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Funke Mediengruppe: Verbandsquerelen und Kritik

20. April 2022, Mareike Weberink

Die Funke Mediengruppe hat angekündigt, den Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) zum Jahresende zu verlassen. Falls sie die Ankündigung umsetzt, verliert der Verband eines der wichtigsten Medienhäuser.

Schon länger rumort es im BDZV – unter anderem, weil die Interessen großer Zeitungsgruppen und kleiner Regionalverlage immer weiter auseinanderdriften. In jüngerer Zeit hielt Funke nicht mit seiner Kritik an Präsident und Springer-Chef Mathias Döpfner (Foto) hinterm Berg – Stichwort Reichelt – und forderte Döpfners Rücktritt. Der Versuch, Funke-Verlegerin ­Julia ­Becker (Foto) einzubinden, indem man ihr einen der Vize-Posten im BDZV-Vorstand anbot, ist gescheitert. Medienberichten zufolge hat sie „dankend“ abgelehnt. Funke habe Zweifel an der „Veränderungsbereitschaft des geschäftsführenden Präsidiums“, hieß es. Das bezog sich unter anderem auf den Reformprozess im BDZV (siehe Kasten).

Bisher kein Bekenntnis zum Tarif

Jenseits der Verlegerquerelen hätte ein Austritt aus dem BDZV eine weitere Folge, denn Funke sich damit auch aus dem Flächentarifvertrag verabschieden. Eine Entwicklung, die der DJV-NRW mit Sorge ­beobachtet. Denn auch Wochen nach Bekanntwerden dieser Pläne fehlte ein klares Bekenntnis, dass Funke langfristig im Tarif bleiben will.

Mit einem offenen Brief hat sich der DJV-NRW an Funke-Geschäftsführer Christoph Rüth gewandt, um das Haus an den mehrfach formulierten eigenen Anspruch und die Verantwortung gegen­über der Belegschaft zu erinnern: Der inner­verbandliche Konflikt dürfe nicht auf dem Rücken der Redakteurinnen und Redakteure ausgertagen werden, heißt es darin. „Es ist nie gut, wenn ein Streit zu Lasten Dritter geführt wird, vor allem dann nicht, wenn dies zu einem Verlust von sozialer und finanzieller Sicherheit führt.“

Für die Zukunft vorsorgen

Zugleich unterbreitete DJV-NRW ein Gesprächsangebot und verband dies mit dem Appell: „Bekennen Sie sich jetzt offensiv zum dauerhaften Verbleib im Flächentarifvertrag – auch über die formale Tarifbindung bis 2024 hinaus. Denn auch nur dann ist gewährleistet, dass Sie auch in Zukunft qualifizierte und gut ausgebildete Journalistinnen und Journalisten für die ­Titel in NRW gewinnen können.“

Der Brief machte aber auch deutlich: Sollte Funke bei der Entscheidung bleiben, den BDZV und damit die bisherige Tarifbindung verlassen, wird der DJV-NRW umgehend zu Haustarifvertragsverhandlungen auffordern. Zum Zeitpunkt des Drucks stand eine Reaktion von Funke noch aus.||

Unruhe bei den Verlegerverbänden
Im Februar hat Funke eine Verschmelzung des BDZV mit anderen Verlegerverbänden vorgeschlagen, konkret mit dem VDZ (Verband der Zeitschriftenverleger), dem BVDA (Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter) und dem VDL (Verband Deutscher Lokalzeitungen). Was dabei allerdings offenblib: Wie sich diese noch unterschied­licheren Interessen zu einer gemein­samen Verbandspolitik fügen sollten.
Die Zeitschriftenverleger, bei denen Funke ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, preschten im März vor und gründeten den Medienverband der freien Presse (MVFP), der den VDZ ablöst und nun ihre medienpolitischen Interessen vertritt (siehe Seite „MVFP statt VDZ: Zeitschriftenverlage organisieren sich neu“).
Ein Beitrag aus JOURNAL 1/22, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2022.