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Umbrüche bei der Handelsblatt Media Group

Stellenabbau, Verkauf der Fachmedien-Sparte und verkleinerte Geschäftsführung
20. Oktober 2020, Corinna Blümel

Der DJV hat die Verlagsleitung der Handelsblatt Media Group (HMG) aufgefordert, auf Kündigungen zu verzichten und die Beschäftigten umfassend über die aktuelle Lage zu informieren. Der DJV reagierte damit auf Medienbe­richte, nach denen bei Handelsblatt und WirtschaftsWoche insgesamt 28 redaktionelle Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Grund seien die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona­krise. Betriebsrat und Beschäftigte wurden ­offenbar erst informiert, nachdem der geplante Stel­lenabbau an die Medien durchge­sickert war.

„Wir erwarten von der Verlagsspitze, dass den betroffenen Journalistinnen und Journalisten Alternativarbeitsplätze ange­boten werden“, ­erklärte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Es sei mit den Anforderungen der Leserinnen und ­Leser an die beiden Wirtschaftstitel nicht vereinbar, die Redak­tionen einzudampfen und hoch qualifizierte Kolleginnen und Kollegen auf die Straße zu setzen. Gerade in der Coronakrise sei die Nachfrage nach recherchierten Informationen immens gestiegen. „Mit Stellenstreichungen sägt die Verlagsleitung an dem Ast, auf dem die gesamte Redaktion sitzt.“

Der Mediendienst kress und das Magazin Wirtschaftsjournalist hatten in der ersten Oktoberwoche berichtet, bei der Handelsblatt ­Media Group fielen insgesamt 60 bis 80 Stellen weg. Dabei scheint der größere Anteil auf das Handelsblatt zu entfallen. Neben den redaktionellen Stellen sollen weitere 30 bis 50 in anderen ­Unternehmensbereichen betroffen sein.

Arbeitsbelastung könnte steigen

Nach Informationen, die dem DJV-NRW vorliegen, könnten in der Kernredaktion des Handelsblatts etwa zehn Stellen betroffen sein. Danach hofft der Betriebsrat, dass es nur zu wenigen Kündigungen kommt und dass sich die meisten Stellen einvernehmlich abbauen lassen. Weitere rund 20 Stellen entfielen voraussichtlich auf die Bereiche Assistenz, Layout und Korrektorat. Bei Drucklegung des JOURNALs war noch nicht absehbar, ob dies zu einer stärkeren Arbeitsbelastung in der Redak­tion führen wird oder ob diese Aufgaben zumindest teilweise an externe Dienstleister vergeben werden.

Fachmediensparte wird verkauft

Umstrukturiert wird zudem bei den Fachmedien. Um sich auf die Kernmarken Handelsblatt und WirtschaftsWoche zu fokussieren, wird die HMG ihre Fachme­dien fast komplett abstoßen. Aus der bisherigen Sparte Handelsblatt Fachmedien soll nur das „Change Portfolio“ bei der HMG verbleiben und zusammen mit entsprechenden Marken der HMG-Tochter Solutions by Handelsblattgroup GmbH weiter ausgebaut werden.

Den wesentlichen Teil der Handelsblatt-Sparte Fachmedien übernimmt zum Jahreswechsel der Kölner Verlag Dr. Otto Schmidt KG. Dieser gründet dafür eine 100-prozentige Tochter­gesellschaft, die Fachmedien Otto Schmidt KG, die ihren Unternehmenssitz in Düsseldorf ­haben wird. Unter dem neuen Dach soll die Marke Handelsblatt Fachmedien für eine Übergangszeit noch in Lizenz weiterverwendet werden. Zum übertragenen Portfolio gehören Zeitschriften wie DER BETRIEB, Wirtschaft und Wettbewerb und Corporate Finance. Neben den Beschäftigten wechselt auch der bisherige ­Geschäftsführer der Handelsblatt Fachmedien GmbH, Christoph Bertling, in die neue Gesellschaft.

Erneuter Umbau nach 2019

Veränderungen auch in der HMG-Geschäftsführung: Gerrit Schumann, der sich seit Januar 2017 besonders um die digitale Wachstumsstrategie und den damit verbunden Strukturwandel gekümmert hatte, hat die Verlagsgruppe Ende September verlassen. Er soll dem Konzern noch bis Jahresende verbunden bleiben, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Schon im ersten Halbjahr 2019 hatte die Handelsblatt Media Group ihr Portfolio bereinigt (siehe JOURNAL 2/19). Damals stellte sie die englischsprachige Aus­gabe Handelsblatt Today ein, verkaufte den Branchendienst Meedia und verschob die Zeitschrift absatzwirtschaft aus der Fachmediensparte zur Corporate-Publishing-Tochter planet c. Zudem wurde bereits damals ein Personalabbau – vorzugsweise über Vorruhestands- und Aufhebungsverträge – angekündigt. Bis zu 30 Stellen, darunter etwa zehn in den Redaktionen, sollten über drei Jahre wegfallen. Ziel war nach Angaben von Frank Dopheide, Sprecher der Geschäftsführung, Ressourcen für die Investition in neue Produkte und Technologie zu schaffen.||


Ein Beitrag aus JOURNAL 5/20, dem Medien- und Mitgliedermagazin des DJV-NRW, erschienen im Oktober 2020.

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