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„Media Spoofing“ imitiert renommierte Medienmarken

28. April 2026, cbl

„Media Spoofing“ oder Doppelgängerkampagne nennt man die Aktionen, mit denen im Netz pro-russische Propaganda verbreitet wird. Dabei werden die Seiten im Design bekannter und vertrauenswürdiger Medienmarken aufgebaut und mit Fake-Videos oder anderen gefälschten Beiträgen bestückt, die mittels Fake-Accounts massenhaft über Social Media verteilt werden. Die langfristig angelegten Kampagnen zielen darauf, die internationale Unterstützung der Ukraine zu unterminieren, pro-russische Positionen zu verstärken und die politische Willensbildung im Vorfeld von Wahlen zu beeinflussen.

Einen aktuellen Fall hat die Deutsche Welle (DW) Anfang April aufgedeckt. Danach hatte ein Bot-Netzwerk im Vorfeld der Wahl in Ungarn gefälschte Videos verbreitet, die angeblich von Medien wie Reuters oder der DW stammen – mit dem Narrativ, dass ukrainische Flüchtlinge einen Anschlag auf Ungarns Staatschef Viktor Orban geplant hätten. Beides ist falsch, wie ein DW-Faktencheck klargestellt hat: Weder gebe es Hinweise auf solche Anschlagspläne, noch hätten Medien wie die DW darüber berichtet.

Die betreffenden Videos sollen in den sozialen Medien mehr als 100.000 Menschen erreicht haben. Sie gehören nach Einschätzung von Experten zur Desinformationsoperation „Matrjoschka“ (auch „Operation Overload“ genannt). Diese pro-russische Kampagne nimmt vor allem Medien und Faktencheck-Redaktionen ins Visier.

Die DW hat ihre Fähigkeiten in der Verifikation zuletzt verstärkt, unter anderem mit einem DW-internen Verifikationsservice und dem Ausbau des Faktencheck-Formats, das nun in Englisch, Deutsch, Arabisch, Spanisch, Chinesisch, Indonesisch, Hindi, Tamil und Urdu angeboten wird. Die DW ist zudem Teil der Faktencheck-Netzwerke von EBU und ARD./

Eine Meldung aus JOURNAL 1/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2026.