Gemeinsam Betriebskosten sparen durch denselben Standort, mehr Inhalte schaffen durch Synergien – das sind die Hauptgründe, die Betriebsgesellschaften und Chefredaktionen nennen, wenn es um die Etablierung von Funkhausmodellen für den NRW-Lokalfunk geht. Dabei kann man einen Standort außerhalb des Verbreitungsgebiets schon als Widerspruch zum Sinn des Lokalfunks sehen.
Erst recht gilt das für die „potenzielle Zusammenlegung von Verbreitungsgebieten des lokalen Hörfunks“. Eröffnet hat diese Möglichkeit die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LFM) im November 2025. Sie stützt sich dabei auf das Gutachten zur wirtschaftlichen Situation im NRW-Lokalfunk (Goldmedia-Studie, 2024). Verbreitungsgebiete können demnach zusammengelegt werden, falls die Lokalradios nicht belegen können, dass sie alleine wirtschaftlich tragfähig sind. Der Nachweis muss im Zuge der jeweiligen Zulassungsverlängerung erfolgen.
Damit Sender gegebenenfalls zusammengelegt werden können, hat die LFM die Lizenzvergabezeiten harmonisiert und teils drastisch verkürzt: Galten die Zulassungen früher für fünf bis zehn Jahre, ist es zuletzt teilweise nur ein Jahr gewesen.
Was wird aus Radio Ennepe-Ruhr?
Schon im August dieses Jahres läuft die Sendelizenz für Radio Ennepe-Ruhr aus. Nach den Regeln stünde eine Fusion an, wenn der Sender alleine keine finanziellen Gewinne erwirtschaften kann. Schon 2023 ist Radio Ennepe-Ruhr zu Radio Wuppertal gezogen und hat denselben Chefredakteur. Der Plan, dass es für Ennepe-Ruhr einen eigenen Chefredakteur gibt, sobald dies wirtschaftlich möglich wäre, scheint nicht aufzugehen. Stattdessen arbeiten die Redakteurinnen und Redakteure inzwischen – entgegen den ursprünglichen Zusicherungen – auch für das jeweils andere Lokalradio.
Und derzeit zeichnet sich ab, dass dieses Funkhausmodell endet und es auch keine Fusion mit Radio Wuppertal geben wird. Stattdessen ist eine Zusammenarbeit mit den Sendern in Bochum oder Herne im Gespräch. Die Medienkommission der LFM wird voraussichtlich im April oder Mai entscheiden. Die Alternative kann auch ein weißer Fleck im Ennepe-Ruhr-Kreis sein.
Früher Ausnahmefall: Aachen
Funkhausmodelle gibt es einige in NRW, teils auf Wunsch der Chefredakteure, teils aus wirtschaftlichem Druck. Die erste Fusion hatte mit der aktuellen Strukturdebatte allerdings nichts zu tun: der Zusammenschluss von 107,8 Antenne AC und Radio Aachen, die wirtschaftlich nie gut dastanden. Nach der Insolvenz von Radio Aachen ging Ende 2020 Antenne AC für die Städteregion Aachen auf Sendung.
Hier gibt es also bereits einen Sender für ehemals zwei Verbreitungsgebiete. Auch der Nachbarkreis Heinsberg bietet offenbar nicht ausreichend wirtschaftliches Potenzial (also werbetreibende Kunden), um ein Radio zu finanzieren: Welle West stellte Mitte 2006 den Sendebetrieb ein. Vorübergehend sendete der Mantelprogrammanbieter Radio NRW als Welle West auf den Frequenzen des Lokalradios. Eine neue Betriebsgesellschaft für Welle West war trotz mehrerer Anläufe nicht zu finden.
Verschiedene Funkhausmodelle
Radio Herford und Radio Westfalica zogen 2023 zusammen ins Funkhaus in Bad Oeynhausen. Eine gemeinsame Frühsendung gibt es schon seit 2015, der kostensparende Umzug in eine „gemeinsame WG“ war daher nur eine Frage der Zeit (siehe JOURNAL 3/23). In den anderen Sendezeiten wechseln sich die beiden Lokalradios ab, das jeweils eine übernimmt die Sendung des anderen. Nachdem Radio Lippe schon länger Sendungen der beiden Radios übernommen hatte, ist es vor einem halben Jahr ebenfalls ins Funkhaus nach Bad Oeynhausen gezogen.
Kostengründe waren auch maßgeblich, als Radio WAF im Sommer 2025 den Standort Warendorf aufgab und zusammen mit Radio Gütersloh in ein neues Funkhaus nach Rheda-Wiedenbrück zog. Nach dem Weggang des langjährigen Chefredakteurs von Radio WAF wurde die Stelle nicht neu ausgeschrieben. Seitdem teilen sich die beiden Lokalradios den Chefredakteur. Wie weiter verfahren wird, ist noch nicht abschließend entschieden.
