MEDIENSZENE NRW |

Reformen mit Gegenwind

Cosmo und DLF: Das Publikum will das Bewährte
22. Juli 2026, Corinna Blümel*

Die Öffentlich-Rechtlichen stehen unter großem Reformdruck: Der Medienänderungsstaatsvertrag, der zum 1. Dezember 2025 in Kraft getreten ist (siehe JOURNAL 4/25), fordert deutliche Anstrengungen von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Dazu gehören unter anderem die Reduzierung der ARD-Radiowellen und der Info-Spartenkanäle im Fernsehen, mehr Kooperationen sowie ein verstärkter Dialog mit dem Publikum. Um die Akzeptanz wahren und den Beitrag möglichst stabil zu halten, soll das System im Ganzen moderner, schlanker und digitaler werden.

Weil die Politik zugleich die Zustimmung zur von der KEF empfohlenen Beitragsanpassung verweigert, müssen die Anstalten sparen. Das erhöht den Druck und überlagert in der öffentlichen Wahrnehmung teils die Gründe für die Reformen.

Herausfordernd für alle

Klar ist: Bei den Anstalten stehen in den kommenden Monaten und Jahren nicht nur organisatorische, sondern auch viele programmliche Veränderungen an. Das wird den Mitarbeitenden viel abverlangen, aber auch dem Publikum, wie die ersten aktuellen Fälle – Cosmo beim WDR und die große Prgrammrefrom beim Deutschlandfunk (DLF) – zeigen. Beide Vorhaben werden von vielen als Gefahr für inhaltliche Tiefe, für kulturelle beziehungsweise thematische Vielfalt sowie für Kernaufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gesehen.

Was der DLF plant

In beiden Fällen handelt es sich nicht um Schnellschüsse, sondern um Projekte, die bereits über einen längeren Zeitrahmen verfolgt werden. Der DLF arbeitet seit zwei Jahren an seiner umfassenden Programmreform, die zum 30. November 2026 greifen soll: Dabei verschwinden klassische Sendungen wie „Tag für Tag“, „Forschung aktuell“, „Büchermarkt“, „Wirtschaft am Mittag“ oder „Campus und Karriere“ in ihrer bisherigen Form. Die fachspezifischen Inhalte sollen in längeren Magazinen unterkommen.

Der DLF nennt als Ziel die bessere Verzahnung von Radio und Digital, mehr Tiefe durch zusätzliche Hintergrundformate und mehr Raum für den Publikumsdialog. Eine Petition mit – Stand 8. Juli – knapp 5 300 Unterschriften fordert dagegen den Verzicht auf die geplanten Veränderungen, weil sie eine erfolgreiche, über lange Zeit gewachsene Sendestruktur zerstöre.

WDR: Streitpunkt Cosmo

Zwar ist das Vorhaben beim WDR längst nicht so umfassend wie die das beim DLF. Aber der Widerstand ist hier weit größer, emotionaler und lauter. Hintergrund sind tiefgreifende Veränderungen bei Cosmo, die im Rahmen einer Neuaufstellung der jungen Radiowellen geplant sind. Kritik gibt es am Wegfall fremdsprachiger Angebote und der anderen Musikfarbe. Viele befürchten zudem, dass die Welle die multikulturelle Ausrichtung und ihre besondere Perspektive verliert. Eine Petition mit knapp 110 000 Unterschriften (ebenfalls 8. Juli), ein offener Brief von mehr als 500 Organisationen aus Kultur, Wissenschaft und Medien und ein Gutachten im Auftrag der Neuen Deutschen Medienmacher:innen wollen den WDR überzeugen, dass er auf dem falschen Weg ist. Vom ursprünglich geplanten Namen 1LiveStreet hat sich der Sender wegen des Vorwurfs klischeebeladener Konnotationen wieder verabschiedet.

Wie sieht es der DJV-NRW?

Der DJV-NRW stellt vor allem die Interessen der betroffenen Kolleginnen und Kollegen in den Mittelpunkt, die er in dieser Situation begleitet. In einer Stellungnahme („Aus für Cosmo“) wägt der DJV-Betriebsgruppenvorstand im WDR die Notwendigkeit von Weiterentwickung gegen die Besonderheiten des „interkulturellen Leuchtturms“ Cosmo ab. Einen Einblick in die Situation Gefühlslage der betroffenen Kolleginnen und Kollegen gibt ein Meinungsbeitrag des Cosmo-Kollegen und DJV-Personalrats Miltiades Oulios (Meinung: Clash of Cosmo). Zu finden ist beides mit Datum vom 24. Juni unter djv-nrw.de/wdr-news.||

* Corinna Blümel ist stellvertretende Vorsitzende des WDR-Rundfunkrats.

Ein Beitrag aus JOURNAL 2/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Juli 2026.