DJV im Betrieb | 

Ein buntes Team für ein gutes Programm

Bei der Deutschen Welle setzen sich Personalrat und DJV-Betriebsgruppe für Feste und Freie ein
18. Oktober 2019, Corinna Blümel

Bei der Deutschen Welle (DW) ist vieles anders als bei den anderen öffentlich-rechtlichen Anstalten – angefangen bei der Finanzierung. Denn der Auslandssender erhält seinen Etat nicht aus Gebühren, sondern aus Steuermitteln des Bundes. Der Auftrag ist, weltweit ein umfassendes Deutschlandbild zu vermitteln, in deutscher und europäischer Perspektive auf das Weltgeschehen zu schauen und Verständnis zwischen Kulturen und Völkern zu fördern. Zu den Besonderheiten der Deutschen Welle gehört auch, dass sie (neben dem RBB) die Anstalt mit den meisten weiblichen Führungskräften ist, wie eine Studie von Pro Quote belegt hat.

Vor allem aber ist die Welle dank ihres Auftrags der Sender mit der internationalsten Belegschaft. Denn für die aktuell 30 Fremdsprachenprogramme braucht es Muttersprachler. Aus 60 Nationen stammen die rund 1 500 festangestellten und noch einmal so viele freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an den Standorten Bonn und Berlin arbeiten.

Vielfalt im ÖPR

Die Vielfalt spiegelt sich auch im Örtlichen Personalrat (ÖPR) in der DW-Zentrale in Bonn wieder: In ihm sitzen Personalräte aus mehr als zehn Ländern und vier Kontinenten. Der überwiegende Teil von ihnen gehört zum DJV, darauf verweist Daniel Scheschkewitz mit Stolz. Er engagiert sich seit Jahrzehnten im Personalrat der DW sowie in der DJV-Betriebsgruppe am Standort Bonn. 2012 wurde Scheschkewitz zum stellvertretenden Vorsitzenden des ÖPR gewählt, seit 2016 ist er dessen Vorsitzender. „Mir war schon als Redakteur und Korrespondent die Zusammenarbeit mit den Fremdsprachen besonders wichtig. Sie sind unser Markenkern und verschaffen uns weltweit Gehör.“

Das Team „DJV and Friends“ vor der Wahl 2016: Daniel Scheschkewitz (vorne rechts) leitet den Örtlichen Personalrat, Helle Jeppesen (hinten, 4. von rechts) die Betriebsgruppe in Köln. Xiegong Fischer (links neben Scheschkewitz) hat ihr Mandat inzwischen niedergelegt. | Foto: Barbara Frommann
Das Team „DJV and Friends“ vor der Wahl 2016: Daniel Scheschkewitz (vorne rechts) leitet den Örtlichen Personalrat, Helle Jeppesen (hinten, 4. von rechts) die Betriebsgruppe in Köln. Xiegong Fischer (links neben Scheschkewitz) hat ihr Mandat inzwischen niedergelegt. | Foto: Barbara Frommann

Scheschkewitz kann sich an Zeiten erinnern, als im Personalrat vorwiegend deutsche Vertreterinnen und Vertreter saßen. In den vergangenen zehn Jahren hat die DJV-Betriebsgruppe in der DW konsequent daran gearbeitet, fremsprachliche Mitarbeitende für die Liste „DJV & Friends“ zu gewinnen. Eine davon ist Helle Jeppesen, Mitglied im ÖPR und Vorsitzende der DJV-Betriebsgruppe am DW-Standort Bonn: „Ich war in meiner Heimat Mitglied im Dänischen Journalistenverband und bin in Deutschland sofort dem DJV beigetreten. Als der DJV aktiv Personalratsmitglieder auch unter nicht-deutschen DW-Mitarbeitern geworben hat, habe ich mich gemeldet.“ Das Werben um die Kandidatur nichtdeutscher Kolleginnen und Kollegen hatte einen zusätzlichen Effekt, wie Helle Jeppesen erzählt: „Das hat auch dazu geführt, dass wir in den Sprachenprogrammen neue Mitglieder für den DJV gewinnen konnten.“

Dabei hat geholfen, dass sich der DJV immer beharrlich für den Erhalt der Sprachenvielfalt in der DW eingesetzt hat. Weit über den Sender hinaus wurde das sichtbar, als DW-Beschäftigte im Februar 2015 auf dem Bonner Münsterplatz gegen Sparmaßnahmen auf Kosten der Fremdsprachenprogramme demonstrierten. Damals war dieses Kernmerkmal der DW gefährdet: Nicht nur, dass der Auslandssender über Jahre deutlich unterfinanziert war. Intendant Peter Limbourg wollte Mittel zugunsten des geplanten englischsprachigen Nachrichtensenders umschichten. Seit 2016 bekommt die Welle zwar dauerhaft mehr Mittel, aber aktuell drohen erneut Einschnitte, diesmal vor allem wieder bei den Freien.

