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Gutes tun im U-Verein

Solidarität zur richtigen Zeit für eine junge Familie in Not
12. April 2024, Carmen Molitor

Die Diagnose „Krebs“ trifft jeden hart, aber Anna Müller* (Name geändert) und ihren Mann Karsten* traf sie doppelt schlimm: Bei Anna wurde die Krankheit vier Wochen nach der Geburt ihres Kindes diagnostiziert – und sie war lebensbedrohlich. Beide arbeiteten freiberuflich im Journalismus, fühlten sich mit Künstlersozialkasse und anderen Versicherungen abgesichert und hatten sich sorgfältig auf die Geburt ihres ersten Kindes vorbereitet. Sie planten, jeweils drei Monate in Elternzeit zu gehen. „Es wäre finanziell alles super gelaufen, wenn ich nicht so schwer krank geworden wäre“, erzählt Anna.

Viele Kleinbeträge läppern sich

Denn nicht genug, dass das junge Paar die niederschmetternde Diagnose verkraften musste: Mit der Zeit läpperten sich viele Kleinbeträge zu Summen, mit denen sie nicht gerechnet hatten: etwa die Tiefgaragentickets, die anfielen, wenn Karsten Anna täglich in der Klinik besuchte, damit sie das neugeborene Kind tagsüber bei sich in der Klinik haben konnte. Oder Spritkosten, die sie ihren Eltern und Schwiegereltern für deren monatelange weite Anfahrten zum täglichen Babysitting erstatten wollten. Anna brauchte nach ihrem Klinikaufenthalt große Wundpflaster und Schmerzmittel. Und in der ersten Zeit benötigten sie eine Haushaltshilfe, nachdem die Kosten von der Krankenkasse nicht mehr übernommen wurden. Zugleich fehlten Einnahmen, denn auch Karsten konnte in dieser belastenden Situation viel weniger arbeiten als geplant.

Als die finanzielle Situation drängender wurde, bekam das Paar über den Vorstand ihres DJV-Ortsvereins den Tipp, Kontakt zum Unterstützungsverein zu suchen. Der U-Verein, wie er kurz genannt wird, ist mit dem DJV-NRW zwar eng verbunden, aber eigenständig. Er steht Journalistinnen und Journalisten in finanzieller Not mit günstigen Darlehen oder Einmalbeträgen zur Seite. Die Grundlage dafür bilden unter anderem die Mitgliedsbeiträge und Spenden. Der Jahresbeitrag beläuft sich auf 15 Euro, man kann ihn aber jederzeit aufstocken – und steuerlich absetzen.

Karsten reichte dem U-Verein eine Liste mit den besonders belastenden Zusatzkosten ein. Schnell erhielt das Paar eine finanzielle Spende in mehreren Teilzahlungen. „Das war sehr, sehr unkompliziert und unbürokratisch“, erinnert sich Anna dankbar. „Der U-Verein war der einzige, der uns so schnell geholfen hat. Das nahm in dieser Phase den finanziellen Druck für uns heraus.“

Schnell und unbürokratisch helfen

Unbürokratische Hilfe für Kolleginnen und Kollegen, die wie Anna durch eine Krankheit, den Tod eines Familienangehörigen oder aufgrund zu geringer Rente in finanzielle Not geraten sind, ist die wichtigste Aufgabe des U-Vereins. „Sehr oft geht es um Freie – aber so ein Schicksal kann jeden treffen“, erzählt Schatzmeister Helmut Dahlmann. Hinweise, wer Hilfe braucht, erhält der U-Verein von den Betroffenen selbst oder aus den Ortsvereinen und der Geschäftsstelle in Düsseldorf. Sein Ziel ist es, passgenaue Hilfe zu leisten: „Wir führen ein persönliches Gespräch mit den Betroffenen und versuchen, individuell zu helfen. Es muss aber niemand für uns tausend Formulare ausfüllen oder sehr viele Nachweise bringen“, erklärt Dahlmann. „Wir helfen solidarisch da, wo wir gebraucht werden!“ Allein 2022 konnte der U-Verein den Kolleginnen und Kollegen mit insgesamt 54.000 Euro unter die Arme greifen.

Der direkte Draht

Der 1960 gegründete Unterstützungsverein des DJV-Landesverbands NRW, kurz U-Verein genannt, hat sich der Solidarität mit Journalistinnen und Journalisten in finanzieller Not verschrieben. Er kann bedürftige Kolleginnen und Kollegen sowie Hinterbliebene unterstützen. Ob eigene Notlage oder der Hinweis auf eine Kollegin oder einen Kollegen  in Not: Hier geht es zum U-Verein.

Junges Engagement gesucht

Um die Zukunft des U-Vereins zu sichern, wünschen sich Helmut Dahlmann und seine Vorstandskollegen Ursula Posny und Klaus Johann, dass mehr jüngere Menschen aus dem DJV-NRW sich solidarisch für die gute Sache einsetzen und an der Vorstandsarbeit beteiligen. Doch sowohl als zahlende Mitglieder als auch bei der aktiven Vereinsarbeit sind die Jungen noch rar. Dabei kann man hier ganz unmittelbar viel Gutes tun. „Wir sind bis heute sehr dankbar dafür, dass der U-Verein uns so schnell geholfen hat“, betont Anna Müller. Die Geschichte der kleinen Familie hatte ein Happy End: Die Journalistin wurde gesund und konnte ihre Arbeit wieder aufnehmen.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 1/24, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im März 2024.