderndes Konkurrenzumfeld sogar notwendig“, sagt Rump. „Mehr Sorge bereiten mir andere Zeitdiebe wie Streamingdienste, Netflix oder Gameentwickler!“ Besonders Jüngere nutzen Medien heute komplett anders. „Als Radiomacher sind wir gefordert, Ideen zu entwickeln, um auch bei der jungen Zielgruppe relevant zu bleiben.“
Wenn DAB+ sich durchsetzt, kommen noch ganz andere Anbieter auf den Markt. Zudem gibt es immer noch juristisches Gerangel um die freien UKW-Frequenzen in NRW. „Wenn wir nicht höllisch aufpassen, ist die Zukunft schneller Vergangenheits als uns lieb ist“, mahnt Rump. Reformen im Programm seien dringend nötig, um Hörer nicht nur zu halten, sondern auch neue dazuzugewinnen.
Und wie sieht er das Lokalfunksystem in einem halben Jahr, wenn er sein erstes Jahr als Programmdirektor hinter sich hat? Rump hat eine klare Vorstellung: „Nach innen gefestigt und nach außen geschlossen.“ Und er gibt den anderen Akteuren im Privatfunk mit auf den Weg: „Ich hoffe, dass wir nicht mit dem Mut der Verzweiflung, aber mit dem Mut des Tüchtigen bereit sind, nicht nur anders zu denken – das haben wir schon oft getan –, sondern auch anders zu handeln. Und zwar alle gemeinsam.“ Das klingt, als sei da doch noch einiges zu tun.

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