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Die Starken sollen den Schwachen helfen

Der U-Verein kann in Notlagen einspringen
22. Juli 2026, Raphael Balke

Der Unterstützungsverein im DJV steht Kolleginnen und Kollegen in finanziellen Krisen zur Seite. Die Starken sollen den Schwachen helfen: Diese Idee prägt den Verein, und das ist auch die Überzeugung des Vorsitzenden Frank Stach. Damit das so bleibt, ist der Verein selbst auf Unterstützung angewiesen.

Ein Mann mit sehr kurzen Haaren und Brille, der freundlich lächelt. Er trägt einen dunklen Pulli.
Frank Stach, ehemaliger Landesvorsitzender des DJV-NRW, hat Ende 2024 den Vorsitz im U-Verein übernommen. | Foto: Uwe Völkner / FOX Fotoagentur

Zehn bis fünfzehn Kolleginnen und Kollegen hilft der U-Verein, wie er meist genannt wird, jährlich. Seit 1960 springt er ein, wenn staatliche Hilfen nicht ausreichen. Ein Gremium aus zwei bis drei Mitgliedern entscheidet über die Anträge. „Wir helfen dabei, Notsituationen zu überbrücken“, erklärt Stach. Er nennt Beispiele: wenn freie Journalistinnen oder Journalisten plötzlich langjährige Auftraggeber verlieren, wenn Zahlungen ausbleiben oder bei langfristigen Erkrankungen.
Also immer dann, wenn Kolleginnen und Kollegen unverschuldet in Krisensituationen geraten.

Manche können keine Rücklagen bilden

Schon die Beispiele zeigen, dass Freie besonders gefährdet sind. „Man sollte immer vorsorgen“, erklärt Stach, „aber wenn das Schicksal einen mit einer Notsituation trifft, ist der U-Verein da.“ Zudem sei bei manchen Kolleginnen und Kollegen der Verdienst schlicht nicht hoch genug, um Rücklagen bilden zu können. Je nach Einzelfall vergibt der U-Verein dann beispielsweise zinslose Darlehen oder Einmalhilfen. Andere erhalten eine kleine regelmäßige Unterstützung, etwa, weil die Rente nicht ausreicht.

Der U-Verein
Der Unterstützungsverein (kurz U-Verein) ist mit dem DJV-NRW eng verbunden, aber eigenständig. Er steht Journalistinnen und Journalisten in finanzieller Not zur Seite. Die Grundlage dafür bilden unter anderem die Mitgliedsbeiträge und Spenden. Für einen Jahresbeitrag von 15 Euro – gerne auch mehr und steuerlich absetzbar– kann man Mitglied werden. Infos unter djv-nrw.de/u-verein./

Obwohl der U-Verein anderen seit mehr als 60 Jahren solidarisch hilft, ist er auch selbst auf Unterstützung angewiesen. „Wir merken, dass die Bedürftigkeit so groß ist, dass es auf lange Sicht unser Kapital aufzehrt“, sagt Stach. Ohne zusätzliche Spenden sei die Arbeit langfristig nicht möglich. „Mir bereitet das große Sorgen. Wir brauchen eine Lösung, wie wir dauerhaft mehr Spenden generieren“, erklärt der Vorsitzende.

Suche nach neuen Einnahmequellen

Dafür versucht der U-Verein, zwei neue Einnahmequellen zu erschließen. Dazu gehören zum einen Bußgelder, die von Gerichten angeordnet werden. Weil der U-Verein gemeinnützig ist, können Richterinnen oder Richter ihn als Empfänger von Bußgeldzahlungen auswählen. Im April musste beispielsweise ein Student aus Düsseldorf ein Bußgeld von 500 Euro an den U-Verein zahlen.

Zum anderen versucht der Verein, Menschen zu erreichen, die den Verein in ihr Testament aufnehmen. „Das sind Menschen mit einem starken Solidaritätsgedanken, die etwas weitergeben möchten“, sagt Stach.

Besonders könnte allerdings noch eine weitere Gruppe helfen, wenn sich das Potenzial ausschöpfen ließe: die DJV-Mitglieder. „Man muss einfach mal vergleichen, wie viele Menschen im DJV Mitglied sind und wie viele davon im U-Verein“, sagt Stach. Während der DJV-NRW rund 5 000 Mitglieder zählt, hat der U-Verein des Landesverbands nur rund 200.

Die Mitgliedschaft im U-Verein kostet jährlich 15 Euro. Möglich ist es natürlich auch, einen höheren Jahresbeitrag zu entrichten oder eine Einzelspende zu leisten. Ob 15 Euro oder ein höherer Betrag: Die gesamte Summe ist steuerlich als Sonderausgabe absetzbar.

Wer sich beim U-Verein engagieren möchte, kann das beispielsweise bei der jährlichen Jahreshauptversammlung tun. „Neue Mitglieder sind herzlich willkommen“, sagt Stach und ergänzt: „Wir haben das gleiche Problem wie viele Vereine: Die Zahl der Leute, die sich engagieren möchten, ist eher rückläufig.“ Erfreulicherweise ist es aber in den vergangenen Jahren gelungen, den Vorstand zu verjüngen (siehe oben).

Mehr Nutzwert geplant

Aktuell arbeitet der Verein daran, die Website auszubauen. So ist angedacht, dort Informationen in Richtung Finanzbildung anzubieten – beispielsweise einen Rentenrechner. „Dann könnte die Website mehr Service-Charakter erhalten, ganz nach dem Motto ‚Wie baue ich meine Rente auf?‘“, erklärt Stach. Das könne die Marke „U-Verein“ stärken.

Für die Zukunft hat Stach außerdem einen paradoxen Wunsch: „Am besten wäre, dass es den U-Verein gar nicht braucht.“ Dann hätten alle Menschen ein entsprechendes Einkommen und seien geschützt. „Wenn keiner mehr auf die Leistung angewiesen ist, dann ist die Gesellschaft besser geworden“, sagt Stach.||

Ein Beitrag aus JOURNAL 2/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Juli 2026.