GLOSSE

NEULICH… Express-Drehung

12. April 2019, .stan

„Erleben wir da gerade den Untergang einer ­Dynastie?“ fragte Bernie. Der Stammtisch ahnte sofort, wen er meinte: „Die DuMonts möchten nicht mehr Verleger spielen. Sie wollen ihre ­Regionalzeitungen verkaufen. Weil es sich nicht mehr lohnt.“ Claudia, stets kritisch, winkte ab: „Nee, die geben auf, weil sie keine Lösungen und Ideen haben.“ Egal wie, Köln ohne DuMont-Blätter, das ist wie Karneval ohne Kamelle. „Auf dem Melaten-Friedhof, wo der alte Patriarch ­Alfred Neven DuMont liegt, sollen deutliche ­Rotationsgeräusche zu hören sein“, schmunzelte Klaus. „Ist ja auch mit Express-Drehung“, ­kicherte Tanja.

„Meint ihr, jemand kauft heute noch Zeitungen?“ fragte Harry. Wir nippten am Getränk. Wogen auf der „Wirklichkeit der Märkte“, die die DuMont-Erben beschworen, die Rendite gegen das Gejammer ab. „Für kleines Geld, ja“, wagte Martina eine Prognose. „Das rechnet sich für ­einen Medienkonzern durch Synergie und Personalabbau.“ Zur Not braucht man ja heute gar keine Leute mehr, um eine Zeitung herauszubringen.

Der Geist der Rundschau wehte über den Stammtisch. Wir prosteten ihm zu. Und bestellten gleich die nächste Runde Kurze – wegen des neuesten Essener Kahlschlags. „Die Chefs da“, deklamierte Paul, „schaffen ein Umfeld, in dem unabhängiger und professioneller Regional- und Lokaljournalismus gedeihen kann.“ Hä? Er griente: „So steht es im Framing-Manual von Funke.“

Quatsch, Managersprech. Gilla vergewisserte sich: „Die wollen doch 300 Jobs abbauen?“ Ja, wieder mal. Jetzt überlegen sie, ob sie ihre Thüringer Zeitungen nur noch digital ausliefern. „Da kriegen Fischhändler aber Einwickel­probleme.“ Wir kicherten bitter. Schlechte Witze können wir. „Es ist ja auch ein Skandal, dass ­Zeitungsboten so viel verdienen – und Verleger so wenig. Die Boten saugen das Verlagswesen ­geradezu aus.“ Sarkasmus können wir auch.

Hat Lokaljournalismus – bei solchen Medien-Arbeitgebern – überhaupt noch eine Chance? Fragten wir uns oft. Zumindest nach jeder ­Umfrage, wonach lokale Nachrichten das sind, was die Menschen wollen. „Wir sollten uns ­gegen den Untergang wehren, mal unterein­- a­n­der was Neues ausprobieren“, meinte Andrea. Dieter zuckte mit den Schultern: „Was willste machen? Sonntagsdemos?“ Es wurde still am Stammtisch. Und auf dem Melaten-Friedhof brummte weiter der Alfred.

Ein Beitrag aus JOURNAL 2/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2019.

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Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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