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Thementag Tarifpolitik: Es braucht einen Rechtsanspruch

13. April 2021, Corinna Blümel

Früher hieß es meist, Homeoffice und mobiles Arbeiten seien für Redaktionen ungeeignet, Ausnahmen wurden oft nur im Ausnahmefall und mit Bauchschmerzen bewilligt. Mit der Pandemie musste es plötzlich sein und so hat sich gezeigt: „Es funktioniert auch bei Journalistinnen und Journalisten“, erklärte Christian Weihe, Justiziar des DJV-NRW, beim Thementag Tarifpolitik, den der DJV Ende März als Videokonferenz durchführte.

Wie unterschiedlich diese Herausforderungen in einigen Zeitungsredaktionen in NRW gehandhabt werden, hat Christian Schlichter sich angeschaut (siehe Hauptteil der Titelgeschichte: Improvisiert am Küchentisch). Genauso wurden Redakteurinnen und Redakteure sowie Freie aber auch in allen anderen Medienbereichen ins Homeoffice geschickt – in öffentlich-rechtlichen Sendern, im Lokalfunk und natürlich auch in den Pressestellen.

Nicht überall läuft es gut

Dabei wurde keineswegs überall sofort und großzügig investiert, damit alle zu Hause mit Technik oder sogar mit Mobiliar gut ausgestattet sind. Das ist aus einzelnen Medienhäusern im Rheinland, im Ruhrgebiet und in Ostwestfalen-Lippe zu hören. Über solche Fälle berichteten auch DJV-Mitglieder aus NRW und aus anderen Landesverbänden beim Erfahrungsaustausch im zweiten Teil des Thementags. Da hörte man zum Beispiel von Laptops mit Mini-Bildschirmen, die sich nicht für den Seitenumbruch eignen, vom Homeoffice als Sparmodell auch bei öffentlich-rechtlichen Sendern, von der Flächenreduzierung oder Kündigung von Redaktionsräumen und von fehlenden Arbeitsplätzen ohne vernünftige Desk-Sharing-Regelungen. Und auch die seelischen Belastungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf waren Thema.

Im ersten Teil des Thementags Tarifpolitik hatte NRW-Justizar Weihe die Position und die Überlegungen des DJV vorgestellt. Sein Gesprächspartner war Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA). Die Bundesvorstandsmitglieder Mika Beuster und Katrin Kroemer moderierten das Gespräch.

BDA-Geschäftsführer Kampeter zeigte sich überzeugt, dass es auch nach Ende der Pandemie mehr Homeoffice geben werde. Gerade jüngere Menschen wollten keine großen Büros als Statussymbol, sondern Flexibilität und eine gute Work-Life-Balance. Das erfordere einen Kulturwandel in den Unternehmen und die Bereitschaft von Führungspersonen, auch anders zu führen. Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice lehnte Kampeter aber entschieden als „Eingriff in das Dispositionsrecht des Arbeitgebers“ ab. Die Gestaltung mobilen Arbeitens solle über individuelle Vereinbarungen in den Unternehmen geregelt werden.

Viele Fragen noch zu klären

Genau diesen Rechtsanspruch auf Homeoffce fordert Weihe persönlich explizit. Der DJV selbst hat sich noch nicht verbindlich festgelegt; über einen diesbezüglichen Antrag des Bundesfachausschusses Betriebsratsarbeit und Tageszeitungen konnte coronabedingt nicht entschieden werden. An vielen anderen Stellen ist der DJV dagegen noch mitten im Prozess, die Positionierung zum Homeoffice zu bestimmen, weil die Bedürfnisse so unterschiedlich seien.

Klar kristallisierte sich aber heraus, dass Homeoffice allen gleichermaßen zugänglich sein muss und nicht als Privileg an bestimmte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährt werden darf. Es könne nicht sein, so Weihe, dass eine Redaktion im Homeoffice arbeiten darf, die Nachbarredaktion aber nicht, „weil der Abteilungsleiter das nicht möchte“. Das gefährde auch den Betriebsfrieden. Zugleich dürfe niemand gegen seinen Willen ins Homeoffice gezwungen werden.

Eine klare Empfehlung hat Weihe für Betriebsräte, die derzeit Probleme haben, gute Bedingungen in Sachen Dienstvereinbarung zum Homeoffice auszuhandeln: Sie sollen besser warten, bis das derzeit geplante Betriebsrätestärkungsgesetz in Kraft tritt, das Erleichterungen für die Betroffenen bringen wird.||

Ein Beitrag aus JOURNAL 2/21, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2021.

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