MEDIENPOLITIK |

Regulierung, aber für andere

20. Juli 2026, Corinna Blümel

Wenn sich viele Menschen in einer Videokonferenz versammeln und dabei ausreichend Zeit zur Abwicklung zweier Wahlverfahren gewährt sein muss, braucht es etwas, um die Anwesenden bei der Stange zu halten. Der DJV-NRW nutzte diese Gelegenheit für einen Austausch: Unter der Moderation von Sascha Fobbe sprachen DJV-NRW-Geschäftsführer Volkmar Kah und Bülend Ürük (Leiter Corporate & Public Affairs und Mitglied des Executive Boards der Funke Medien Gruppe), über Herausforderungen und Veränderungen in der Medienlandschaft.

Einigkeit – aber nicht überall

Ein medienpolitisches Gespräch mit Einigkeit an vielen Stellen, aber auch einigen deutlichen Unterschieden, vor allem bei Fragen nach der Regulierungskraft des freien Markts gegenüber der Notwendigkeit, Lokaljournalismus durch geeignete Fördermöglichkeiten abzusichern.

Bildschrimfoto einer Videokonferenz. Vorne sind groß drei Kacheln zu sehen: oben links eine Frauoben rechts und Mitte unten jeweils ein Mann. Darüber einige kleine Kacheln mit weiteren Personen.
Medienpolitisches Gespräch mit Bülend Ürük (oben r.) und Volkmar Kah. Sascha Fobbe moderierte. | Foto: Carmen Molitor

Anlass für das Gespräch war die virtuelle Wahlversammlung des DJV-NRW am 10. Juni. Der Landesvorstand hatte eingeladen, um die Mitglieder der Fachausschüsse sowie die Delegierten für den Bundesverbandstag am 8. bis 10. November in Wiesbaden wählen zu lasssen. Seit 2025 findet der Gewerkschaftstag in Präsenz nur in ungeraden Jahren statt, wenn der Landesvorstand gewählt wird. Fachausschüsse und Delegierte werden in geraden Jahren digital gewählt.

Rund 90 Mitglieder nahmen an der Videokonferenz teilt und verfolgten das Gespräch mit Bülend Ürük, der bei Funke seit September 2025 für die Unternehmenskommunikation und für die politische Vernetzung zuständig ist. In der Stunde, in der noch Bewerbungen für die Fachausschüsse möglich waren und die Wählenden die Informationen über die Kandidatinnen und Kandidaten für beide Wahlgänge studieren konnten, widmeten sich Kah und Ürük den Fragen nach der Zukunft des Journalismus, gerade im Lokalen und in einer digitalisierten Welt. Das Gespräch ist auch als Podcast in der Reihe „Ohne Block und Bleistift“ erschienen.

Kampf für einen fairen Markt

„Wir müssen dafür kämpfen, dass Qualitätsjournalismus eine Zukunft hat“, forderte Ürük. „Das funktioniert nur, wenn die Politik faire Rahmenbedingungen schafft.“ Deutsche Medien seien „überreguliert“, während Plattformen „alles machen können, weil sie in anderen Ländern sitzen“.

Dabei graben Google und Co. den traditionellen Medien zunehmend das Wasser ab, ziehen schon länger wachsende Teile der Werbegelder auf sich und entscheiden mit ihren Algorithmen über die Sichtbarkeit von Medieninhalten.

Jetzt profitieren sie mit ihren AI-Zusammenfassungen noch stärker von den fremden Inhalten, während die Zugriffszahlen auf originäre Medienseiten und andere Quellen einbrechen. Diese Zusammenfassungen seien doch eine redaktionelle Tätigkeit, erklärt Ürük: „Das sind ja neue Produkte, die auf der Startseite dieser Webseiten erscheinen.“ Trotzdem bräuchten Plattformen keine Chefredaktion, die in Verantwortung genommen werde. „Warum ist das Gesetz noch nicht angepasst?“

Gemeinsam nur für die Demokratie

Den oft beschworenen gemeinsamen Kampf der Traditionsmedien befürwortet der Funke-Sprecher nicht: „Dafür haben wir zu unterschiedliche Interessen. Das, was uns verbindet, ist der Kampf für die Demokratie.“ Darüber hinaus sollten Medienhäuser den „Wettstreit um die besten Geschichten suchen“.

Falsch findet Ürük auch, dass der WDR stärker ins Regionale geht. Dazu gab es kritische Kommentare im Chat: Verlage hätten die lokale Berichterstattung doch mehr und mehr ausgedünnt. Auch Volkmar Kah wollte die Verlage da nicht ganz aus der Verantwortung entlassen und verwies auf unternehmerische Entscheidungen, auf den Rückzug aus der Region beziehungsweise immer mehr Monopole im Lokalen. Unter diesen Bedingungen sei ein zusätzlicher journalistischer Blick gut für Transparenz und Demokratie: Aber zugleich sei klar: Das dürfe keinesfalls die verbliebenen Erlösnischen für Tageszeitungen kaputtmachen.

Eine Berichterstattung wie in den 80er- oder 70er-Jahren gebe es nicht mehr, räumte Ürük ein. Dafür arbeite Funke an neuen Formen für digitalen Lokaljournalismus, etwa in Wuppertal (talzeit) und Dortmund (Wochendosis).

Förderung oder nicht

Bleibt die erwähnte Frage der Förderung: Während Ürük nur auf den fairen Markt setzen will, stellte Kah klar, dass das nicht reichen wird: „Um flächendeckende lokaljournalistische Informationen zu erhalten, müssen wir uns als Gesellschaft Gedanken über Fördermodelle oder Gemeinnützigkeit von Journalismus machen.“

Einigkeit zeigten beide aber in der Überzeugung, dass es Medienbildung braucht, damit Menschen wieder für Medien zahlen. Nur so könnten diese ihre wichtige Rolle für die Demokratie spielen.||

Ein Beitrag aus JOURNAL 2/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Juli 2026.