Kampf für eine Radioperle

20. Oktober 2020, Frank Stach, Landesvorsitzender DJV-NRW

Wer echte Liebe zum Radio empfindet, kennt die wahren Perlen. Der Stichtag auf WDR 2 ­gehört dazu: ein Format, das glänzt. Weil Autorinnen und Autoren mit eigener Handschrift ­radiofon erzählen und Vergangenheit lebendig werden lassen. Da ist nichts von der Stange: Es kann schon mal Tage dauern, am Text zu feilen, prägnante O-Töne zu suchen, ­Expertinnen und ­Experten zu interviewen, den passenden Musikeinsatz zu bedenken. Erstaunlich, dass diese ­Radioperle auf dieser so durchformatierten Welle zu hören ist. Und doch wirken die Stich­tage nie als Fremdkörper, sondern sind will­kommene Hörstücke. Wie oft bin ich noch länger im Auto geblieben, bis die Sprechstimme zum Ende kam.

Als entschieden wurde, dieses Format einzustellen, haben die Verantwortlichen nicht mit der weit geteilten Liebe für dieses Kleinod gerechnet (siehe auch „Der Stichtag mobilisiert“). Die allerdings prallt an den kalten Herzen der Finanzabteilungen in den Sendern ab. Deswegen verteidigen Autorinnen und Autoren ihre ­Herzensangelegenheit mit viel Verve und ­bekommen breite Unterstützung in den sozialen Netzwerken. Prominente haben sich in einer großformatigen Anzeige zum Stichtag bekannt.

Wir als DJV empfinden dieselbe Leidenschaft für so ein Format. Natürlich gibt es in der ARD Sachzwänge. Aber ist es nicht beschämend, wenn die – im Vergleich zum Gesamtetat der Anstalten – marginalen Produktionskosten für Autorinnen und Autoren zum Ende einer so starken Marke führen, die im Kern die Werte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in sich trägt?

Für mich ist das auch ein Lehrstück, wie die Grund­solidarität unter den ARD-Anstalten zunehmend unter die Räder gerät. Der WDR wird alleine gelassen und muss ausbaden, was andere verursachen. Der NDR kündigt Kooperationen und wirft damit anderen Sendern seine Finanzprobleme vor die Füße. Da hilft es auch nicht, wenn Radio Bremen einen deutlich niedriger honorierten Ersatz für die gesamte ARD verspricht und damit die Angebote anderer Rundfunkanstalten weit unterbietet. Dafür werden Freie ausgequetscht wie Zitronen – wie dies in der Medienbranche seit Jahren um sich greift. Kein Wunder, dass das mir und vielen anderen ziemlich sauer aufgestoßen ist.||


Ein Beitrag aus JOURNAL 5/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2020.

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Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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