MEDIENSZENE NRW

Der „Experimentierraum“ geht in die Umsetzung

17. Dezember 2019, red.

Wie soll der Lokaljournalismus der Zukunft aussehen, der alle Zielgruppen erreicht und die Demokratie stützt? Wie lassen sich Unabhängigkeit, Vielfalt und Qualität lokaler Medien sichern – für eine offene Streitkultur über die drängenden Themen vor Ort und in der Region? Das sind Fragen, mit denen sich die Ruhr-Konferenz in einem ihrer Themenfelder unter dem Oberbegriff „Gelebte Vielfalt – starker Zusammenhalt“ befasst. Nach Veranstaltungen im Frühjahr und Sommer (siehe JOURNAL 2/19) sowie der Möglichkeit, Vorschläge über eine Online-Plattform einzureichen, hatte die Landesregierung im September eine Auswahl von 75 Vorschlägen aus allen Themenfeldern vorgestellt.

Im Bereich Medien sollen nun ab Januar 2020 fünf der vorgeschlagenen Projekte umgesetzt werden. Das hat das Kabinett Anfang November beschlossen. Darunter ist auf Anregung des DJV-NRW das MediaLab, ein „Experimentierraum für den Journalismus der Zukunft“ (siehe auch JOURNAL 5/19).

Das MediaLab sollen Journalistinnen und Journalisten mit Bürgerinnen und Bürgern zusammenführen, die sich enttäuscht abgewendet haben oder sich nie für klassischen Lokaljournalismus interessiert haben. Gemeinsam mit Medienunternehmen, Anbietern journalistischer Aus- und Weiterbildung, kommunalen Stellen, Hochschulen, Volkshochschulen und Bibliotheken sollen sie innovative journalistische Ansätze erproben und ausloten, wie Lokaljournalismus (wieder) Relevanz für breitere Zielgruppen gewinnen kann.

Um die konkrete Umsetzung wird sich eine Planungsgruppe kümmern, die erstmals am 9. Dezember (nach Drucklegung des JOURNALs) zusammentritt. Als Ideengeber wird der DJV-NRW die Federführung haben, Kooperationspartner sind das JournalismusLab der Landesanstalt für Medien und der Lehrstuhl für Journalistik an der TU Dortmund. Im ersten Schritt soll das JournalismusLab eine Stelle für den Experimentierraum einrichten, wenn entsprechende Mittel zur Verfügung stehen. Die wissenschaftliche Begleitung soll Prof. Dr. Wiebke Möhring übernehmen.

In der ersten Phase gilt es, ein praxisorientiertes Konzept zu entwickeln und auf den Weg zu bringen. Dazu gehört, den Kostenrahmen zu schätzen, Finanzierungsquellen zu finden und potenzielle Akteure anzusprechen sowie Instrumente der Bürgerbeteiligung zu skizzieren. Nicht zuletzt sollen Kommunen in einen Wettbewerb um die Einrichtung des Experimentierraums treten.

Wenn das Projektmanagement steht, folgen im nächsten Schritt Maßnahmen wie Einrichtung von Makerspaces und Anstoßen von Projekten und Kooperationen. Im letzten Abschnitt sollen die Projekte koordiniert und vernetzt werden. Zudem wird die TU Dortmund die Ergebnisse evaluieren und publizieren. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und soll danach in den Regelbetrieb übergehen.

Vier weitere Projekte setzt die Ruhr-Konferenz im Medienbereich um: RuhrReporter soll junge Menschen für den journalistischen Beruf begeistern und sie auf dem Weg in eine reguläre journalistische Ausbildung unterstützen. Die Jugendredaktion Ruhr will vor Ort auf Jugendliche zugehen und sie Schritt für Schritt an journalistische Tätigkeiten heranführen.

Die Neuen Deutschen Medienmacher (NDM) haben ein Programm mit Mentorinnen und Mentoren für mehr Diversität im Lokaljournalismus eingebracht.
Das Recherchenetzwerk Correctiv möchte gemeinsam mit deutschen und internationalen Partnern eine Software entwickeln lassen, um Community-Management besser zu organisieren und zu professionalisieren.

Damit die Projekte im kommenden Jahr starten oder zumindest Vorprojekte beginnen können, bringt die Landesregierung die dafür nötigen Mittel über eine Ergänzungsvorlage in die Haushaltsberatungen ein. Darüber hinaus wird eine Förderung durch Mittel der Europäischen Union und des Bundes sowie durch Stiftungen und andere Geldgeber angestrebt, um die Projekte zu finanzieren. ||

Eine Meldung aus JOURNAL 6/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Dezember 2019.