Viel Salbungsvolles war im September in der Sonderausgabe zu 150 Jahren Kölner Stadt-Anzeiger (KStA) und 80 Jahren Kölnische Rundschau (KR) zu lesen: Tageszeitungen als wichtige Säulen der Demokratie und Beitrag zum Zusammenhalt. Es ging um Tradition, um Nähe zu den Menschen und um das Gespür für Themen. Und in einem Interview mit vier Mitgliedern der DuMont-Familienstämme sagt Hannibal DuMont Schütte: „Die regionale Verankerung wird in Zukunft nochmal an Bedeutung gewinnen – das sind in großen Teilen Informationen, die eine KI nun einmal nicht haben kann. Lokalberichterstattung ist unser Alleinstellungsmerkmal.“
Genau das Gegenteil gemacht
Wenn DuMont sich mal an diese Erkenntnis halten würde. Stattdessen legte das Medienhaus zeitgleich die Axt an seine Verankerung im Lokalen und bereitete die Schließung der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG) vor: Am 30. September 2026 ist Schluss für die Tochtergesellschaft, die seit 2014 für die Berichterstattung und Produktion der Regionalteile KStA und KR in fünf Landkreisen rund um Köln zuständig war. Das Aus für 63 erfahrene Lokalredakteurinnen und -redakteure plus zwölf Sekretärinnen.
Während die Tätigkeit der RRG „endet“ und 57 Vollzeitstellen „entfallen“, wie es DuMont in seiner Mitteilung vornehm formulierte, geht der Auftrag über an die Tochtergesellschaft KStA Medien Metropolregion Köln GmbH: Digitale Regio-Teams sollen angeblich Inhalte für alle Ausspielwege produzieren – mit viel KI, die Workflows automatisieren und die Inhalte für Zeitung, E-Paper und neue journalistische Apps und Portale aufbereiten soll. Letztere sollen ab Herbst entstehen.
Das Ziel laut DuMont: die Printausgabe „langfristig wirtschaftlich abzusichern, unabhängigen Journalismus auch im Lokalen zu bewahren und zugleich die digitalen journalistischen Angebote vor Ort auszubauen“. Umfang, Lokalteile und Zustellung blieben dabei wie gehabt, beteuert DuMont. Zudem versichert das Haus: „Reporterinnen und Reporter der Kölner Stadt-Anzeiger Medien bleiben in allen Regionen präsent, persönlich erreichbar und für feste Berichtsgebiete verantwortlich.“
Ein Zaubertrick?
Wie dieser Zaubertrick zu schaffen ist, wird die KStA Medien mit seiner Tochter Metropolregion Köln noch beweisen müssen. Schließlich haben alle RRG-Kolleginnen und -Kollegen, die größtenteils seit Jahrzehnten in ihrem Berichtsgebiet unterwegs sind, die Kündigung erhalten. Immerhin können sie sich auf die neuen Stellen bewerben – zu deutlich schlechteren Konditionen. Zudem sind für die neue Tochtergesellschaft gerade mal 30 Vollzeitstellen vorgesehen – weniger als die Hälfte der über die Jahre bereits systematisch ausgedünnten Ausstattung der RRG-Redaktionen.
Nur mit Mühe konnte der Betriebsrat unter Stefan Lenz, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DJV-NRW, dem Haus im September einen Sozialplan abringen, der sich am unteren Ende des Üblichen bewegt. Ein unwürdiges Ende für die Gesellschaft, die als Sparmaßnahme entstanden war.
Die Lokalredaktionen von KStA und KR wurden in einer gemeinsamen – tariflosen – Tochter von DuMont und Heinen-Verlag zusammengelegt. Ein Schlag für die Beschäftigten der vorherigen Konkurrenzblätter. Allerdings wuchsen die Kolleginnen und Kollegen spätestens mit dem langen und erfolgreichen Streik um einen Haustarifvertrag zusammen.
Als der Heinen-Verlag im Frühjahr seine publizistische Tätigkeit einstellte und die Rundschau-Redaktion bei DuMont landete (siehe „Wieder zwei weniger“, JOURNAL 1/26), nahm die Vernachlässigung des Arbeitgebers für die inzwischen 100-prozentige DuMont-Tochter RRG rapide zu. Schon länger waren einzelne Redakteurs- und Sekretärinnenstellen vakant. Immer mehr Redaktionen arbeiteten am Limit. Eine neue Doppelspitze erklärte, sie wolle sich das „in Ruhe anschauen und zum Jahresende entscheiden“, wie aus der Belegschaft zu hören ist.
Der Betriebsrat hakte beharrlich nach. Warum das vergeblich war, wissen alle Beteiligten heute. Stefan Lenz: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Stilllegung der RRG von langer Hand geplant war, ähnlich wie im Herbst 2023 die überfallartige Schließung der DuMont-Druckerei.“
Kritik aus Politik und Leserschaft
Zwar gab es nach Bekanntwerden der Schließung keinen großen Aufschrei, aber in den betroffenen Regionen kommt die Entwicklung nicht gut an. Schon bald meldeten sich Leserinnen und Leser bei den Redaktionen, die die Entscheidung deutlich kritisieren. Und zu dem Zeitpunkt war noch nicht mal bekannt, dass DuMont zum 1. Oktober auch noch die Abopreise erhöhen würde. Frei nach dem Motto „Mehr zahlen für weniger Lokaljournalismus“.
Auch einzelne Politiker sind in Kontakt zu „ihrer“ Redaktion vor Ort, wie zu hören ist. Andere sind nach eigener Aussage direkt an den Verlag herangetreten und haben ihre Sorge geäußert, dass der eigene Landkreis aus dem Fokus fällt.
In Vertretung der RRG-Belegschaft hatte die Kölner Journalisten-Vereinigung im September 40 Landes- und Bundespolitikerinnen und -politiker angeschrieben, von denen einige direkt geantwortet und ebenfalls ihren deutlichen Unmut geäußert haben. Ihnen ist klar, dass die beste KI keinen Lokaljournalismus macht, dass es Kolleginnen und Kollegen mit Expertise und Ortskenntnis braucht, die wissen, mit wem man wie über welches Problem sprechen kann.
Nicht zuletzt wurde in ersten Gesprächen deutlich, dass genau das eintreten kann, was Zeitungshäuser gerne kritisieren: Kommunen könnten ihre Pressestellen aufstocken, um die entstehende publizistische Lücke auszugleichen.||
Ein Beitrag aus JOURNAL 3/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, vorab veröffentlicht im September 2026.