Medienhäuser bauen Stellen ab, künstliche Intelligenz scheint den Bedarf an von Menschen geschriebenen Artikeln zusätzlich zu reduzieren. Das trifft viele Freiberufler und Freiberuflerinnen. Solche Flauten sind eine gute Zeit für eine Weiterbildung. Die ist jedoch oft teuer. Erfreulicherweise gibt es eine großzügige staatliche Förderung.

Jörg Stroisch aus Köln schreibt seit über 20 Jahren für seine Kunden Artikel und Bücher und hat sich als Trainer und Coach ein zweites Standbein aufgebaut. Weil sich dieser Zweig seiner Selbstständigkeit besser entwickelt, will er sich hier weiter qualifizieren. Auch Petra Walther aus Bonn möchte sich weiterbilden. Sie schreibt Texte für Fachredaktionen und PR, ihr Fokus liegt auf der Transformation der Arbeitswelt.
Beiden kommt für ihre Vorhaben die Kompass-Förderung wie gerufen. Dabei steht Kompass für „Kompakte Hilfe für Soloselbstständige“. Die Förderung ist ein Programm des Bundesarbeitsministeriums, kofinanziert durch den Europäischen Sozialfonds. Jörg Stroisch hat sich für eine Qualifizierung zum „Systemic Agile Master & Coach“ entschieden. Petra Walther hat mit Blick auf die rasanten Veränderungen in der Medienbranche durch künstliche Intelligenz ein Angebot zum „Master Business of AI“ ausgesucht.

den „Master Business of AI“. | Foto: Fotoatelier Herff, Niederkassel
Förderung für verschiedene Kompetenzen
Unterschieden wird bei den erlaubten Weiterbildungen nach drei Kompetenzkategorien: fachlichen Kompetenzen, die berufsspezifisch sind, persönlichen Kompetenzen wie Stressresistenz oder Zeitmanagement und Querschnittskompetenzen. Letztere sind beispielsweise betriebswirtschaftliche Kurse, Seminare zu Marketing oder Suchmaschinenoptimierung.
Nicht gefördert werden Qualifizierungen in den Bereichen Gesundheitsförderung, Kunst, Kultur oder Sprachunterricht. Auch ist es nicht möglich, sich über die Kompass-Förderung ein ganz neues Standbein zu erschließen. Denn das Angebot soll der eigenen Weiterentwicklung innerhalb der bestehenden Tätigkeit dienen und so zur Sicherung der Selbstständigkeit beitragen.
Sehr spezifische Voraussetzungen
Die Weiterbildung muss bestimmte Anforderungen erfüllen – unter anderem muss sie eine Mindestdauer von 20 Stunden haben und in sechs Monaten abgeschlossen werden. Zudem dürfen maximal 50 Prozent der Inhalte in Selbstlernphasen erarbeitet werden.
Infos zur Kompass-Förderung
* Fragen und Antworten zur Kompass-Förderung: t1p.de/faq-kompass.
* Liste der Anlaufstellen: t1p.de/kompass-anlaufstellen/
Beantragen können diese Förderung „Solopreneure“, also beispielsweise Freiberufler und Freiberuflerinnen, die in Deutschland leben und arbeiten. Ein Beschäftigter, beziehungsweise mehrere, die zusammen aber nicht mehr als ein sogenanntes Vollzeitäquivalent ergeben, ist den Antragstellenden jedoch erlaubt.
Weitere Voraussetzungen: Man muss seit mindestens zwei Jahren am Markt sein und die Selbstständigkeit als Haupterwerb betreiben. Außerdem darf man weder in den vergangenen drei Jahren sogenannte De-minimis-Beihilfen über 300.000 Euro bekommen haben, noch innerhalb der vergangenen zwölf Monate einen Kompass-Qualifizierungsscheck. Wird man gefördert, liegt die Höchstsumme bei 4.500 Euro. Beantragt werden kann die finanzielle Unterstützung jährlich bis einschließlich 2028.
Erste Schritte
Doch bevor Lernwillige loslegen können, müssen sie mit einer offiziellen Beratungsstelle ein Gespräch führen. Stroisch machte die Erfahrung, dass diese zumindest in Köln oft so ausgebucht sind, dass sie keine Termine vergeben. Er versuchte sein Glück in Düsseldorf, und das funktionierte. Petra Walther bekam von der ersten Beratungsstelle die Information, die Qualifizierungsmaßnahme entspreche nicht den Vorgaben. Sie wechselte die Beratungsstelle und bekam den Qualifizierungsscheck. Es lohnt sich also, ein bisschen beharrlich zu sein.
Noch bevor das erste Gespräch stattfindet, muss man sich übrigens beim Förderportal ZEUS anmelden (foerderportal-zeus.de). „Das ist nicht selbsterklärend“, sagt Jörg Stroisch. Aber er hatte von der Beratungsstelle einen detaillierten Leitfaden bekommen. Petra Walther konnte ihre Beraterin telefonisch um Hilfe bitten. Die Anmeldung bei ZEUS läuft über eine BundID (siehe Kasten).
BundID
Je nach Sicherheitsstufe erfolgt die Anmeldung mit Benutzername und Passwort, mit der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises und dem Smartphone als Lesegerät oder mit einem ELSTER-Zertifikat.
Alles Infos unter https://id.bund.de/de/
Nach dem Beratungsgespräch erstellt die Agentur ein Protokoll. Zudem werden die Anbieter der Maßnahme geprüft – denn auch sie müssen bestimmten Anforderungen entsprechen. Schließlich erhält man seinen Qualifizierungsscheck.
Auf dem Weg zum Ziel gibt es noch einige Fallen: Beispielsweise kann schon ein „ß“ im Nachnamen dazu führen, dass man in der Datenbank bei der Suche der Beratungsagentur nicht angezeigt wird. Bei Namen mit „echten“ Sonderzeichen könnte das auch der Fall sein. Darüber hinaus kann es auch passieren, dass der gewählte Bildungsanbieter noch nicht bei der Agentur registriert ist. In solchen Fällen kann sich der Prozess um Wochen verzögern. Wer hier sowohl bei der Beratungsagentur als auch beim Bildungsanbieter regelmäßig nachhakt, beschleunigt den Prozess.
Hat man den Qualifizierungsscheck erhalten, meldet man sich bei der Weiterbildung an. Die Kosten trägt man zunächst selbst. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Lehrangebots stellt man einen Antrag auf Erstattung und bekommt (hoffentlich) die entsprechende Summe überwiesen.||
- Ein Hinweis von der Seite zum Kompass-Programm: „Aktuell verzeichnet das Förderprogramm eine sehr hohe Nachfrage. Um eine zügige und sorgfältige Bearbeitung bereits eingegangener Anträge sicherzustellen, werden diese derzeit vorrangig bearbeitet. Daher können die Kompass-Anlaufstellen im Zeitraum vom 1. März bis zunächst 3. Mai 2026 vorübergehend keine neuen Erstberatungen anbieten.“
Ein Beitrag aus JOURNAL 1/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2026.