Mir ist etwas aufgefallen beim Podcasthören. Immer häufiger fangen Host-Formate mit einer Variante folgender Begrüßung an: Ein munteres „Hey“, dann ein paar einordnende Informationen und am Ende: „Und jetzt … geht‘s los!“ Das ist eigentlich der Signature-Einstieg von Khesrau Behroz. Und weil er bei ihm funktioniert, wird er munter kopiert. Wahrscheinlich so lange, bis Behroz sich genötigt sieht, einen neuen zu finden, während alle anderen mich weiter an-heyen.
Das ist ein Problem in weiten Teilen unserer Branche: Erfolgskonzepte werden kopiert, statt eigene zu entwickeln. Der Trend-Podcast wird nachgebaut, das virale Kurzvideo-Format übernommen, Themen abgeschrieben, die Newsletter-Tonalität vom großen Player kopiert. In Zeiten knapper Budgets scheint es sicherer, auf etwas zu setzen, das woanders bereits funktioniert hat, als selbst ins innovative Risiko zu gehen.
Doch genau hier liegt der Denkfehler: Was in einem Medium funktioniert, passt nicht automatisch für andere. Wer nur kopiert, wird nie schaffen, was echte Medienvielfalt ausmacht: Unterscheidbarkeit, Kernkompetenz und Wiedererkennbarkeit.
Wird uns das Nachahmen retten? Ich bezweifle es. Wenn am Ende überall dieselben Podcast-Intros, Reels-Formate und Porträt-Serien laufen, haben wir keine Vielfalt, sondern nur mehr vom Gleichen – schön verpackt, aber austauschbar. Echte Verbindung entsteht durch Originalität – nur so wird man zur Marke, die sich eventuell auch wieder mehr Nutzende etwas kosten lassen.
Denn hinter der Kreativitätskrise liegt ja das viel größere Problem: der Crash des Geschäftsmodells. Was die Branche jetzt dringender als alles andere braucht, ist mehr Mut zum Besonderen: dem eigenen Ton, einer neuen Fehlerkultur, zur exklusiven Geschichte anstelle des einen Themas, das alle gerade beackern.
In dieser inhaltlichen liegt auch eine Führungsfrage. Mut kann und darf man nicht nur von Redakteurinnen und Reportern erwarten, die im Alltag wenig Zeit zum Nachdenken und Ausdiskutieren haben – neben unzähligen Konferenzen, übervollen To-do-Listen und Honoraren im Sinkflug.
Mut braucht Vorbild und Rückendeckung von oben: Chefredaktionen, Verlags- und Senderleitungen, die Budgets zum Ausprobieren freigeben. Die Verantwortung fürs Risiko übernehmen. Die aushalten, dass Innovation selten im ersten Versuch gelingt. Die nicht nach der ersten Enttäuschung wieder auf Nummer sicher setzen, auch wenn die Tabellenkalkulation das gerne hätte.
Genau darüber wollen wir beim JoTag am 21. November in Dortmund sprechen: nicht übers blanke Überleben, sondern übers Gestalten. Lasst uns Geschichten vom Gelingen erzählen. Man darf sich ja schon von den Ideen anderer inspirieren lassen 😉 Nur sollte man am Ende eben eigene entwickeln, findet eure
Andrea
Ein Beitrag aus JOURNAL 3/26, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2026.