Medienpolitik | 

DAB+ bringt 16 neue Radioprogramme nach Nordrhein-Westfalen

Mehr Angebotsvielfalt im privaten Hörfunk
18. Juni 2021, Sascha Fobbe

Ab Herbst 2021 sollen über DAB+ 16 neue Radioprogramme in NRW zu hören sein. Die Medienkommission der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) hat in ihrer Sitzung am 7. Mai der audio.digital NRW GmbH die gesamten Übertragungskapazitäten auf der landesweit einheitlichen DAB+-Bedeckung zugewiesen. Der Plattformbetreiber hatte sich im Vorfeld mit den anderen Bewerbern geeinigt. LfM-Direktor Tobias Schmid zufolge ist es das erste Mal, dass sich konkurrierende DAB+-Plattformanbieter in einem Verständigungsverfahren geeinigt haben. Das verkürze das Vergabeverfahren um etwa sechs Monate.

Alle werden eingebunden

Beworben hatten sich drei Anbieter jeweils für die Gesamtkapazität sowie zwölf Hörfunkanbieter mit 13 Programmen für einzelne Kapazitäten (siehe auch JOURNAL 2/21). Die Plattformanbieter Divicon Media Holding GmbH und Uplink Network GmbH werden von der audio.digital NRW GmbH in die technische Abwicklung des Sendernetzbetriebs eingebunden. Die 13 Einzelprogramme aus dem Bewerbungsverfahren bekommen ihren Platz, die restlichen drei Programmplätze gehen an Sender aus dem Portfolio von Divicon und Uplink.

Zehn Programme erhielten von der Medienkommission vorab eine landesweite Zulassung, damit sie auch senden dürfen. Dazu gehört ein Angebot von radio NRW, das unter der Bezeichnung „Arbeitstitel streng vertraulich“ auf der Abstimmungsliste stand. Erst die Pressemitteilung der LfM am 10. Mai lüftete das Geheimnis: „Mydio“ heißt das Programm. Mit welcher Musikfarbe und welchen Inhalten Mydio an den Start gehen wird, wollte radio NRW auf JOURNAL-Anfrage nicht mitteilen.

Auch Antenne Bayern wird mit einem Programm vertreten sein, dessen Name noch nicht bekannt ist. Ob es sich dabei um Antenne NRW handelt, angeblich eine Kooperation von radio NRW und Antenne Bayern und bislang nur als Webradio zu hören, wollten weder Antenne Bayern noch radio NRW bestätigen.

Mit ENERGY Nordrhein-Westfalen wird erstmals ein Jugendformat landesweit empfangbar sein, Radio TEDDY NRW ist ein Kinder- und Familienprogramm, hinter Radio 21 – NRWs bester ROCK’N POP steckt ein Rockradio. Darüber hinaus wird es unter anderem ein Sportradio, ein Schlager- sowie ein Charthit-Format geben. Das Domradio aus Köln und Radio Paradiso bieten christliche Programme an. Noch nicht näher benannte Angebote von KISS FM und der Teutocast (dazu gehören Sportradio Deutschland und das neue Frauenprogramm herFunk) sind dann ebenfalls dabei.

Inzwischen breite Abdeckung

Zum Start der DAB+-Plattform werden nach Angaben der audio.digital NRW GmbH etwa 87 Prozent der Haushalte die neuen Programme empfangen können. Zudem sollen rund 97 Prozent der Autobahnen in NRW für den mobilen Empfang ausgebaut sein. Innerhalb von zwei Jahren ab Sendebeginn soll das Netz weiter ausgebaut werden. In NRW besitzt gut ein Fünftel aller Haushalte ein DAB+-Gerät, in diesen Haushalten ist DAB+ der meistgenutzte Empfangsweg. 2020 wurden deutschlandweit 1,8 Millionen DAB+-Radios verkauft, im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 15,2 Prozent./sax

Unterschiedliche Eingriffsrechte

DAB+ erhöht in NRW die Anbietervielfalt deutlich, sagte Schmid in der Sitzung der Medienkommission. Damit reagierte er auf bedauernde Anmerkungen einiger Kommissionsmitglieder, die sich mehr Einfluss auf die Inhalte der Sender und eine Einzelentscheidung für jedes Programm gewünscht hätten. Da sich nur 13 Programme für 16 Plätze beworben hatten, hätten ohnehin alle eine Zuweisung erhalten müssen, erklärte der Kommissionsvorsitzende Prof. Dr. Werner Schwaderlapp. „Es ist unsere Aufgabe festzustellen, ob das Ergebnis vielfaltsstiftend ist, und nicht, ob die Rundfunkqualität in NRW dadurch verbessert wird.“

Auch wenn ein Sender ausscheidet, hat die LfM keinen direkten Einfluss auf eine neue Belegung, sie ist allerdings über einen Beirat in die Entscheidung eingebunden, erläuterte Schmid. Im Lokalfunk habe die Medienkommission sehr viel stärkere Eingriffsrechte, weil UKW-Frequenzen ein „knappes Gut“ seien und so die Vielfaltssicherung gewährleistet werden soll, führte Schmid aus.

Konkurrenz für den NRW-Lokalfunk

Der LfM-Direktur verwies darauf, dass Programme wie Radio ENERGY, die schon bundesweit auf DAB+ zu hören sind, ein NRW-spezifisches Programm planen. Das spreche für die Attraktivität des Marktes und sorge auch für journalistische Arbeitsplätze in NRW. Die neuen Anbieter verschärften die Konkurrenzsituation für die Lokalradios. „Wir hängen am Lokalfunk, wir haben aber auch das Ziel, Vielfalt zu ermöglichen“, betonte Schmid.

Die Zusage, NRW-spezifische journalistische Inhalte zu liefern, könnte darauf hindeuten, dass ENERGY und die anderen DAB+-Programme sich auch für die zweite landesweite UKW-Kette bewerben, für die die Ausschreibungsfrist am 15. Juni endet. Das Landesmediengesetz legt fest, dass unter anderem das Angebot journalistischer Inhalte und ein Engagement bei DAB+ Voraussetzungen sind, um Zuschlag für diese Lizenzen zu erhalten.

Der Sender METROPOL FM, dem 2015 in einem ersten Vergabeverfahren die zweite UKW-Kette zugeschlagen worden war (die Vergabe war 2019 aufgehoben worden, siehe JOURNAL 2/21und JOURNAL 1/19), hatte sich übrigens nicht für DAB+ in NRW beworben.||

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 3/21, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Juni 2021.

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