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Innovation systematisch fördern

Neue LfM-Studie zur Finanzierung von Journalismus
20. Oktober 2020, Ulrike Kaiser

Der Bedarf ist groß, das Fördervolumen klein: Eine Handvoll öffentlicher Programme ­unterstützt neue journalistische Projekte, um die publizistische Vielfalt zu stärken. Allerdings fördern diese Programme Start-ups in der Regel nur für kurze Zeit. Zu kurz, meinen die Medienwissenschaftler Christopher Buschow (Weimar) und Christian-Mathias Wellbrock (Köln). Sie haben im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM NRW) die Innovationslandschaft für journalis­tische Projekte in Deutschland analysiert. Und sie liefern konkrete Vorschläge dafür, das digitale Potenzial im Journalismus zu erkennen, zu professionalisieren und möglichst geschäftsfähig zu machen. Dass Innovationen und Investitionen vor allem für lokale und regio­nale Angebote erforderlich sind, um die gesellschaftliche Funktion des Journalismus langfristig zu sichern, steht für die ­Autoren außer Frage.

Ungenutztes Potenzial

Systematisch untersuchen die Wissenschaftler den Begriff der Innovation und – ganz praxisnah – die Faktoren, die Innovationen behindern bzw. fördern. Dabei bemerken sie zu Recht, dass die Journalismus-Branche in Sachen Innovationsfreude durchaus Entwicklungspotenzial hat. Dieses wird allerdings in der Ausbildung nicht sonderlich aufgebaut und durch die Arbeits­-si­tua­tion zumeist behindert. Auch andere Rahmenbedingungen sind eher ungünstig: zu wenige Förderangebote generell, zu kurze und zu geringe Anschubfinanzierung, wenig Anreize durch Steuerpolitik oder Regulierung.

Genau da setzen die Autoren an. Sie sehen Chancen in der direkten finanziellen Förderung (durch Startkapital), in indirekter Finanzierung (durch Steuernachlässe, etwa Gemeinnützigkeit), in langfristig angelegten Innovationsprogrammen und im Aus­bau der Aus- und Weiterbildung. Die Förderprogramme sollten junge Teams auf vier Stufen (Sensibilisierung für innovative Ideen, Befähigung zum Projektentwurf, konkrete Umset­zung und fachliche Startbegleitung) durch die schwierige Startphase tragen und dafür zielführende Instrumente bereithalten (Events und Netzwerke, Workshops/Training, Coaching und Mentoring sowie Fortbildung).

Zugleich brauche es nicht nur für Start-ups, ­sondern auch für Medien, Wissenschaft und Bildungsarbeit (finanzielle) Anreize, sich verstärkt mit Innovationen im Journalismus zu befassen – durch Projektarbeit, Forschung und Lehre, Datenerhebung und -analysen sowie durch Freiräume abseits der Routinen. Flankiert werden müsse dies durch entsprechende Netzwerke und Kooperationen sowie durch Faktoren wie Diversität und Standortmarketing.

Wo die Mittel herkommen könnten

Wer aber soll das bezahlen? Die Autoren werfen einen Blick auf mögliche Geldgeber und auf Modelle im Ausland. In Deutschland sehen sie zurzeit eher Stillstand bei Innovationsfonds, Stiftungsmodellen und (privatem) Mäzenatentum. Entwicklungspotenzial gebe es vor allem beim Crowdfunding (siehe auch „Das Wichtigste ist, eine ­Community aufzubauen“) und bei Förderprogrammen der öffentlichen Hand. Damit zielen Buschow und Wellbrock auch auf die Landesmedienanstalten.

Einige bilden bereits eine verlässliche, wenngleich gering budgetierte Größe in der Innovationsförderung: die LfM NRW mit dem JournalismusLab (vormals Stiftung Vor Ort NRW), die Bayern mit ihrem MediaLab und die MABB in Berlin/Brandenburg. Öffentlich gefördert sind auch das Medien­innovationszentrum Babelsberg und nextMedia Hamburg. Ihnen raten die Autoren zu engerer Zusammenarbeit und Arbeitsteilung, um Förderprogramme effektiver gestalten zu können.

Darüber hinaus richten die Gutachter ihren Blick auf den Bund: auf das aktuelle Innova­tionsprogramm für die Kulturwirtschaft (vom Bundeswirtschaftsministerium), das ausdrücklich die Publizistik einschließt, vor allem aber auf das 220-Millionen-Presseprogramm der ­Regie­rung. Dessen konkrete Ziele und Kriterien müssen noch erarbeitet werden. Hier kommt das Gutachten zur rechten Zeit.||


Ein Beitrag aus JOURNAL 5/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2020.

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Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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