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Gerade jetzt das falsche Signal

Gekürzter Zuschuss: Die Deutsche Welle muss 160 Stellen abbauen
24. April 2026, Corinna Blümel
Ein Mann mit Brille und in einer orangen Jacke spricht bei einer Versammlung im Freien engagiert in ein Mikro.
Die Aufgabe erfolgreicher Angebote kritisiert Eugen Theise, Vorsitzender im Örtlichen Personalrat am Standort Bonn. | Foto: AKO

Gerade in Zeiten der Multikrisen, in denen besonnene journalistische Stimmen in aller Welt an Bedeutung gewinnen, droht bei der Deutschen Welle (DW) ein massiver Stellenabbau: 160 Vollzeitstellen-Äquivalente sollen wegfallen. Das gab die Geschäftsleitung am 18. Februar bekannt. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben, hieß es.

Notwendig sind diese Einsparungen, weil der Bund im November 2025 den Zuschuss für 2026 gekürzt hat. Ein klarer Widerspruch zum Koalitionsvertrag vom Mai 2025, in dem sich die Bundesregierung zur Stärkung der DW bekannt hatte (siehe auch JOURNAL 4/25).

Rundfunkrat, Verwaltungsrat und Geschäftsleitung haben in einer gemeinsamen Sondersitzung über ein umfassendes Sparpaket beraten.

Mehrere Sprachen betroffen

Betroffen sind mehrere Fremdsprachen und Weltregionen. Unter anderem soll das griechische Programm komplett eingestellt werden, dabei wurde das Angebot erst jüngst umfassend modernisiert. Im portugiesischen Programm für Afrika sind Budgetkürzungen um 25 Prozent vorgesehen, sodass mehrere Formate eingestellt werden müssen. Ersatzlos gestrichen wird auch eine Radionovela, die in sechs Programmsprachen für jugendliche Hörerinnen und Hörer in Afrika südlich der Sahara ausgestrahlt wurde. Schwere Einschnitte gibt es ebenfalls bei Spanisch für Lateinamerika und Dari/Pashtu für Afghanistan.

Nachdem beim deutschsprachigen Programm in der Vergangenheit schon alle linearen Ausspielwege gestrichen wurden, wird nun der verbliebene On-Demand-Etat um die Hälfte gekürzt und mit den Sprachlern-Angeboten der DW fusioniert. In der Folge entfällt das letzte tagesaktuelle journalistische Angebot in deutscher Sprache.

Eugen Theise, Personalratsvorsitzender des Örtlichen Personalrats in Bonn und Vorsitzender der DJV-Betriebsgruppe bei der DW, kritisierte die Entscheidungen. „Erfolgreiche Programmangebote werden aufgegeben, obwohl der deutsche Auslandsrundfunk international relevant und reichweitenstark ist wie nie zuvor. Die Politik muss schnellstmöglich umdenken!“

Klar Position bezogen

Der DJV hatte an die Aufsichtsgremien appelliert, die komplette Schließung von Sprachangeboten zu verhindern – vergeblich. Allerdings hatten sich die Vorsitzenden von Rundfunk- und Verwaltungsrat ebenso wie Intendantin Barbara Massing deutlich positioniert. Der Rundfunkratsvorsitzende Karl Jüsten verwies auf drohende Reichweitenverluste. „Das ist besonders bitter, da Russland und China ihre staatlichen Propagandasender massiv ausbauen und der Rückzug der Amerikaner aus dem Auslandsrundfunk weitere Lücken reißt“, sagte er.

Auch der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Achim Dercks, warnte vor langfristigen Schäden bei der journalistischen Qualität, der technischen Infrastruktur und der Reichweite, falls die Mittel für 2027 nicht wieder aufgestockt würden. Intendantin Barbara Massing sprach von einer Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit in einer Zeit, in der eine starke deutsche und europäische Präsenz geopolitisch immer wichtiger werde.

Mit politischen Gesprächen und aufmerksamkeitsstarken Protestaktionen wird sich der DJV dafür einsetzen, dass die DW ab 2027 finanziell wieder gestärkt wird. Nur so können Jobs und journalistische Qualität gesichert werden. Besonders wichtig ist das der DJV-Betriebsgruppe vor dem Hintergrund der anstehenden Tarifverhandlungen: Die Belegschaft dürfe nicht vor der Wahl stehen, dass sie entweder weitere Reallohnverluste oder zusätzliche Entlassungen hinnehmen müsse.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 1/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im April 2026.