MEDIENSZENE NRW

Nach Manipulationen: RTL prüft künftig strenger

15. August 2019,
Foto: txt
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Nachdem RTL die Manipulationen eines Reporters aufgedeckt hat, will der Sender Beiträge künftig strenger prüfen. Die Mediengruppe RTL Deutschland hatte sich bereits nach Bekanntwerden der Täuschungen im Juni von dem Mitarbeiter des Regionalsenders RTL Nord getrennt. Seine Beiträge wurden im Archiv und online gesperrt. Aufgefallen waren die Unregelmäßigkeiten nach Hinweisen einer Kollegin.

Nachdem die Sendergruppe alle 104 Reportagen des Ex-Mitarbeiters überprüft hatte, präsentierte sie im Juli eine vorläufige Bilanz. Danach gibt es über einen Zeitraum von rund zehn Jahren mindestens 21 Fälle, in denen der Reporter die eigene Redaktion und die Zuschauer immer wieder „systematisch und vorsätzlich getäuscht“ habe. Darüber hinaus gebe es bisher nicht verifizierte Verdachtsmomente.

Der Reporter war vor allem für das Mittagsjournal „Punkt 12“ tätig. Getäuscht hatte er nach Senderangaben unter anderem, indem er falsche Angaben zur Dauer von Selbstversuchen machte und indem er nachgestellte Szenen als echte oder Archivbilder als frisch gedreht ausgab. Nicht zuletzt setzte er Praktikanten, Kameraassistenten und Bekannte als Alibi-Protagonisten ein und ließ sie Dinge behaupten, die entweder ganz erfunden waren oder die andere Menschen berichtet hatten, die aber nicht gefilmt werden wollten.

Chefredakteur Michael Wulf zeigte sich erschrocken, dass dies trotz umfangreicher Kontrollmechanismen geschehen konnte, und kündigte Verbesserungen an. So hat der Sender nach seiner Aussage gemeinsam mit dem Qualitätsmanagement das redaktionelle Abnahmeverfahren deutlich ausgebaut und will Beiträge der Reporterinnen und Reporter zusätzlich stichprobenartig kontrollieren und dazu auch das Rohmaterial sichten.

Zudem wurde ein Postfach eingerichtet, damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anonym Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten geben, Zweifel anmelden und Verdachtsmomente benennen können. Die Chefredaktion und das Qualitätsmanagement wollen darüber hinaus Podiumsdiskussionen zu Fragen der Qualitätsoptimierung der journalistischen Arbeit und interner Arbeitsprozesse veranstalten.||

Eine Meldung aus JOURNAL 4/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im August 2019.

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Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

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Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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