MEDIENSZENE NRW |

Eine feste redaktionelle Heimat

Mediengruppe RTL Deutschland bündelt journalistische Kompetenz
17. Dezember 2020, Corinna Blümel

Die Mediengruppe RTL gründet zum 1. Februar 2021 die RTL News GmbH als „journalistische Unit für crossmediale Nachrichten, Infotainment, investigativen Journalismus sowie Dokutainment“. Rund 700 Journalistinnen und Journalisten an 24 Standorten im In- und Ausland sollen künftig unter dem Dach der RTL-Tochter arbeiten und Nachrichten und Magazine für die Sender RTL, ntv und Vox sowie Inhalte und diverse Formate für die digitalen Plattformen produzieren.

Dass Tanit Koch, Chefredakteurin der RTL-Zentralredaktion und Geschäftsführerin von ntv, der Mediengruppe im Zuge der Umstrukturierung den Rücken kehrt, erwähnt die Pressemitteilung eher am Rande. „Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Struktur und den weiteren Weg“ habe sie sich – in bestem Einvernehmen – entschieden, das Unternehmen zu verlassen, teilte die Mediengruppe im November mit.

Foto: txt
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Mehr Journalistin als Managerin?

Für Außenstehende mag Kochs Weggang überraschend sein, intern sieht man eine Logik darin. Zwar habe die ehemalige BILD-Chefredakteurin anfangs mit ihrer Vision begeistert, wie sich die Mediengruppe als journalistisches Unternehmen im Markt positionieren könnte. Aber, so heißt es, der Schwung sei verloren gegangen. Tanit Koch habe die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Dauer nicht mitnehmen können, auch weil sie eher nicht in die Redaktionen gegangen sei. Dabei klingt ein gewisses Fremdeln mit der RTL-Welt heraus. Zudem sei die 43-Jährige eher Journalistin als Managerin gewesen und der Rolle als ntv-Geschäftsführerin nicht ausreichend gerecht geworden.

Tanit Koch war im Frühjahr 2019 zur Mediengruppe gekommen, um die neue Redaktionseinheit aufzubauen, in der die redaktionellen Abläufe und die digitalen Prozesse zusammengeführt werden sollten – Arbeitstitel „Inhalteherz“. Die ursprüngliche Idee, Einzelredaktionen zugunsten einer Zentralredaktion mit Ressorts aufzulösen, wurde im Laufe des etwa einjährigen Umbauprozesses aufgegeben. Aber im Ergebnis sind die Redaktionen in den Ressorts deutlich zusammengerückt, die Zahl der Ressorts hat sich zurechtgeruckelt. Die Schwerpunkte bilden sich in der vierköpfigen Chefredaktion ab: Diese besteht aus Sonja Schwetje (Netzwerke), Gerhard Kohlenbach (Nachrichten), Wolf-Ulrich Schüler (Verticals) und Martin Gradl (Magazine). Der langjährige RTL-Chefredakteur Michael Wulf wird Chefredakteur für besondere Aufgaben.

Der Aufbau der Zentralredaktion werde mit der Gründung von RTL News erfolgreich abgeschlossen sein, schreibt RTL. Im neuen Tochterunternehmen geht die bisherige Inhalteeinheit infoNetwork auf, in der 2007 Redaktionen von RTL, Vox und ntv zusammengeführt worden waren. Hinzu kommen Kolleginnen und Kollegen von RTL Interactive und abermals von ntv.

Geschäftsführer von RTL News wird Stephan Schmitter, der auch CEO RTL Radio Deutschland und Head of Audio Mediengruppe RTL bleibt. Zudem übernimmt er die ntv-Geschäftsführung, gemeinsam mit Stephan Schäfer, Geschäftsführer Inhalte & Marken der Mediengruppe RTL Deutschland und Chief Product Officer bei Gruner + Jahr.

Ruhe ins Unternehmen bringen

Schmitter, der im September nach dem Weggang von Jan Wachtel zum weiteren Geschäftsführer von infoNetwork aufgerückt war, favorisiert offenbar schnelle Entscheidungen und möchte die Mediengruppe nach einer mehrjährigen Phase mit vielen Umbrüchen zur Ruhe kommen lassen. Damit ist auch das Versprechen verbunden: Vor Weihnachten werde jede und jeder wissen, in welcher Einheit die redaktionelle Heimat sei. Schon ab Dezember sollen die Beschäftigten zudem weitgehend in den neuen Strukturen arbeiten. So gesehen passt es auch, jetzt den Weggang von Tanit Koch bekanntzugeben.

Bei aller Unruhe und vielleicht auch Skepsis wegen der vielen personellen Veränderungen: Die Beschäftigten sehen, dass die Umstrukturierungen einen Plan verfolgen, und der heißt – anders als in den meisten Medienhäusern derzeit – nicht Stellenabbau oder Sparen. Im Gegenteil: Erst jüngst hat die Mediengruppe intern mitgeteilt, dass sie den kompletten Jahrgang der RTL-Journalistenschule übernehmen will. Mehr als 20 junge Journalistinnen und Journalisten finden in schwierigen Zeiten eine Festanstellung.||


Ein Beitrag aus JOURNAL 6/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Dezember 2020.

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Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
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