MEDIENSZENE NRW |

Wichtiges Signal für den Medienstandort NRW

RTL Deutschland übernimmt Gruner + Jahr
24. August 2021, Marie Kirschstein und Corinna Blümel

Netflix, Amazon und Co. den Kampf ansagen und ein nationaler Medien-Champion werden: Das ist das Ziel, wenn RTL und Gruner + Jahr ab 2022 gemeinsame Sache machen. Am 6. August verkündete die RTL Group neben den sehr guten Umsätzen des ersten Halbjahres 2021 – 6,5 Milliarden Euro – auch den Zusammenschluss von RTL Deutschland und dem großen deutschen Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J). So sollen die jeweiligen Potenziale im Wettbewerb mit globalen Tech-Plattformen besser genutzt werden.

RTL/G+J-Logo

230 Millionen Euro zahlt die RTL Group für die die deutschen G+J-Magazingeschäfte und -marken, darunter Stern, Geo und Brigitte. Die Transaktion soll zum 1. Januar 2022 abgeschlossen sein. Überraschend kommt die Entscheidung nicht: Die gemeinsame Konzernmutter Bertelmann hatte seit Jahresbeginn verschiedene Szenarien von der engeren Zusammenarbeit bis zur Fusion geprüft (siehe JOURNAL 2/21).

Die jetzt vereinbarte Übernahme umfasst denn auch nicht alle G+J-Geschäfte. So bleiben unter anderem die DDV Mediengruppe (Sächsische Zeitung, Dresden) und die 25-Prozent- G+J-Beteiligung am Spiegel bei Bertelsmann. Nach Unternehmensangaben stehen diese Aktivitäten nicht zum Verkauf, sollen aber weiterentwickelt werden.

Keine größeren Umzüge geplant

Unter dem künftigen gemeinsamen Dach sollen die jeweiligen Potenziale im Wettbewerb mit globalen Tech-Plattformen besser genutzt werden. So erwartet Bertelsmann jährliche Synergien von rund 100 Millionen Euro – unter anderem durch mehr exklusive Inhalte der crossmedialen Redaktionen und durch bessere Cross-Promotion zwischen den Mediengattungen. Die künftige Gruner + Jahr Deutschland GmbH soll ihren Sitz in Hamburg haben, sodass keine größeren Umzüge geplant seien.

Der DJV hatte nach Bekanntwerden der Fusion gefordert, dass die journalistischen Arbeitsplätze von Gruner + Jahr in Hamburg und Berlin ebenso wie deren Tarifbindung erhalten bleiben. DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall wertete die wiederholten Bekenntnisse der Bertelsmann-Spitze zu den herausragenden publizistischen Leistungen der G+J-Titel als positives Zeichen. „Wenn diese Standards erhalten bleiben sollen, müssen auch die Rahmenbedingungen für die Journalistinnen und Journalisten stimmen.“ Das gehe nur innerhalb des tariflichen Rahmens.

Fairness angemahnt

Als Geschäftsführer des DJV-Landesverbands NRW forderte auch Volkmar Kah einen guten Umgang mit den Beschäftigten: „Das neue Medienunternehmen kann nur dann ein Champion sein, wenn die Geschäftsleitung Fairplay und Teamgeist gegenüber den Beschäftigten beweist, die ab dem nächsten Jahr für das neue Medienunternehmen tätig sein sollen.“ Die Geschäftsführung des neuen Konzerns müsse jetzt erstmal beweisen, dass der Slogan des neuen Medienkonzerns – „Gemeinsam stärker“ – gerechtfertigt sei.

Der DJV-NRW wertete die guten Umsätze der RTL Group und die Pläne für das künftige integrierte Unternehmen als wichtiges Signal für den Medienstandort Köln und NRW insgesamt. Auch das Vorhaben, den dominierenden großen US-Konzernen wie Google, Facebook & Co. die Stirn zu bieten, sei ein guter Ansatz, erklärte Kah. „Vielleicht müssen Medienhäuser hier heute aber noch größer denken. Warum nicht eine Art Kölner Allianz zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern?“

Fusion muss sozialverträglich umgesetzt werden

Was der Zusammenschluss für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konkret bedeutet, ist allerdings noch nicht bekannt. „Gerade angesichts der guten Umsätze der RTL Group erwarten wir von der Geschäftsführung, dass der Zusammenschluss absolut sozialverträglich abläuft: kein Personalabbau, keine Abkehr von geltenden Tarifverträgen und kein Verzicht auf bewährte Formate, auch im linearen Programm“, betonte Bert Grickschat, Vorsitzender der DJV-Betriebsgruppe bei RTL.

Ob das gelingt, wird sich zeigen. In der Vergangenheit war bei Gruner + Jahr in Bezug auf dem Zusammenschluss wiederholt von Einsparungen die Rede, etwa bei den Personalkosten. „Wir erwarten von der Geschäftsführung, dass diese eng mit den bisher noch zwei Betriebsräten zusammenarbeitet und niemand aufgrund des Zusammenschlusses um seine Vergütung oder gar seinen Job fürchten muss“, fordert DJV-NRW-Geschäftsführer Kah.||