Bei RTL Deutschland reißen die Sorgen für die Beschäftigten nicht ab. Nach dem Abbau von 600 Stellen Anfang des Jahres (siehe „Die Wochen nach dem Beben“, JOURNAL 1/26), stehen nun weitere 500 Vollzeitstellen auf dem Streichplan. Das schürt Unruhe bei RTL News in Köln.
Dass weiter Personal reduziert wird, kommt zwar nicht überraschend, der Umfang schon. Hintergrund ist die Übernahme von Sky Deutschland, die RTL zum 1. Juni formell abschließen konnte. Schon zu Beginn des Prozesses war klar: Die erhofften Synergien sollen unter anderem durch den Abbau von Doppelstrukturen erreicht werden. Nachdem bisher einige Änderungen in der Chefetage vorgenommen wurden, sind jetzt wohl Verwaltung, Produktion und Redaktionen dran.
Die Fusion bekommt ein Preisschild
„Spätestens jetzt bekommt die Fusion von RTL und Sky ein Preisschild“, kritisierte der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster: „Die Sender-Chefs nennen das Synergien. Für die Beschäftigten sind es verlorene Arbeitsplätze und für den Journalismus ein massiver Kompetenzverlust.“
Der größte Teil der Maßnahmen soll noch im laufenden Jahr abgeschlossen sein, der Rest bis Ende 2027. Versprochen ist ein sozialverträglicher Abbau – ohne betriebsbedingte Kündigungen. Dazu gehört, dass auslaufende Verträge nicht verlängert und offene Stellen nicht nachbesetzt werden. Der Rest soll wie zu Beginn des Jahres über ein Anspracheverfahren laufen.
Noch traumatisiert vom Januar

Genau das bereitet dem Betriebsrat bei der Inhaltetochter RTL News Bauchschmerzen, sagt erklärt Wolfram Kuhnigk, Betriebsratsvorsitzender bei RTL News: „Wir haben eine erneute Phase der Unsicherheit in unserer Firma: Wer wird jetzt angesprochen werden, wer soll dieses Mal seinen Arbeitsplatz verlieren?“ Dabei seien die Kolleginnen und Kollegen noch traumatisiert vom Prozess Anfang des Jahres – „als wir schon viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren haben“.
Thomas Rabe, Chef des RTL-Mutterkonzern Bertelsmann, räumte im Gespräch mit dem Handelsblatt ein, dass 500 Stellen „natürlich eine große Zahl“ seien. Doch sei dies erforderlich, um „ein noch schlagkräftigeres Unternehmen aufzubauen“. Er beteuerte, man schneide „keineswegs in die Substanz“.
Wie andere Medienhäuser kämpft RTL damit, dass das Lineare schneller an Bedeutung verliert als gedacht (siehe auch „WDR: So viel Umbau war nie“). Weil das bei Privatsendern zu Rückgängen der Werbeeinnahmen führt, setzt RTL entschieden auf Streaming. Tatsächlich konnte die RTL Group im ersten Halbjahr in diesem Bereich erstmals schwarze Zahlen vermelden. Für das Gesamtjahr erwartet Bertelsmann sogar ein bereinigtes operatives Ergebnis von rund 120 Millionen Euro.
Auch Kuhnigk hat diese Entwicklungen im Blick und weist darauf hin: „Die Geschäftsführer sind nicht nur dem Gesellschafter gegenüber verantwortlich, sondern auch unseren Kolleginnen und Kollegen. Jahrzehntelang war RTL ein sicherer Arbeitgeber, dieses Image steht infrage.“
Vor allem bei Sky in Unterföhring soll die Erschütterung groß sein. Offenbar hat die Belegschaft wenig Erfahrung mit solchen Prozessen. Für den Konzernbetriebsrat war „maßgeblich und wichtig, dass auch Unterföhring und das Landesstudio Ost in den bestehenden Sozialplan von RTL Deutschland aufgenommen werden“, erklärt Kuhnigk. „Und dass auch die Transfergesellschaft für die neuen Kolleginnen und Kollegen gilt.“ In Köln hoffen die Kolleginnen und Kollegen derweil aller Unruhe zum Trotz, dass es sie dieses Mal nicht so schwer trifft wie im Januar. ||
Ein Beitrag aus JOURNAL 3/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2026.