Genau hinschauen und mehr sein als reiner Chronist: Viele Redaktionen schauen heute anderes darauf, was die Menschen vor Ort interessiert. | Foto: Frank Sonnenberg
Genau hinschauen und mehr sein als reiner Chronist: Viele Redaktionen schauen heute anderes darauf, was die Menschen vor Ort interessiert. | Foto: Frank Sonnenberg
 
THEMA | Lokaljournalismus

Vielfalt wagen!

Der Lokaljournalismus muss alltagstauglicher werden
18. Oktober 2019, Dagmar Thiel

Kaninchenzüchter? Unfälle? Vereinsberichterstattung? Klar, auch das gibt es noch im Lokaljournalismus. Aber die Branche wandelt sich: Die Qualität hat zugenommen, die Themen sind vielfältiger, wie eine Studie von 2018 belegt. Mit neuen Formen und Kooperationen rücken die Lokalzeitungen näher an die Leserinnen und Leser heran, beziehen sie in Gesprächen oder mit datenjournalistischen Formaten in Themenfindung und Recherchen ein. Sie brechen alte Regeln, indem sie einzelne Themen über längere Zeit täglich aufgreifen und indem sie Lösungen aufzeigen.

Die Erfahrung in den Redaktionen und die Wissenschaft belegen zudem, dass Menschen vor allem drei Dinge am Lokaljournalismus schätzen: Sie wollen die kritische Begleitung ihres Alltags in fundiert recherchierten Geschichten und Kommentaren. Gerne lesen sie Themen, die sie emotional ansprechen und die von Menschen handeln. Außerdem gilt die aktive Einbindung der Leser als Erfolgsmodell.

Weg von der reinen Chronistenpflicht

„Wir haben eine Verschiebung fundamentaler Natur. Lokaljournalismus hat lange Zeit einfach die Chronistenpflicht erfüllt. Da war dann meist wenig Überraschendes, wenig Emotionales im Blatt“, sagt Benjamin Piel, Chefredakteur des Mindener Tageblatts. So glichen Lokalteile oft einem Sammelsurium: Jeder, der öffentlich etwas zu sagen hatte, musste und sollte in die Zeitung.

Heute können alle auf allen Kanälen selbst publizieren. Gerade Vereine oder lokale Parteien nutzen Facebook, WhatsApp und Instagram, um sich mit Mitgliedern auszutauschen. Für Piel bedeutet das, dass sich die Ausrichtung der Zeitung ändern muss: „Wir müssen auf alles setzen, was mit Recherche zu tun hat. Nur dann werden Leser bereit sein, für Informationen auch zu bezahlen. Wenn eine Redaktion die Zeitung nur mit dem Inhalt der täglich eintreffenden Pressemitteilungen bestückt, werden wir mit Sicherheit Leser verlieren.“

Ob Fridays for Future oder Arbeitsplatzabbau bei einem wichtigen lokalen Unternehmen: Lokaljournalismus soll abbilden, was vor Ort passiert. | Foto: Corinna Blümel
Ob Fridays for Future oder Arbeitsplatzabbau bei einem wichtigen lokalen Unternehmen: Lokaljournalismus soll abbilden, was vor Ort passiert. | Foto: Corinna Blümel

Lokalteil am beliebtesten

Der Lokalteil gehört zu den am meisten gelesenen Büchern in der Zeitung. Die erste Lokalseite wird ähnlich oft gelesen wie die Titelseite oder das Vermischte. Auskunft über das Leseverhalten geben Projekte wie Readerscan und Lesewert. Abonnentinnen und Abonnenten geben Feedback, wie sie ihr Medium nutzen. Dazu erfassen sie bei allen Texten mit einem Scanstift die Zeile, an der sie aufgehört haben zu lesen.

Diese Auswertung überrasche Redaktionen häufig, sagt Christian Eißner, Leitender Coach bei Lesewert in Dresden. Denn eine zentrale Erkenntnis der Analysen sei, dass Leserinnen und Leser andere Kriterien an eine gut gemachte Zeitung anlegen als Journalistinnen und Journalisten. „Über allem steht für die Leser die richtige Themensetzung. Dabei spielt es eine absolut untergeordnete Rolle, was man als informierter Bürger wissen sollte.“ Ob ein Leser in einen Text einsteigt, hänge maßgeblich von anderen Fragen ab: Ist das Thema für mich relevant? Berührt es mich emotional oder unterhält es mich?

