MEDIENSZENE NRW

Schrumpfkur fast vollendet

DuMont behält nur die Kölner Zeitungen
14. Februar 2020, Corinna Blümel

Vom bundesweit bedeutenden Medienunternehmen zum Systemhaus, das auch noch ein bisschen „was mit Medien“ macht: Rund ein Jahr, nachdem die Verkaufspläne für die Regionalzeitungen durchgesickert waren, hat DuMont die selbst auferlegte Schrumpfkur fast vollendet und sich damit endgültig vom Erbe des Alt-verlegers Alfred Neven DuMont verabschiedet.

Foto: txt
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Standort Köln bleibt

Nachdem Berliner Zeitung und Berliner Kurier im September 2019 an das Berliner Unternehmerehepaar Silke und Holger Friedrich verkauft wurden (siehe JOURNAL 5/19), gab es Mitte Dezember Klarheit für die Beschäftigten in Köln: Sie bleiben Teil von DuMont. Damit ziehen sich die Regionalzeitungsaktivitäten der ehemals ambitionierten Mediengruppe auf das Stammgebiet zurück. Neben Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) und Express gehören zu DuMont Rheinland auch die Kölnische Rundschau (KR) und die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG), darüber hinaus diverse Wochenzeitungen und Lokalsender sowie weitere Tochterfirmen.

Ob die Verkaufspläne für Köln damit dauerhaft vom Tisch sind, bleibt abzuwarten. Der KStA gilt den sinkenden Auflagen zum Trotz als rentabel, könnte aber nur im Paket veräußert werden. KStA und KR sollen im Verlagsgeschäft sowie über die gemeinsame Tochter RRG vertraglich so verbunden sein, dass sie nur gemeinsam den Besitzer wechseln können. Am unsichersten dürfte sich in Köln auch weiterhin die Zukunft für die Kolleginnen und Kollegen beim Express anfühlen. Der Boulevardtitel ist zwar im Netz erfolgreich, kämpft auf Papier aber wie BILD und andere Kaufzeitungen mit stark sinkender Auflage.

Zwischenzeitlich waren Stimmen zu hören, die Kölner Zeitungen könnten bei einem anderen Medienhaus besser untergebracht sein bei ihrer lustlosen Eignergemeinschaft, die ihre Hoffnung vor allem auf die beiden anderen Geschäftsfelder – Business-Information und Marketingtechnologie – setzt. Das Haus hat zwar angekündigt, weiter in alle Geschäftsfelder zu investieren. Aber Beobachter rechnen bei der Zeitungssparte mit einer neuen Sparrunde. Manches wird sich im Stammhaus sowieso erst zurechtruckeln müssen, wenn die Verkäufe abgeschlossen sind. Bestimmte Dienstleistungen, die bisher in Halle angesiedelt waren, müssen nach Köln verlagert werden. Manche Abteilung im Stammhaus mag zu groß sein, wenn es nur noch die Kölner Regionalzeitungen zu verwalten gibt.

Auch bei der Mitteldeutschen Zeitung in Halle kennt man seit Mitte Januar die künftigen Besitzverhältnisse. Wenn das Kartellamt zustimmt, übernimmt die Hamburger Bauer Media Group die Mitteldeutsche Zeitung. Bauer verlegt in Magdeburg die Volksstimme und dürfte sich Synergien in der Region erhoffen. Die Verbreitungsgebiete der beiden Zeitungen überschneiden sich nicht.

Die Redaktionen sollen Medienberichten zufolge unabhängig bleiben. Zudem kündigte Bauer an, die rund 1 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung zu übernehmen, sämtliche vertraglichen Vereinbarungen sollen bestehen bleiben. Neben der Tageszeitung gehören zu dieser bisherige DuMont-Tochter das News-Portal mz.de, zwei Anzeigenblätter, ein regionaler Fernsehsender sowie Aktivitäten in Satz, Logistik, Druck und Ticketing.

Beim Kaufpreis gilt wie üblich Stillschwiegen, Beobachter gehen von rund 50 Millionen Euro oder mehr aus. Die Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung soll jährlich einen geschätzten einstelligen Millionengewinn abwerfen.

Mopo: Fortgang ungewiss

Eine Zitterpartie bleibt es für die rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hamburger Morgenpost. Unter dem Motto „Rettet die Mopo“ trommeln Beschäftigte, Gewerkschaften, Hamburger Prominente sowie alle politischen Lager der Hansestadt seit Wochen für den Erhalt des Traditionsblatts. Von einer Übernahme bis zur Abwicklung steht alles im Raum. Bis zum Erscheinen des JOURNALs könnte endlich bekannt sein, wie es für die Mopo weitergeht. Vielleicht aber auch noch nicht. Denn das Blatt scheint sich immer wieder zu wenden. DuMont räumte gegenüber dem Medienmagazin ZAPP ein, dass „die aktuelle Situation für die Mitarbeiter sehr schwer ist und sie schnellstmöglich Klarheit brauchen. Der Entscheidungsprozess ist jedoch sehr anspruchsvoll. Wir arbeiten intensiv daran, diesen abzuschließen, und werden die Mitarbeiter dann entsprechend informieren.“

In der letzten Januarwoche schien es zeitweise fast sicher, dass die Funke Mediengruppe den Zuschlag bekommt, zu der unter anderem auch das Hamburger Abendblatt gehört. Funke-Sprecher Tobias Korenke verwies denn auch darauf, dass eine Übernahme der Printausgabe für Funke kartellrechtlich nicht möglich sei. „Wir könnten also, wenn überhaupt, nur mopo.de retten.“ Nur einen Tag später hieß es, Funke sei als Interessent wieder abgesprungen.

Bis Ende Januar sollte der Verkauf der Mopo in trockenen Tüchern sein, aber auch diese Frist ist verstrichen, wie viele andere zuvor, die die DuMont-Geschäftsführung genannt hatte. Nun verweisen Beobachter wieder auf die Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow, die sich schon länger für ein Management-Buy-out interessiert. Allerdings soll sie Gerüchten zufolge eine Finanzierungsspritze von DuMont fordern, und dazu soll das Haus bisher nicht bereit sein.

Letzte Lösung könnte für DuMont die Schließung sein. Der Betriebsrat in Hamburg forderte das Kölner Mutterhaus Mitte Januar auf, eine Insolvenz auszuschließen.||

(Stand der Informationen in diesem Beitrag:4. Februar 2020.)

Nachtrag: Am 6. Februar hat DuMont mitgeteilt, dass die Hamburger Morgenpost Medien an den Wirtschaftsingenieur und Digitalmanager Arist von Harpe geht. Der hat angekündigt, die Mopo neu aufzustellen und dem Boulevardblatt eine langfristige Perspektive zu geben. Neben der Hamburger Morgenpost und der Seite mopo.de übernimmt von Harpe auch den Medienvermarkter Hamburg First Medien & Marketing GmbH, die Corporate Publishing Agentur DuMont Media inklusive der Mixed-Reality-Erlebniswelt Discovery Dock im Hamburger Hafen sowie die Beteiligung an Radio Hamburg. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Ein Beitrag aus JOURNAL 1/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Februar 2020.

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