MEDIENSZENE NRW

Umbau in Düsseldorf

Stellenabbau bei der Handelsblatt Media Group
12. April 2019, Corinna Blümel

Die Handelsblatt Media Group sortiert aus. Wegen verfehlter Umsatzziele kündigte sie im Februar verschiedene Sparmaßnahmen an. Die englischsprachige Ausgabe Handelsblatt Today wurde Ende Februar eingestellt, der Branchendienst Meedia rückwirkend zum 1. Februar veräußert, die Zeitschrift absatzwirtschaft zur Corporate-Publishing-Tochter planet c verschoben. Das Medienhaus will sich künftig auf reine Wirtschaftsthemen fokussieren und die Personalkosten um drei Prozent senken.

In den kommenden drei Jahren sollen bis zu 30 Stellen wegfallen, darunter etwa zehn in den Redaktionen. Dafür werden Vorruhestandsund Aufhebungsverträge angeboten, aber auch Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Gegenüber dem Fachblatt Horizont erklärte Frank Dopheide, Sprecher der Geschäftsführung, die Gruppe wolle Ressourcen zum Investieren in neue Produkte und in Technologie freischaufeln: „Wir müssen genügend Finanz- und Managementkraft aufbringen, um unsere Transformation schnell genug umsetzen zu können.“

Als Medienunternehmen in neue Produkte und Technologien investieren, aber nicht in den Journalismus? „Das kann nicht die Zukunftsstrategie eines Qualitätsmediums sein“, kritisierte der DJV-Landesvorsitzende Frank Stach die Sparpläne, die Aussagen des Managements seien „nicht glaubwürdig“. Digitale Transformation erfordere in der Regel mehr Arbeitskraft und nicht weniger.

Erinnerung an frühere Zeiten

Das Sparprogramm dürfte die Beschäftigten an frühere Zeiten erinnern: 2013 strich die damalige Verlagsgruppe Handelsblatt zehn Prozent der Stellen, vor allem in den Bereichen Anzeigen und Vertrieb. Damals war Gabor Steingart frisch aus der Handelsblatt-Chefredaktion in die Geschäftsführung der Gruppe gewechselt und forcierte den Wandel, bis er im Frühjahr 2018 abrupt gehen musste (siehe Ein Loch an der Spitze, JOURNAL 2/18).

Unter seiner Ägide kannte die Gruppe – nach dem dicken Stellenabbau 2013 – einige Jahre vorwiegend den Weg nach oben. Sie zog in ein neues, repräsentatives Gebäude, kaufte zu, entwickelte neue Geschäftsfelder wie das Konzept des „Live-Journalismus“ mit Konferenzen, Events und dem hauseigenen Wirtschaftsclub oder die Akademie für moderne Kommunikation. Sie startete ehrgeizige Projekte wie Handelsblatt Today (ursprünglich Handelsblatt Global Edition) oder das „junge“ Portal Orange, das sich an den wirtschaftsinteressierten Nachwuchs wendet und seit November 2018 mit dem Karriere-Magazin #start verknüpft ist, einer relaunchten Version des Handelsblatt Karriere- Magazins. Im Sommer vergangenen Jahres startete – als Ableger der Wirtschaftswoche – Ada: Die Plattform „für das digitale Leben und die Wirtschaft der Zukunft“ gibt es online sowie als vierteljährliches ePaper und Printmagazin.

Publizistisch wiegt vermutlich die Einstellung von Handelsblatt Today am schwersten. Die 2014 gegründete Ausgabe sollte neue Zielgruppen erschließen und die deutsche Perspektive international sichtbarer machen. Letzeres mag geglückt sein, der finanzielle Erfolg stellte sich bei der englischsprachigen Ausgabe aber nicht ein, wie Dopheide erklärte: Die bekomme der Verlag „auf absehbare Zeit nicht profitabel“.

Das Marketing-Fachmedium absatzwirtschaft, das die Handelsblatt-Gruppe in Kooperation mit dem Deutschen Marketingverband herausgibt, findet seine neue Heimat bei der Corporate- Content-Tochter planet c, wo unter anderem auch das Handelsjournal, das Creditreform-Magazin und das deutsche Architektenblatt erscheinen. Während Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der absatzwirtschaft sowie des Portals absatzwirtschaft. de innerhalb der Handelsblatt Media Group wechseln, haben die Beschäftigten des Branchendienstes Meedia Arbeitgeber außerhalb der Handeslblatt-Gruppe. Neuer Eigentümer des Portals ist die Busch Group. Der Fachverlag gibt unter anderem die Publikationen Blickpunkt: Film, MusikWoche und Gamesmarkt heraus, deren Inhalte auf der Plattform mediabiz gebündelt werden.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 2/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2019.

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Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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