Grundsätzlich werden Artikel gerne gelesen, die Gefühle auslösen. Die Nachrichtenfaktoren Nähe und Betroffenheit ziehen also stark. Relevant ist für die Leser, was unmittelbar wichtig für ihren Alltag ist, also auch Themen wie Einkaufen, Verkehr, Stadtentwicklung oder Müllentsorgung. Der Lesewert sinkt dagegen, wenn Lokalzeitungen nur Veranstaltungsankündigungen oder Vereinsmeldungen bringen.
Dabei lohnt es sich für jede Redaktion, an einem wichtigen lokalen Thema dranzubleiben. Eißner benennt ein grundsätzliches Problem: „Der Redaktion wird es viel schneller langweilig als den Lesern. Leser haben meist ein echtes Interesse, Themen länger zu verfolgen. Sie wollen wissen, wie eine Geschichte weitergeht.“ Die Aussage in der Redaktionskonferenz: ‚Darüber haben wir doch schon mal berichtet‘ sollte also kein Ausschlusskriterium für Berichterstattung sein.

Bei Wichtigem gibt es kein Zuviel

Die gegensätzliche Strategie kann richtig sein, wie die Neue Westfälische (NW) zeigt: Sie berichtete im Juni 2018 in Lübbecke über geplante Umstrukturierungen bei den Mühlenkreis-Kliniken des Landkreises Minden-Lübbecke. Abteilungen sollten verlegt und zentralisiert werden. Für viele Patienten hieße das: zusätzliche Wege und längere Wartezeiten. Die Lokalredaktion griff das Thema konsequent auf, begleitete Verhandlungen und Proteste, holte Meinungen ein und stellte im Sinne der Leser Öffentlichkeit her. Innerhalb eines Monats erschienen dazu rund 50 Artikel im Lokalteil Lübbecke. „Die in dieser Zeit bei der NW laufende Lesewert-Messung bestätigt: Das Interesse der Leser am Schicksal der Kliniken ist überdurchschnittlich groß. Es gibt kein Zuviel an Berichterstattung bei diesem wichtigen Thema, im Gegenteil. Die Leser honorieren, dass ihre Zeitung sie täglich auf dem Laufenden hält und einen öffentlichen Diskurs ermöglicht. Die Beiträge zählen zu den am besten gelesenen Artikeln im Messzeitraum“, erläutert Coach Eißner.

Selbstbestimmt aufstellen

Sich stärker auf das Publikum zu besinnen ist ein Weg, für den die Journalismus-Forschung seit langem wirbt. „Guter Lokaljournalismus muss sich selbstbestimmt aufstellen. Die Menschen lesen Zeitung, wenn sie kluge Informationen aus der Region bekommen“, sagt Wiebke Möhring, Professorin am Institut für Journalistik der TU Dortmund. Die Leser erwarten dabei von Lokaljournalismus eine gute Mischung: Die Lokalzeitung soll Anwalt der Region sein, gleichzeitig aber auch kritischer Begleiter.
Diesen beiden Ansprüchen gerecht zu werden steht der eng getaktete Redaktionsalltag im Weg. Hinzu kommt die oft dünne Personaldecke. Wiebke Möhring hält Kooperationsprojekte daher für zukunftsweisend. Mit „Wem gehört die Stadt“ hat beispielsweise das gemeinnützige Recherchenetzwerk Correctiv.Lokal zurzeit Erfolg (siehe auch JOURNAL 2/19: „Einfach machen“). Bei der Schwarm-Recherche kooperiert Correctiv mit lokalen Medien, um den Wohnungsmarkt mithilfe der Bürger transparenter zu machen. Beteiligt haben sich bislang Redaktionen in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Heidenheim, Lüneburg und Minden.

