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DJV-Thementag für Freie

Bessere Honorare durch Verhandlungstraining
29. Dezember 2025, Dagmar Gehm

Seit Jahren geben Freie sich bei den Honoraren zähneknirschend immer noch mit dem zufrieden, was sie vor der allgemeinen Teuerung als (wenigstens einigermaßen) ausreichend empfunden haben. Wollen bloß nicht rühren an dem vermeintlich guten Verhältnis mit dem sparsamen Auftraggeber. Und merken oft viel zu spät, dass sich der Aufwand, den sie für einen Beitrag betreiben, im Verhältnis zum Honorar schon längst nicht mehr lohnt.

Darüber muss man reden

Für den Fachausschuss Freie (FA Freie) auf Bundesebene ist klar: Über Honorare und Vertragsbedingungen kann, ja, muss man reden. Deshalb lud der DJV – exklusiv für Mitglieder und kostenlos – zum Online-Thementag „Verhandlungstraining“ am 10. November 2025, und der rüttelte auf.

Wie wichtig das Thema war, zeigte schon die stolze Zahl von 180 Teilnehmenden. Initiiert und vorbereitet hatte die Tagung ein Team des FA Freie in Zusammenarbeit mit dem Freienreferent Michael Hirschler sowie mit Erika Hobe (Mitarbeiterin Referat Freie) und der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Anne Webert. Durch die Veranstaltung führten FA-Vorsitzender Wolf-Robert Danehl und FA-Mitglied Verena Schmidt. Vier Referate und anschließende Workshops wiesen den Weg zu verschiedenen erfolgreichen Verhandlungsstrategien.

Symboldbild: Eine Strichzeichnung von zwei Personen vor einem Aufzug.
Mit Verhandlungstraining soll es aufwärts gehen – zu höheren Honoraren.  Illustration: Karl-Herrmann Hildebrandt

Praxisnahe Vorträge mit Mehrwert erklärten, wie eine erfolgreiche Verhandlungsstrategie aussieht und welche innere Haltung dabei hilft. Unternehmensberaterin Julia Buhmann lieferte den Schlüssel, wie man für sich das ideale Honorar errechnet, um gut über die Runden zu kommen.

Michael Hirschler präsentierte Erkenntnisse aus der Umfrage Freie 2025 „Honorare und Vertragsbedingungen“ (siehe auch Grafik Seite 40). Danach gaben 33,33 Prozent der Befragten an, dass ihren Honorarforderungen häufig entsprochen wird. Während es bei Rundfunkanstalten überwiegend der Fall ist, sind es bei Tageszeitungen nur 35,18 Prozent. Davon werden 42,69 Prozent nicht nach den Vergütungsregeln für Tageszeitungen (aus dem Jahr 2010) bezahlt.

Verhandlungstraining mit der KI

Eine der Lösungen könnte für Bundesvorstandmitglied Anne Webert lauten: „Besser verhandeln mit KI“. Dabei wird das selbstlernende System zum imaginären Gegenüber. Wichtig sind natürlich die passenden Prompts: Je präziser sie mit Fakten gefüttert werden, desto besser lässt sich mit den Ergebnissen das Gespräch mit dem Auftraggeber vorbereiten.

Wie man Geschichten gut verkauft, lässt sich laut Mareike Graepel, selbst freie Journalistin und Autorin, mit dem „Elevator-Pitch“ trainieren. Dabei hat der oder die Freie im Aufzug maximal 30 Sekunden Zeit, um der Redakteurin oder dem Redakteur ein Thema vorzustellen. Wichtiger Tipp: Ein Pitch sollte nicht mehr als 50 Wörter enthalten.

Journalistin und Dozentin Cordula Schneider meint: „KI schreibt, aber verhandelt nicht. Das bleibt unsere Aufgabe und Stärke.“ Und: „Wir müssen die Preise nicht verteidigen, sondern erklären.“ Weitere Tipps: Zweitverwertung sollte mindestens 50 Prozent des Ersthonorars bringen. Wem untersagt wird, auch für andere zu schreiben, sollte nach ihrer Aussage antworten: „Dann müssen sie andere Preise zahlen.“

Eine der drei Faustregeln von Cordula Schneider ist allerdings zumindest für Freie an Tageszeitungen häufig von der Realität entfernt: „Niemals die 100 Euro-Grenze pro 1 000 Anschläge unterschreiten!“||

Ein Beitrag aus JOURNAL 4/25, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, vorab veröffentlicht im Dezember 2025.