Ähnlich sieht es bei Antenne Unna aus: Seit der Chefredakteur Ende 2025 in Rente ging, hat der Chefredakteur von Radio 91,2 übernommen. Die geteilte Chefredaktion ist zunächst bis November 2026 vorgesehen, dann läuft die Lizenz von Antenne Unna aus. Danach wollen die Verantwortlichen entscheiden, wie es weitergeht.
Strategische Entscheidungen
Aus strategischen Überlegungen sind die vier Lokalradios Radio KW, Radio Emscher-Lippe, Radio Mülheim und Radio Oberhausen 2024 nach Essen ins Gebäude der Funke-Zentrale gezogen. Dies war eine gemeinsame Entscheidung der drei Chefredakteure (siehe JOURNAL 3/23) – drei, weil Radio Mülheim und Radio Oberhausen nur dem Namen nach zwei Sender sind. Sie sind 2007 aus Antenne Ruhr hervorgegangen und teilen sich Veranstaltergemeinschaft und Chefredakteur.
In gleicher Weise wollte das Verlagshaus Aschendorff in Münster seine vier Sender Antenne Münster, Radio Kiepenkerl, Radio RST und Radio WMW in einem neuen gemeinsamen Medienzentrum unterbringen. Ein wesentlicher Unterschied: Hier sollen die Frühsendungen trotzdem aus Sendestudios im jeweiligen Verbreitungsgebiet kommen.
Nach diesem Muster sollte Radio Kiepenkerl schon Mitte 2025 aus dem Kreis Coesfeld nach Münster umziehen. Die meisten Redaktionsmitglieder von Radio RST und Radio WMW sollten ins Medienzentrum in Münster wechseln. Umgesetzt wurden die Pläne bislang nicht – angeblich, weil die Räumlichkeiten doch nicht geeignet seien.
Aus heutiger Sicht könnten die Gründe woanders liegen: Seit März ist bekannt, dass die Rheinische Post Mediengruppe die Westfälische Medien-Holding (und damit das Verlagshaus Aschendorff) übernehmen will (siehe „Wieder zwei weniger“). Die Verhandlungen dazu dürften schon länger dauern. Entsprechend könnte Aschendorff die Pläne auf Eis gelegt haben. Wenn das Kartellamt zustimmt, wird die Rheinische Post das Sagen in der Westfälischen Medien-Holding haben – inklusive der Lokalradios. Ob dies Auswirkungen auf das geplante Medienzentrum hat, ist noch unklar.
Auch bei den Sendern der DuMont-Mediengruppe sollen Zusammenlegungen geplant sein, bei Funke soll es zudem weitere geben. Details dazu sind in beiden Fällen öffentlich noch nicht bekannt.
Vieles vorweggenommen
Die Übersicht zeigt: Mehrere schon existierende oder geplante Funkhäuser und die gemeinsamen Chefredaktionen scheinen das Fusionsszenario der LFM vorwegzunehmen. Dieses Szenario fordert eine Gebietszusammenlegung, wenn ein Lokalradio nicht die geforderte Gewinnspanne erreicht. Dafür hat die LFM bereits Gebiete festgelegt. Die im Text erwähnten Funkhäuser beziehungsweise Sender mit geteilten Chefredaktionen bilden diese Fusionen ziemlich genau ab.
Die einzigen Unterschiede: Im Münsterland wäre lediglich eine Fusion von Radio Kiepenkerl mit Antenne Münster vorgesehen. Und zu den drei Sendern in der Essener Funke-Zentrale soll noch Radio Essen hinzukommen.
Nach dem Gutachten von 2024 ist die Grundidee der Fusionen, dass die Einsparungen den Redaktionen lokale Sendermarken, lokale Nachrichten und lokale „Programmeinschübe“ ermöglichen. Eine Zusammenlegung der Verbreitungsgebiete nach den LFM-Plänen kann nur verhindert werden, wenn die Senderverantwortlichen mindestens sechs Monate vor Auslaufen der Lizenz „einen wirtschaftlich tragfähigen Alternativvorschlag für eine anderweitige Gebietszusammenlegung vorlegen“, so steht es im Beschluss der Medienkommission vom 14. November 2025. Mit dem Auslaufen der ersten Lizenzen wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wohin sich der Lokalfunk in NRW entwickeln wird.
Das frisch verabschiedete 22. Rundfunkänderungsgesetz hat zudem inzwischen die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Chefredakteurinnen und -redakteure dauerhaft senderübergreifend zuständig sein können (siehe auch „Mediengesetze angepasst“). ||
Ein Beitrag aus JOURNAL 1/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2026.