Das Podium (v.l.) Andreas Kramer, Michael Landwehr, Frank Haberstroh, Stefan Nottmeier, Lennart Thies, Moderatorin Lena Zils. | Foto: Helmut Etzkorn
Das Podium (v.l.) Andreas Kramer, Michael Landwehr, Frank Haberstroh, Stefan Nottmeier, Lennart Thies, Moderatorin Lena Zils. | Foto: Helmut Etzkorn
 
Unter Uns

Am besten alle Kanäle

In Münster diskutierten fünf Chefredakteure über Formate, Verbreitungswege und Stärken
16. Juni 2019, Anna von Garmissen

Wer hört heute eigentlich noch Radio? Unter diesem Titel diskutierten Anfang April auf Einladung des Pressevereins Münster-Münsterland fünf Chefredakteure über die Situation im Lokalfunk. Die Eingangsfrage war schnell beantwortet: Als Moderatorin Lena Zils die rund 100 Zuschauerinnen und Zuschauer im Münsteraner Meetingcenter M44 fragte: „Wer von Euch hat heute schon Radio gehört?“, schnellten fast alle Hände nach oben.

Die Impulsvorträge der Chefredakteure bestätigten Zils‘ Stichprobe. So wurde Radio Kiepenkerl aus Dülmen gerade erneut Marktführer im Sendegebiet Kreis Coesfeld. Ähnlich gut schneiden Radio WAF aus Warendorf, Radio WMW aus Borken und Antenne Münster in ihren Verbreitungsgebieten ab. Lokalradio funktioniert – darin waren sich alle Protagonisten einig. Auch insgesamt gesehen ist der Hörfunk nach wie vor relevant: Mehr als drei Stunden täglich schalten die Deutschen im Schnitt ein.

Während das Hörerinteresse also gesichert scheint, bereiten andere Fragen wie die nach den Verbreitungswegen und der künftigen redaktionellen Organisation Kopfzerbrechen. Lennart Thies von Radio WMW in Borken veranschaulichte den Wandel am Beispiel der Empfangsgeräte: „2009 war noch alles auf lineares UKW ausgerichtet. Heute hört man uns zunehmend über Smart Speaker.“ Die Entwicklung verlaufe rasant: Während das Telefon 70 Jahre gebraucht habe, um 50 Millionen Nutzer weltweit zu erreichen, benötigten Alexa und Co. dafür gerade mal ein Jahr.

„Wir müssen unsere Arbeitsweise umstellen“, forderte Thies. Inhalte müssten so produziert werden, dass sie für alle Geräte kompatibel und für alle Kanäle nutzbar seien. „Dafür brauchen wir Profis in allen Bereichen.“ Auch um mögliche Synergien innerhalb des radio-NRW-Verbunds sollten sich die Sender Gedanken machen, etwa indem sie künftig modular arbeiten. „Wir haben alle keine Riesenredaktionen. In bestimmten Bereichen, zum Beispiel bei Podcasts, könnten wir uns zusammentun.“ Die Vielfalt sehe er dadurch nicht gefährdet.

Zeitgemäße Infrastruktur

Frank Haberstroh, Chefredakteur von Radio WAF, pochte auf eine zeitgemäße Infrastruktur. „Wir brauchen schnelles Internet und wollen auch bei neuen Digitalstandards wie DAB plus mitspielen.“ Darauf sollten die Regulierungsbehörden, aber auch die Eigner achten, forderte er. Wie inzwischen fast alle Sender bemüht sich Radio WAF um Präsenz in den sozialen Medien, produziert Podcasts und achtet darauf, dass die Website responsiv ist. Redakteursstellen, die ausschließlich die digitalen Kanäle bedienen, gibt es in Warendorf jedoch nicht. „Das kann kein Lokalsender stemmen“, sagte Haberstroh. Stefan Nottmeier von Antenne Münster und Andreas Kramer von Radio Kiepenkerl bestätigten diese Einschätzung.

„Facebook, Instagram und WhatsApp kosten viel Zeit“, betonte Kramer. Sowohl in Dülmen als auch in Münster kümmern sich einzelne, online-affine Mitarbeiter darum.

Campuswelle als Vorreiter

Hier scheint man bei der kleinen Campuswelle RadioQ, die ihr Programm in Münster und Steinfurt ausstrahlt, schon weiter zu sein. „Wir haben unsere Onlineredaktion vor einem Jahr abgeschafft und arbeiten jetzt integriert“, erzählte Chefredakteur Michael Landwehr. Der Campuswelle, die auch als Ausbildungsradio fungiert, kommt dabei sicher ihr junges Redaktionsteam aus Digital Natives zugute. Außerdem, erklärte Landwehr, habe RadioQ eine „sehr social-media-affine Zielgruppe, die viel von uns erwartet“.

Stefan Nottmeier, der mit Antenne Münster täglich 120 000 Hörer erreicht, mahnte bei aller notwendigen Präsenz auf Onlineplattformen und in sozialen Netzwerken zur Rückbesinnung auf die Stärken des Nebenbei-Mediums Radio: Emotionalität, Nähe und Service. „Wenn das Campusradio meldet, dass morgen früh die Jura-Vorlesung ausfällt“, griff er ein Beispiel von Landwehr auf, „dann kann Spotify machen, was es will. So was kann nur Lokalradio.“

Für die Zukunft sieht Nottmeier vor allem drei Herausforderungen: „Zum einen müssen wir weiter so nah dran sein wie möglich, zum anderen darauf achten, dass wir auf allen Kanälen erreichbar sind. Und: Es muss leicht sein, uns zu hören – egal, auf welchem Gerät.“||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 3/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Juni 2019.

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