Protest gegen die Schließung der WR im Januar 2013. | Foto: txt
Protest gegen die Schließung der WR im Januar 2013. | Foto: txt
 
MEDIENSZENE NRW

Funke: Wenig gelernt

21. Februar 2018, Corinna Blümel

Fünf Jahre ist es her: Der 31. Januar 2013 war für 300 feste und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Westfälischen Rundschau (WR) der letzte Arbeitstag. Zwei Wochen zuvor hatte die Geschäftsleitung ihnen mitgeteilt, dass sie nicht mehr gebraucht würden. Ab Februar würden die konkurrierenden Ruhr Nachrichten sowie der Hellweger Anzeiger die Lokalteile füllen. Den überregionalen Mantelteil lieferte ohnehin bereits die WAZ.

Dass die damalige WAZ-Gruppe (heute Funke Mediengruppe) die WR zur Zombiezeitung, also einer Zeitung ohne eigene Redaktion, gemacht hat, war ein tiefer Einschnitt. Nicht nur im Leben der Betrofffen, sondern auch in der Zeitungsbranche. Nicht umsonst erregte der Fall damals bundesweite Aufmerksamkeit.

Und dann liest man kurz vor dem Jahrestag in der Abschiedsmail, die Geschäftsführer Manfred Braun an die Belegschaft schreibt, neben viel Eigenlob für das Erreichte die lapidaren Sätze: „Klar, das alles ist nicht ohne Reibereien, Konflikte und auch Härten gelaufen. Und nicht alles ist geglückt. Natürlich habe ich Fehler gemacht. So bin ich heute zum Beispiel der Ansicht, dass wir mit der Westfälischen Rundschau anders hätten umgehen sollen, als wir es getan haben.“ Zynisch nannte der Landesvorsitzende Frank Stach diese Worte: „Das klingt so, als hätte Manfred Braun aus Versehen mal zu viel Kopierpapier bestellt. Dabei hat er gut 300 Existenzen vernichtet.“

Nicht viel besser ist Brauns Frage an der gleichen Stelle: „Und hätten wir nicht auch für den Dortmunder Markt andere Lösungen finden können?“ Zur Erinnerung: Seit der Verlag Lensing-Wolff im vergangenen Jahr die Mantelredaktion der Ruhr Nachrichten in Dortmund geschlossen hat (vgl. JOURNAL 4-17), gibt es in der größten Stadt im Ruhrgebiet keine Vollredaktion einer Tageszeitung mehr.

Vermutlich sollten Brauns Abschiedsworte nach Einsicht klingen. Die scheint aber nicht tief zu greifen, wenn man auf die Abwicklung des Funke Fotopools zum Jahresende 2017 schaut: Kündigungen für die 24 Beschäftigten, elf bekamen das Angebot, zu schlechteren Konditionen in die neu gegründete Funke Foto Services GmbH zu wechseln. Die übrigen Fotografen mussten sich in Konkurrenz zu Bewerbungen von außen um die restlichen vier Stellen neu bewerben. Neun Beschäftigte haben ihre Jobs verloren (siehe auch „Solidarität mit geschassten Fotografen“).

Für viele der ehemaligen WR-Redakteurinnen und -Redakteure reißen solche Entscheidungen alte Wunden auf. Irritiert waren manche deswegen auch von einer anderen Entscheidung: Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS)
 hat Dr. Jost Lübben in die Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises berufen. Lübben ist Chefredakteur der Westfalenpost, aber füllt diese Funktion auch für die redaktionslose WR aus. Die Berufung sei „ein Faustschlag in die Gesichter aller Lokaljournalisten, die die Qualität im wichtigsten Ressort der Zeitung selbst unter schwierigsten Bedingungen und mit immer weniger Personal und immer geringeren Etats hochhalten“, schrieb Pascal Hesse, Schatzmeister des DJV-NRW, in einem offenen Brief.||

JOURNAL 1/18