Ratlosigkeit ist kein Konzept

14. Februar 2020, Frank Stach, Landesvorsitzender DJV-NRW

Zur unwillkommenen Pflicht eines Landesvorsitzenden gehört, die schlechten Nachrichten in der Branche kommentieren zu müssen. Jüngstes Beispiel ist die Westdeutsche Zeitung. Die Düsseldorfer Lokalredaktion wird geschlossen, die Inhalte werden extern eingekauft. Und beim Mantelteil geschieht das genauso. Klar ist, dass wir das als führende Mediengewerkschaft und Berufsverband entsprechend einordnen. So was nenne ich dann Kaputtsparen statt Zukunftskonzept. Der künftige Lokalteil wird so zur Mogelpackung, am Ende steht wieder eine Zombiezeitung, der die Leserinnen und Leser abhandenkommen.

Die Landesregierung hat derweil die Ergebnisse zur großen Anfrage der SPD zum Thema „Situation des Zeitungsmarktes in Nordrhein-Westfalen 2019 und seine digitale Entwicklung“ veröffentlicht. Innerhalb von drei Jahren ist die Auflage aller Tageszeitungen um elf Prozent gesunken. Der Abwärtstrend geht also weiter.

Das bevölkerungsreichste Bundesland verliert zudem immer mehr Hauptredaktionen. Ruhr Nachrichten und Rubens Verlag (Hellweger Anzeiger) haben eine gemeinsame Mantelredaktion. Neue Westfälische, Lippische Landes-Zeitung und Mindener Tageblatt führten ihre überregionale und regionale Berichterstattung zusammen. Und die Funke Mediengruppe macht alles für alle Titel in Essen und Berlin. Immer mehr Leser werden so heimatlos.

Zeitungsleser wollen Vielfalt. Allerdings nicht im Sinne dessen, dass alle jeden Aspekt in möglichst vielen Blättern von allen Seiten beleuchtet lesen wollen. Nein, Leser wollen eine Heimat – und dafür die Wahl. Sie brauchen eine Grundtendenz ihres Blatts. Sie brauchen eine Heimat als kirchlich Konservative, eine Heimat als Linke oder Rechte, eine Heimat, die ihre Interessen als Arbeitnehmer aufgreift, sie brauchen eine Heimat als Liberale, die was unternehmen wollen.

Vielfalt in der Gesellschaft braucht viele unterschiedliche Blätter. Seit aber die Ratlosigkeit in den Medienhäusern eingezogen ist, wird hier nur eine Karte gespielt – die Sparkarte. Die ist allerdings ausgereizt und eben diese Ratlosigkeit kann kein Konzept mehr sein, wieder Leserinnen und Leser ans Blatt zu binden.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 1/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Februar 2020.

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Verlagsveröffentlichung - Branchenspecial

Aus- und Weiterbildung für Journalisten

Lebenslanges Lernen ist für Journalisten notwendiger denn je – denn kaum eine andere Branche ist derzeit so im Wandel wie der Journalismus. Der DJV-NRW hat aus diesem Grund bereits 2009 ein Bildungsreferat eingerichtet. Damit möchte der Landesverband den Markt der journalistischen Weiterbildung in Nordrhein-Westfalen transparenter machen: zum einen durch einen Überblick über aktuelle Angebote in NRW und zum anderen durch Impulse für neue Seminarthemen.

Die Arbeit des Referates gliedert sich in zwei Schwerpunkte: An erster Stelle steht die Kooperation des DJV-NRW mit Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen. Diese bieten DJV-Mitgliedern Seminare und Workshops zu vergünstigten Konditionen an (ein Überblick findet sich auf der folgenden Seite). Zweitens konzipiert das Bildungs-­referat auch eigene Seminare zu gewerkschaftlichen und berufsspezifischen Themen. „Der DJV-NRW versteht sich dabei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zu den Bildungsträgern in Nordrhein-Westfalen“, sagt Bettina Blaß, Bildungsbeauftragte beim DJV-NRW. „Wir beobachten die Veränderungen und Tendenzen im Journalismus und bieten darauf zugeschnittene Seminare an, um unsere Mitglieder fit für die Zukunft zu machen“, erklärt sie.

Weitere Informationen:
Bildungsbeauftragte Bettina Blaß freut sich über Fragen und Anmerkungen zum Thema Weiterbildung.
Tel.: 0221 48535326
E-Mail: bettina.blass@djv-nrw.de

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