„Der Impuls von Correctiv war wichtig und gut, die Arbeit vor Ort war aber für unsere Redakteure trotzdem enorm“, blickt Chefredakteur Piel auf die große Recherche zurück. Zwischen Februar und Juli 2019 veröffentlichte das Mindener Tageblatt (MT) 34 Beiträge zum Thema „Wem gehört Minden?“. Erstmals rief das MT Leserinnen und Leser zur aktiven Mitarbeit bei der Recherche auf: Sie beantworteten in einem „Crowd-Newsroom“ Fragen zu ihrer Wohnsituation oder konnten ihre Mietverträge hochladen. Die Redaktion erhielt auf diese Weise Einblick in 50 Dokumente. An einem Montagabend kamen auf Einladung der Zeitung 200 Menschen, um über das Projekt zu diskutieren. „Das ist für eine Stadt wie Minden eine sehr große Resonanz. Das Thema war richtig gut. Unterschätzt haben wir, wie viel Kraft so große Recherchen kosten“, sagt Piel. Hier stoße selbst eine gut ausgestattete Redaktion an ihre Grenzen.

Um Schwerpunkte zu setzen, hat das Mindener Tageblatt den Umfang der Zeitung reduziert. Vor allem die Kulturberichterstattung wurde deutlich gekürzt. „Wir haben früher über nahezu jede kulturelle Veranstaltung berichtet, das bindet einfach ganz erheblich Kräfte“, erzählt Piel. Und die fehlten dann, um andere Themen anzupacken.

Gesundheit und Krankenhausversorgung bewegen viele Menschen. Die Neue Westfälische verfolgte geplante Veränderungen bei den Mühlenkreis-Kliniken im Landkreis konsequent. | Foto: Francesca Schallhaas
Gesundheit und Krankenhausversorgung bewegen viele Menschen. Die Neue Westfälische verfolgte geplante Veränderungen bei den Mühlenkreis-Kliniken im Landkreis konsequent. | Foto: Francesca Schallhaas

Vieles hat sich verbessert

Bestätigung findet dieser Wille zum Wandel im Lokalen in der aktuellen Studie „Die Leistungen des Lokaljournalismus“. Darin hat die Kommunikationswissenschaftlerin Anna-Lena Wagner an der Universität Trier die Qualität der Lokalberichterstattung deutscher Zeitungen und Onlineangebote untersucht. Die 2018 veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass der Lokaljournalismus sich gegenüber früheren Defiziten verbessert hat. Heute sind Lokalzeitungen in der Vielfalt der Themen stark, ebenso bei Neutralität und Unabhängigkeit der Berichterstattung.

Dabei räumt die Untersuchung auch mit einem beliebten Vorurteil auf: Lokaljournalismus besteht keineswegs nur aus Artikeln über Unfälle und Kaninchenzüchter, wie Spötter ja gerne unterstellen. „Unsere Studie hat gezeigt, dass diese Themen den Lokalteil nicht dominieren, die Themenmischung ist gut“, resümiert Wagner. Die Studie war die erste, die sich nach langer Zeit wieder intensiv der Erforschung des Lokaljournalismus in Deutschland gewidmet hat. Insgesamt wurden 103 Lokalzeitungen sowie dazugehörige Internetauftritte mit mehr als 18 000 Artikeln untersucht.

Bericht und Meldung dominieren

Allerdings hat die Studie auch Schwachstellen ermittelt: Im Lokalen wird nach wie vor wenig Kritik geäußert, es gibt wenig hintergründige Berichterstattung. Außerdem sind Lokaljournalistinnen und -journalisten bei den Darstellungsformen recht einseitig. „Bericht und Meldung sind die eindeutig dominierenden Darstellungsformen“, sagt Wagner, die mittlerweile am Institut für Journalistik der TU Dortmund arbeitet. Überrascht hat die Forscherin, dass ein Drittel der Zeitungen in der Stichtagswoche keinen einzigen Kommentar im Lokalteil hatte.

