Die Mediennutzung ändert sich rasanter als gedacht. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass in Kürze mehr Menschen non-lineare Video-Inhalte (Streaming, Mediathek, Social Media) schauen als klassisches lineares Fernsehen. Angesichts dieses sogenannten Kipppunkts steht der WDR vor einem tiefgreifenden Umbau.
Ein neuer Zeitabschnitt
Am 25. September informierte WDR-Intendantin Dr. Katrin Vernau Mitarbeitende, Gremien und Presse, was bis 2030 geplant ist: eine noch stärkere Konzentration auf non-lineare Inhalte verbunden mit einer Reduzierung des originären Programms in Fernsehen und Hörfunk und eine kleinere Belegschaft. Vernau hatte schon länger das Motto „Mehr Kraft in weniger Angebote“ ausgegeben.
Konkret entfallen im ersten Schritt 76 Angebote – von Newslettern und Apps über einzelne Sendungen in Hörfunk und Fernsehen, darunter Frau TV, Menschen hautnah und WDR Story, bis zur lange angekündigten Einstellung des Nischensenders One sowie von Cosmo und WDR Event.
Unter dem Strich kann man sagen: Für den WDR beginnt ein neuer Zeitabschnitt. Aber zumindest gibt die Hausspitze dafür ein klares Ziel vor. „Es ist ein Weg, der der derzeit schon hoch belasteten Belegschaft – fest wie frei – in den nächsten Jahren eine Menge abverlangen wird“, kommentierte Stefan Lenz, stellvertretender Vorsitzender des DJV-NRW. Zumindest sei „gut und richtig, dass zu Beginn eines solchen Prozesses eine klare Aussage bezüglich Zielsetzung, Zeithorizont und Art der anstehenden Veränderungen erfolgt.“ In der Vergangenheit hat der WDR oft nicht so strukturiert kommuniziert.
Der Prozess ist mit einem deutlichen Personalabbau verbunden: Für jede dritte Stelle, die in den kommenden drei Jahren im WDR durch Rente oder Pensionierung frei wird, gilt eine Wiederbesetzungssperre. Angesichts der Altersstruktur im WDR geht es um 133 Stellen.
Widersprüchliche Ziele
In den Regionalstudios sollen einhundert Stellen in der Produktion wegfallen, teils ganz gestrichen, teils verlagert. Fraglich ist allerdings, wie das mit der Infostrategie zur Stärkung regionaler Inhalte zusammenpasst. Schon jetzt wird im Regionalen immer mehr inhaltliche Verantwortung auf die Freien übertragen. Zu befürchten ist, dass der angekündigte Abbau in der Produktion der Lokalstudios das verschärfen wird. Lenz: „Wir werden Seite an Seite mit dem Personalrat darauf achten, dass das nicht auf dem Rücken der verbleibenden Belegschaft und auf Kosten der journalistischen Qualität ausgetragen wird.“
Zugleich unterstützt der DJV den Personalrat in seiner Kritik, dass er viel zu kurzfristig informiert wurde. Die klare Forderung: In die anstehenden Maßnahmen muss der Personalrat frühzeitig eingebunden werden!
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djv-nrw.de/wdr-news
Ein besonderes Augenmerk gilt den mehr als 2.300 arbeitnehmerähnlichen Freien im WDR. Denn die Intendantin hat angekündigt, dass es künftig weniger Aufträge geben wird. Für die Kolleginnen und Kollegen, die teilweise seit Jahrzehnten mit großer Loyalität zum Haus das Programm gestalten, fordert der DJV konkrete Antworten.
Angesichts der Nutzungsverschiebung sei nachvollziehbar, dass ein Veränderungsprozess notwendig sei, sagt Lenz, stellt aber auch klar: „Wenn der gelingen soll, muss ihn insbesondere die operative Führungsebene transparent und mitnehmend für feste und freie Mitarbeitende gestalten.“||
Ein Beitrag aus JOURNAL 3/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2026.