Die Rheinische Redaktionsgemeinschaft (RRG) begann mit einem Schock. Und dann wurde aus früheren Konkurrenten eine echte Gemeinschaft. Zwischen die meisten von uns passte kein Blatt Papier. Bis zuletzt.

Viele der 63 Kolleginnen und Kollegen, die jetzt ihren Job verlieren, sind wie ich lange vor der RRG für Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) oder Kölnische Rundschau (KR) unterwegs gewesen, teils seit Jahrzehnten. Wenn ich durch Köln gehe, sehe ich die Eistütenskulptur auf dem Einkaufszentrum am Neumarkt und denke an die Pressekonferenz, bei der sie vorgestellt wurde; dort war ich in meinen ersten Jahren als freie Mitarbeiterin. Wenn ich durch Siegburg gehe, sehe ich, wo ich die letzten Jahre meines Berufslebens hätte verbringen sollen. Vorbei. Dabei haben wir nichts falsch gemacht. Wir hätten uns in jede neue Technik hineingefuchst, das gehörte seit Jahren zum Alltag. Wir hätten unsere Leserinnen und Leser begleitet in einer anstrengenden Zeit. Wir wären da gewesen.
Als wir Anfang Februar 2014 erfuhren, dass die Außenredaktionen von Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnischer Rundschau in eine tariflose Tochtergesellschaft übergehen sollten, arbeitete ich seit einem Jahr am neu geschaffenen Regiodesk des KStA. Dort produzierten wir in der Zentrale die Lokalausgaben außerhalb von Köln. Auch wir mussten wechseln. Und: Von einem Tag auf den anderen hatten wir nicht nur eine Zeitung zu bauen, sondern zwei. Doppelte Arbeit bei gleichbleibender Besetzung, und das bei einem ersten Andruck um 17 Uhr. Das schweißte uns als Team zusammen. Aber es war die quälendste Zeit meines Arbeitslebens.
Das war die RRG
Im Juli 2026 verkündete die Geschäftsführung, dass die RRG ihre Arbeit zum 30. September beendet. Die lokalen Inhalte beider Titel werden stattdessen von Digitalteams einer anderen Gesellschaft der KStA Medien erstellt.
Mehr zur RRG und ihrer rigorosen Abwicklung: „Ein unwürdiges Ende“.
Der Wendepunkt kam mit unserem Kampf für einen Haustarif. Zuvor hatte ich noch nie gestreikt, weder als freie Mitarbeiterin noch als stellvertretende oder kommissarische Leiterin, zuerst aus Angst, nicht mehr beschäftigt zu werden, dann aus Pflichtbewusstsein. Nach einem ersten Treffen im Brauhaus „Em kölsche Boor“ 2016 wusste ich: Das hier ist zu wichtig, um nicht mitzustreiken. Schließlich hatten wir unseren Haustarifvertrag, zum 1. Januar 2019. Ein besseres Teambuilding, scherzten wir später, hätten unsere Arbeitgeber sich gar nicht einfallen lassen können.
Am Regiodesk überstanden wir die Trennung durch das Homeoffice, durch Corona, wir überstanden das in die Cloud verlagerte und eindeutig verschlechterte Redaktionssystem, die ständigen Umzüge innerhalb des Hauses – bis zur Auflösung der Abteilung.
Dass das auch das Ende meiner Leitungsfunktion bedeutete, war für mich außer ein paar Schrammen fürs Ego kein Problem. Meine Kolleginnen und Kollegen in Siegburg, dorthin wurde ich versetzt, kenne ich schon lange. Und ich war öfter in der Redaktion als im Homeoffice, zum ersten Mal seit sechs Jahren.
Es wäre eine gute Zeit geworden: noch einmal Lokalredaktion, vielleicht wieder mehr schreiben, anstatt nur zu layouten. Noch einmal eine Ausgabe aktiv mitgestalten. Stattdessen endet die RRG wie sie angefangen hat: mit einem Schock. Ich muss mein bisheriges Berufsleben in eine Kiste packen. Und ich muss einen Ort finden, wo ich sie abstellen kann, um wieder nach vorn zu sehen.||
Ein Beitrag aus JOURNAL 3/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, veröffentlicht im Oktober 2026.