THEMA | Glaubwürdigkeit

Was Menschen über Medien denken

Das JOURNAL hat vier Statements eingeholt
22. Juli 2026, Marie Illner

Melina Maria Oder, Friseurmeisterin

Brustbild einer jungen Frau mit offenen dunklen Haaren und einer dickeren Jacke. Hinter ihr ist ein großformatiges Gemälde zu sehen, dass einen Arbeiter mit Sicherheitshelm vpn schräg hinten zeigt.
Melina Maria Oder ist Friseurmeisterin in Bochum. | Foto: Bernd Arnold

„Ich beobachte, dass sich in der heutigen Medienlandschaft populistische Berichterstattung oft durchsetzt, weil sie emotionaler ist und schneller Aufmerksamkeit generiert – das ist für mich aber weniger glaubwürdig. Deshalb prüfe ich Berichte meist selbst durch Gegenrecherche und das Einholen verschiedener Perspektiven. Wenn Studien und Quellen verlinkt sind, erhöht das für mich die Glaubwürdigkeit.

Da ist Medienkompetenz der Schlüssel, und ich wünsche mir mehr Bildung, auch schon in der Schule, damit Menschen besser lernen, Quellen einzuordnen, zwischen Fakten und Meinung zu unterscheiden und Interessen hinter Inhalten zu erkennen.

Gerade durch die rasante Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und Deepfakes ist diese Fähigkeit wichtiger denn je. Auch im Arbeitsalltag im Salon erlebe ich, wie überfordert viele Menschen, besonders die ältere Generation, durch die Informationsflut sind. Um hier entgegenzuwirken, halte ich klarere Regelungen für sinnvoll: mehr Transparenz bei Lobby- Verbindungen, eine konsequente Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte und eine stärkere Verantwortung der Plattformbetreiber.

Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft dahin kommen, Medieninhalte kritischer zu hinterfragen, statt sie ungeprüft zu übernehmen. Das Ziel sollte sein, dass Menschen mehr Sicherheit im Umgang mit Informationen haben, statt sie nur zu konsumieren.||

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Xiaojun Henke, Verkäuferin, als Erwachsene aus China nach Deutschland gekommen

„Ich bin in China geboren und habe das Land 1999 verlassen. Seit 2011 lebe ich in Deutschland. In China gibt es – anders als in Deutschland – Parteimedien. Diese „dienen der Partei“ und übernehmen bewusst eine lenkende Rolle in der öffentlichen Meinung. Als ich in China lebte, gab es noch kaum Internet, und man informierte sich nur über Zeitungen und Fernsehen – die Glaubwürdigkeit ließ sich also nicht gut überprüfen.

Heute bedeutet glaubwürdige Berichterstattung für mich, dass der Öffentlichkeit der tatsächliche Verlauf der Ereignisse dargestellt wird. Um da ein möglichst genaues Bild zu bekommen, lese ich immer Berichte verschiedener Medien über ein und dasselbe Thema – oft auch aus verschiedenen Ländern.

Besonders wertvoll finde ich es auch, mal in die Kommentarspalte zu schauen, zum Beispiel bei den Nachrichten der ARD. Oft sind die Kommentare der Leserinnen und Leser für mich wertvoller als die Nachrichten selbst. Denn dort liest man die Sichtweise von Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten und Ländern auf denselben Bericht.

Manchmal erscheint mir die Berichterstattung in Deutschland zu einseitig und dadurch weniger glaubwürdig. Inzwischen ist mir bewusst, dass schon ein einziges Wort die Wahrnehmung der Zuschauer beeinflussen kann. Sprache hat für mich also auch viel mit Glaubwürdigkeit zu tun. Die Einseitigkeit fällt mir besonders bei der Berichterstattung über Menschen mit Migrationshintergrund auf. Dort geht es oft zu sehr um einzelne Menschen und zu wenig um die Länder, die Wirtschaft und die Kultur. Viele Deutsche waren noch nie in Asien – ihr Bild von Asien stammt ausschließlich aus den Medien.

Wichtig für die Glaubwürdigkeit finde ich auch, dass der Kontext eines Ereignisses ausreichend beleuchtet wird. Ein Ereignis ist oft nicht nur das Ereignis selbst. Die zusammenhängenden Faktoren sollten beleuchtet werden. Oft bekommt man nur ein rundes Bild, wenn man viele Berichte liest. ||

Aus persönlichen Gründen wollte die Person nicht fotografiert werden.