Kampf gegen Befristungen

Ein anderes Plus für den DJV war der Einsatz für fremdsprachige Kolleginnen und Kollegen mit ungesichertem Aufenthaltsstatus. Einigen droht bei Verlust die Abschiebung in Krisen- oder Kriegsgebiete. Gerade für diesen Kreis ist es ein Problem, dass die DW insgesamt immer noch eine viel zu hohe Befristungsquote hat, wie die DJV-Betriebsgruppe moniert. Scheschkewitz: „Journalisten, die für ihre Arbeit in der DW Repressionen in ihren jeweiligen Herkunftsländern riskieren, müssen bei uns in gesicherten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten können. Das ist leider in den DW-Fremdsprachenredaktionen auch heute längst nicht überall der Fall. Kettenbefristungen von bis zu zehn Jahren oder mehr sind durchaus keine Seltenheit.“ Das Thema liegt den DJV-Personalräten besonders am Herzen, erklärt Scheschkewitz: „Der DJV ist die einzige Gewerkschaft bei uns im Haus, die sich in erster Linie um Journalisten kümmert. Ihre Probleme und Anliegen sind bei uns in den besten Händen.“ Die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Kolleginnen und Kollegen das genauso sehen.

Einsatz für die Medienfreiheit

Nicht zuletzt wird im Haus der deutlich sichtbare Einsatz des DJV für weltweite Medienfreiheit und Journalismus ohne Zensur geschätzt, wie Jeppesen und Scheschkewitz wissen. Das deckt sich mit dem Selbstverständnis vieler Beschäftigter. Denn die Informationsversorgung für Menschen aller Schichten in Regionen mit eingeschränkter Pressefreiheit und Meinungsvielfalt war jahrzehntelang ein Kernthema der 1953 gegründeten Deutschen Welle. Heute wendet sich die DW in autoritären Staaten zwar immer noch an Menschen, die sich für Demokratie, Freiheitsrechte und Fortschritt einsetzen. Hauptzielgruppe sind aber eher gebildete Eliten – „globale Entscheider“ und Meinungsbildner. Der Gedanke der Medienfreiheit ist aber weiter stark bei der DW Akademie verankert, die ebenfalls hauptsächlich in Bonn angesiedelt ist: Sie bildet international Journalistinnen und Journalisten weiter und fördert die Medienentwicklung weltweit.

In vielen Bereichen ist die Deutsche Welle natürlich ähnlich wie andere Medienhäuser: An beiden Standorten haben struktureller Umbau und Digitalisierung die Mitglieder der beiden Örtlichen Personalräte und des Gesamtpersonalrats ebenso gefordert wie Schichtdienste, #MeToo oder der Einsatz von Social Media. Und doch hat sich in der laufenden Amtszeit die Beteiligung der fremdsprachigen Kolleginnen und Kollegen in der Bonner Personalratsarbeit deutlich niedergeschlagen. So konnte der Personalrat ARD-weit die erste Dienstvereinbarung zu Sabbatzeiten abschließen. Sie gibt gerade auch den Mitarbeitenden der Sprachenredaktionen die Möglichkeit, mal wieder in ihren ursprünglichen Kulturkreis einzutauchen, um Bindungen zu erneuern oder auch zum Zwecke der Pflege von Eltern oder Angehörigen.

Auch künftig will der DJV in den Personalräten ein entscheidendes Wörtchen mitreden. Für die nächste Amtszeit haben sich die Kolleginnen und Kollegen vom DJV viel vorgenommen. So wollen sie einen transparenten Mechanismus zur Konfliktregelung etablieren: Denn auch der Arbeitsalltag in der DW ist von zahlreichen Konflikten geprägt, die bisher leider viel zu oft unter den Teppich gekehrt oder mit einem Machtwort der Chefs „gelöst“ werden.

Ein weiteres Thema könnte die geplante Auslagerung von redaktionellen Arbeitsplätzen und Produktionen ins Ausland werden. Der damit verbundenen Tarifflucht wollen die Gewerkschaften nicht tatenlos zusehen.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 5/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2019.