Dabei belegen alle Studien, dass nicht nur Kommentare, sondern auch kreative Erzählweisen im Lokaljournalismus gefragt sind. Auch Lesewert dokumentiert: Reportagen und Porträts sind durchweg die beliebtesten Texte und dürfen gerne länger als 150 Zeilen sein. Wenn das Thema die Menschen emotional anspricht, bleiben die Leserinnen und Leser dran. Journalismus ist erfolgreich, wenn er Geschichten vom Abstrakten ins Konkrete trägt. Menschen interessieren sich dafür, was sie in ihrem persönlichen Alltag betrifft. Den 90-Zeiler aus der Haushaltssitzung des Stadtrats, der sich an der Tagesordnung entlanghangelt, liest dagegen vermutlich niemand mit Begeisterung.

Lokalredaktionen sollten sich deshalb fragen, was einzelne Fakten für die Bürgerinnen und Bürger bedeuten – und hier ihren Schwerpunkt setzen. „Vielerorts wird kommunalpolitische Berichterstattung für Rathaus und Politik gemacht – aber nicht für die Leser. In Teilen muss der Lokaljournalismus seine seit Jahrzehnten gepflegten Rituale auch überdenken“, erklärt Anke Vehmeier, Leiterin des Lokaljournalistenprogramms der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn.

Das ist eine Herausforderung, weiß Vehmeier. Aber die große Nachfrage nach Weiterbildung belege das Interesse der Redaktionen an neuen Themen und Erzählformen. Die rund 45 Plätze des Modellseminars Kommunalpolitik mit dem programmatischen Titel „Das haben wir noch nie so gemacht!“ Ende September 2019 waren so rasch vergeben, dass die Bundeszentrale kurzfristig eine Neuauflage plant. Weitere 50 Redakteurinnen und Redakteure standen für das aktuelle Seminar auf der Warteliste.

Die Leser mitreden lassen

Eines der größten Qualitätsprobleme machte die Untersuchung von Anna-Lena Wagner darin aus, dass die meisten Lokalzeitungen den Leserinnen und Lesern kaum Möglichkeiten geben, sich wirklich einzubringen. Leserbriefe besitzen keinen hohen Stellenwert. Auch versuchten die Redaktionen eher selten, eine Debatte zu spezifischen Themen anzuregen – etwa in Form von Diskussionsrunden oder Votings. Und sie rufen Leserinnen und Leser kaum dazu auf, eigenständig Themen oder Bilder einzusenden.
Dabei ist genau das ein Rezept, das oft funktioniert: die Bürgerinnen und Bürger vor Ort stärker zu Wort kommen zu lassen, mit ihnen in Kontakt zu treten, Partizipationselemente in die Berichterstattung einzubauen. „Wenn ich politisch partizipieren will, fange ich in der Regel bei mir vor Ort an, indem ich einer Partei beitrete oder einem Verein. Und es ist eben meist der Lokalteil, der Themen rund um Lokalpolitik und Vereine aufgreift. In Zeiten der Politikverdrossenheit ist es wichtig, dass Zeitungen hier aktiv sind“, sagt Anna-Lena Wagner. Das werde den Medien ja heute einfach gemacht, weil sie durch zahlreiche Kommunikationskanäle Kontakt zu ihren Leserinnen und Lesern halten und gleichzeitig Verbesserungsvorschläge für ihre Redaktion einholen können.

Angebot zum offenen Austausch

Auch der Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, der im November verliehen wird, zeichnet in diesem Jahr die Partizipation der Leserschaft aus. Der Preis geht an die Freie Presse Chemnitz für das Leserdebatten-Format „Chemnitz diskutiert“. Es griff die Ereignisse nach dem Tod eines 35-Jährigen auf, der 2018 in Chemnitz erstochen worden war, und machte den Menschen mit dem Dialog-Format ein Angebot zum offenen, kontroversen und respektvollen Austausch.

In der Jurybegründung heißt es dazu: „Der Redaktion gelingt, was in polarisierenden Debatten oft untergeht: auch der verunsicherten, schweigenden Mitte Gehör zu verschaffen. Unter dem Leitgedanken ‚Der andere könnte Recht haben’ diskutieren Akademiker und Arbeiter, Rentner und Unternehmer, Flüchtlingshelfer und Gegner der Migrationspolitik miteinander über das, was geschehen ist.“ Damit zeige die Freie Presse in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen von klassischen Medien abwenden, in herausragender Weise, was Lokaljournalismus unverzichtbar macht.