 

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Daniela Giertz, Krankenschwester

Eine Frau steht im Freien, ihre dunklen kinnlangen Haare wehen leicht im Wind.
Daniela Giertz ist Krankenschwester in Bochum. | Foto: Bernd Arnold

„Glaubwürdiger Journalismus bedeutet für mich, dass alle Informationen bestens in Erfahrung gebracht worden sind, also korrekt und verlässlich. Es ist mir sehr wichtig, nachvollziehen zu können, woher die Informationen genau stammen. Das macht einen Artikel auf jeden Fall glaubwürdiger. Im Alltag vertraue ich dabei offiziellen Webseiten der klassischen Medien und Nachrichtenportalen. Besonders skeptisch bin ich aber bei politischen Reportagen.

Zugegebenermaßen hat die Corona-Zeit für mich in Sachen Glaubwürdigkeit einiges durcheinandergebracht. Im Fernsehen wurde aus meiner Sicht zwar viel darüber berichtet, was in Krankenhäusern los ist, aber über viele andere Themen wurde in dieser Zeit kaum noch berichtet. Beispielsweise hatten viele Kinder in der Zeit das RSV-Virus, die Stationen waren voll mit kranken Kindern. In den Medien wurde darüber aber kaum berichtet.

Insgesamt wird meiner Meinung nach über den Bereich Pflege schon ausreichend berichtet, und die Missstände, die in den Kliniken herrschen, werden realistisch dargestellt. Was aus meiner Sicht allerdings oft nicht ausreichend berichtet wird: Es würde genug Pflegekräfte geben, wenn die Einrichtungen angemessen bezahlen würden oder die Arbeitsbedingungen anpassen würden. Beispielsweise können viele Mütter mit Kindern nicht im Schichtsystem arbeiten. Es gibt solche Modelle, aber vielen Einrichtungen ist das einfach zu teuer. Darüber müsste meiner Meinung nach ausführlicher berichtet werden. Es heißt immer nur, dass es Personalmangel gibt – aber warum genau, das wird nicht glaubwürdig berichtet.||

 

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Jonas Klingelmann (Name geändert), Polizist

„Glaubwürdig ist Journalismus dann, wenn Informationen möglichst sachlich, nachvollziehbar und vor allem ohne unnötige Emotionalisierung dargestellt werden. Fakten sollten sauber von Meinungen getrennt werden. Wenn Schlagzeilen nur provozieren, werde ich skeptisch. Um die Glaubwürdigkeit einzuschätzen, achte ich darauf, ob verschiedene Sichtweisen gezeigt werden und ob Quellen genannt werden.

Durch meinen Beruf als Polizist weiß ich, dass die erste Meldung oft nicht die ganze Wahrheit ist. Besonders prägend waren für mich daher Berichterstattungen über Einsätze, bei denen ich selbst dabei war oder zumindest wusste, wie komplex die Lage tatsächlich ist. Da haben manche Medien Situationen sehr stark vereinfacht oder früh bewertet, obwohl viele Informationen zu dem Zeitpunkt noch gar nicht feststanden. Gerade bei Einsätzen sollte man abwarten, bis Fakten geklärt sind. Kritik sollte auf Fakten basieren und nicht auf schnellen Emotionen oder einzelnen Ausschnitten aus Videos. Oft fehlt mir die Perspektive darauf, unter welchem Druck Entscheidungen getroffen werden.

Negative Vorfälle bei der Polizei bekommen deutlich mehr Aufmerksamkeit als der normale Alltag. Die meisten Einsätze laufen professionell und ruhig ab, sodass ich es als unfair empfinde, wenn ein grundsätzlich negatives Bild der Polizei entsteht. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass Konflikte stärker hervorgehoben werden, weil sich das besser verkauft. Das kann dazu führen, dass das Vertrauen in die Polizei insgesamt leidet, obwohl einzelne Vorfälle nicht automatisch die Arbeit aller Beamten widerspiegeln.

Wichtig für Glaubwürdigkeit ist für mich außerdem ein offenerer Umgang mit Fehlern. Wenn Medien Fehler transparent kommunizieren und sichtbar korrigieren, stärkt das eher das Vertrauen, als wenn man versucht, Dinge kleinzureden oder einfach weiterzugehen.||

Aus persönlichen Gründen wollte die Person nicht fotografiert werden.

 

Ein Beitrag aus JOURNAL 2/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Juli 2026.