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Unruhe bei der Deutschen Welle

Freie befürchten Nachteile bei Umstrukturierung des deutschen Onlineangebots
14. Februar 2020, Corinna Blümel

Bei der Deutschen Welle (DW) sorgen neue Dienst- und Schichtpläne im Bereich der neu geschaffenen Hauptabteilung Information für erhebliche Unruhe. Das zeigt ein offener Brief von rund 50 freien Journalistinnen und Journalisten. Bei ihrer Kritik an Umstrukturierungsmaßnahmen, die ab Februar gelten sollen, geht es um zwei Sachverhalte, die ineinandergreifen: Aktuell gelten die Sorgen den absehbaren Auftrags- und Einkommensverlusten der Freien, die bisher die Nachtschichten der Nachrichtenredaktion übernommen haben. Mittelfristig befürchten sie auch einen weiteren Abbau des deutschsprachigen Onlineangebots.

Im Deutsche-Welle-Gesetz ist Deutsch als Sprache ausdrücklich verankert. Nachdem das deutschsprachige Radioprogramm 2011 eingestellt wurde und der deutsche Fernsehkanal neben wenigen Eigenproduktionen vor allem Wiederholungen von ARD- und ZDF-Sendungen ausstrahlt, bleibt als einziges deutschsprachiges Vollprogramm das Angebot unter dw.com, das bisher Nutzerinnen und Nutzer in allen Zeitzonen der Welt rund um die Uhr mit aktuellen Informationen versorgt.

Das sehen viele bei der DW in Gefahr, weil ab Februar 2020 Nachtschichten der Nachrichtenredaktion gestrichen werden sollen. Wo nachts bisher ein Startseitenredakteur und zwei Nachrichtenredakteure im Einsatz waren, sollte nach ursprünglicher Planung ab Februar zwischen 21.30 und 5.30 Uhr nur noch ein einzelner Startseitenredakteur zuständig sein.

Warum das keine gute Idee sei, erläuterten die Freien in ihrem Schreiben ausführlich. So wiesen sie darauf hin, dass die Informationslücke eher bei neun oder zehn Stunden liege, weil mit Beginn der Frühschicht keine fertigen Beiträge zum Veröffentlichen vorbereitet seien. Wegen der unterschiedlichen Zeitzonen werde die sogenannte Nachtlücke für einen Teil des ausländischen Zielpublikums der DW zur Taglücke. Nicht zuletzt erinnerten die Freien an das Vier-Augen-Prinzip, das verletzt würde, wenn ein Startseitenredakteur bei einer Breaking-News-Situation in seiner Nachtschicht Agenturmeldungen auf die Seiten heben müsste.

Intendant Peter Limbourg hat eine prinzipielle Bestandsgarantie für das deutsches Online- und Fernsehprogramm gegeben. Zudem hat der Sender nach Aussagen des Örtlichen Personalrats in Köln inzwischen angeboten, dass nachts zusammen mit dem Startseitenredakteur ein Nachrichtenredakteur zumindest für einige Stunden Dienst machen soll. Aus Sicht der DJV-Betriebsgruppe keine wirkliche Lösung.

Im Sender forderten DJV und ver.di in einer gemeinsamen Stellungnahme Klarheit zur weiteren Umstrukturierung. Natürlich könne die DW das Programm strategisch anpassen, müsse aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitnehmen. Bisher habe das Haus die Reformprozesse immer als „beschäftigungsneutral“ dargestellt: Abbau hier – Zuwachs dort. Mit den neuen Dienst- und Schichtplänen deuteten sich dagegen deutliche Kürzungen an. Die versprochene Klärung, ob weggefallene Schichten in anderen Bereichen kompensiert werden könnten, sei bisher nicht erfolgt. Und auch wenn der Intendant den Fortbestand der deutschsprachigen Angebote zusichere, müsse präzisiert werden, ob dies mit Beschäftigungsabbau verbunden sei. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlten sich allein gelassen: „Gespräche über die Zukunft gibt es nur wenig, da selbst die Führungskräfte nicht wirklich Bescheid wissen.“

Der DJV-NRW stellt sich solidarisch hinter die Verfasserinnen und Verfasser des offenen Briefs: „Die Freien, die die Nachtschichten der Onlineredaktion übernehmen, haben es verdient, zu erfahren, wie es in Zukunft um die Struktur der DW-Webseite und um ihren Einsatz dort gestellt ist“, erklärte der Kölner Personalratsvorsitzende Daniel Scheschkewitz. Viele der Betroffenen arbeiteten zudem schon lange in der Nachtschicht, sodass der Wegfall der Nachtzuschläge in diesen Fällen auch eine soziale Abfederung verlange.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 1/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Februar 2020.

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