Stärker in die Lebenswelt eintauchen

Nicht nur Dialogbereitschaft bindet Menschen: Die Leserforschung belegt, dass Medien nicht nur berichten sollen, was schief läuft. Konstruktiver Journalismus benennt Missstände, bemüht sich aber zugleich, Lösungen für bestehende Probleme aufzuzeigen und zu diskutieren. Für die Redaktionen bedeutet das, die Sichtweise zu ändern und sich stärker in die Lebenswelt der Bürgerinnen und Bürger zu begeben. Das ist durchaus eine Art Kulturwandel: „Leser wollen wissen, wie andere Kommunen ein ähnliches Problem gelöst haben, oder was ein Experte zu einem aktuellen Thema sagt. Es reicht heute nicht mehr, Sachverhalte nur darzustellen. Wir müssen Journalismus alltagstauglich machen“, unterstreicht Anke Vehmeier.

Lautsprecher sein – das funktioniert für den Lokaljournalismus schon lange nicht mehr. Nur Bereitschaft zum offenen Dialog bindet Menschen. | Foto: txt
Lautsprecher sein – das funktioniert für den Lokaljournalismus schon lange nicht mehr. Nur Bereitschaft zum offenen Dialog bindet Menschen. | Foto: txt

Ihrer Ansicht nach müsse insbesondere der Lokaljournalismus verinnerlichen, dass Print und online nicht eins zu eins übertragbar sind. Aufgabe sei es auszuloten, wie für welchen Kanal am besten berichtet wird. „Gerade bei Social Media muss Lokaljournalismus mehr wagen und sich leider den Vorwurf gefallen lassen, Themen, die die Bürger umtreiben, nicht aufzugreifen“, sagt Vehmeier.

Sie hält deshalb das „Listening Center“ der Rheinischen Post (RP) in Düsseldorf für einen richtigen Ansatz. Seit der Landtagswahl 2017 steht es den Lokalredaktionen der RP zur Verfügung (siehe dazu auch JOURNAL 1/19: „Die nächste Runde“). In Echtzeit analysieren die Algorithmen des Centers, welche Themen, Nachrichten und Personen im Verbreitungsgebiet der Region im Netz eine Rolle spielen: Welche Beiträge teilen oder kommentieren Menschen vor Ort zum Beispiel besonders häufig auf Facebook. Die Redakteure erhalten ein individuelles Reporting für ihre Fachgebiete. „Das sollten Journalisten ernst nehmen und umsetzen. So finden sie Themen, die ihre Leser interessieren. Die Ausrichtung aufs Netz ist zwar zwingend notwendig, aber der persönliche Kontakt und die Nähe zum Publikum sind ein primäres Merkmal des Lokaljournalismus“, sagt Vehmeier.

Auch Benjamin Piel setzt auf den direkten Dialog. Ende September hat der Chefredakteur den Newsletter „Post von Piel“ gestartet. Jede Woche Donnerstag erhalten Interessenten eine Nachricht ins Postfach. Darin empfiehlt der Autor die spannendsten Geschichten, zeigt Ausschnitte aus der Redaktionsarbeit und schreibt, was ihm sonst noch so aufgefallen ist. Antworten direkt an den Chefredakteur sind ausdrücklich erwünscht.

Guter Journalismus sollte also den persönlichen Dialog ermöglichen, die direkte Debatte. Dazu muss man raus aus der Redaktion, weg vom Schreibtisch, rein in den Alltag. Das ist besonders wichtig in Zeiten, in denen Menschen Informationen aus unzähligen Kanälen und Blasen erreichen.||

Die anderen Teile der Titelgeschichte aus JOURNAL 5/19:
Aus dem Kreis ausbrechen
Eine wichtige Bastion
Lokaljournalistische Experimente (ergänzend zum Heft)

Ein Beitrag aus JOURNAL 5/19, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2019.